Von New York nach Leipzig Schluss mit "How Are You Today Honey"

Weg aus New York. Aber wohin? München ist zu bussibussi. Hamburg zu kühl, Köln zu schwul. Leipzig! Schriftstellerin Else Buschheuer über ihre Rückkehr in die Heimat.

Von Else Buschheuer

In Leipzig tragen viele Leute "I love New York"-Shirts. In New York aber trägt kaum jemand ein "I love Leipzig"-Shirt. Man trifft auf beiden Kontinenten dicke Menschen, denen Fritten aus den Ohren hängen, aber mit den einen ist man dann eben blutsverwandt.

Da sitz' ich also in New York. Abgebrannt. Abgekämpft. Hässlich vor lauter Selbstbehauptung. Wir schreiben . . . was schreiben wir eigentlich?

Hochsommer 2005. Vier Jahre hab ich mich durchgewurschtelt. Von Romanvorschuss zu Romanvorschuss, von Bleibe zu Bleibe, von Date zu Date, und mehrmals durch alle Demütigungsrituale der Homeland Security.

Meine Haare sind kurz. Meine Schuhe sind flach. Mein Konto ist leer. Mein Heldenzettel ist voll: den 11.9. 2001 überlebt, den großen Blackout 2002 überlebt, in einem Krishna-Tempel gewohnt, von White-Trash-Schlampen, denen ich Miete schuldete, mit Kampfhunden gejagt. Zwangsräumung, Drogenschießereien vor der Tür, Polizei in der Wohnung.

Ratten und Kakerlaken

Ratten fraßen meinen Proviant, Kakerlaken liefen nachts über mich. Einmal schnitt ich mir eine Glatze, weil es sowieso egal war. Und immer halb illegal, immer auf der Flucht vor dem Hausmeister, immer jemandes "Cousine". Draußen nicht saufen, drinnen nicht rauchen, nicht wahlberechtigt, nicht arbeitsberechtigt, bloß nie beim Sex im Washington Square Park erwischen lassen.

Zu Hause: Was ist das? Wo ist das? Warum hab' ich das nicht? Warum wollte ich das nie? Stattdessen die ständige Umzieherei, das "Schrobschrobschrob" mit meinem Rollenkoffer, treppauf, treppab durch den Moloch und seine Katakomben, all' die Ansichtskarten, die ich an die Heimat schicke, auf denen ich schwärme, wie hoch die Häuser sind, wie einzigartig das Licht, wie multikulti die Menschen, all die New York-Klischees, die klingen wie ein Sinatra-Song. Das Problem ist, man kann nicht leben in einem Sinatra-Song. Keine Sau kann leben in einem Sinatra-Song, nicht mal Sinatra.

In New York zu leben, ohne Millionär zu sein, das ist wie gegen den Wind zu pissen. Wie es mich ankotzt, dieses Gitternetz der Straßen, in denen die Luft steht, immer zu kalt oder zu heiß, immer muffig. Wie ich es satthab, das Jaywalking, durch hastende Gestalten, die Styroporbecher balancieren und aussehen wie im Werbespot von Benetton.

Dieses bekiffte How-Are-You-Today-Honey. Rattenkolonnen. Nölige Martinshörner. Regenschirme, die beim ersten Windstoß verrecken. Zähe New Yorkerinnen, die hinter Glasscheiben an Fitnessgeräten zupfen. Verkrustete Obdachlose mit nagelneuen Nikes. Zuckende Hiphopper. Dickhalsige Cops. Automaten, die nach meiner Social Security-Nummer fragen. Und an jeder Straßenecke lauert ein Gregor-Gysi-Double.

Wie halten wir so lange in New York aus?

Wie hab ich das so lange ausgehalten? Wie halten es die anderen Deutschen hier aus? Schließen Greencard-Ehen mit Al Bundys, wühlen in Kleiderspenden, essen in Suppenküchen, überleben von illegalen Putz- und Burger-Grill-Jobs.

Warum gehen wir nicht nach Hause, wo wir Familien haben und Dispokredite und eine Krankenversicherung und Barbara Salesch und Hartz Vier?

Weil wir uns schämen. Weil wir keine "Quitter" sein wollen. Weil wir nicht scheitern wollen wie Susan Stahnke in Hollywood. Der Gedanke ist unerträglich. Sie sollen uns weiter beneiden, die Kleingeister, die sich in kleinkarierten Kleinstädten an Kleinscheiß berauschen.

Wir bleiben! Und wenn wir anschaffen gehen für einen lumpigen Heimflug im Jahr! Nur um zu erzählen, dass wir auf dem Spielplatz im West Village Sarah Jessica Parker gesehen haben. Nur um "bei uns in downtown Manhattan" einzustreuen oder "Wie sagt man gleich auf Deutsch?"

Drei Tage Kokosnuss für 1,99

Kein Wort darüber, dass wir manchmal drei Tage an einer Kokosnuss für 1 Dollar 99 essen, dass wir Katzen sitten, obwohl wir Katzen hassen, dass wir uns fensterlose Kellerlöcher mit wildfremden Studenten aus Wisconsin teilen. Kein Wort davon.

Jedenfalls hock' ich in Little India, Lexington und 30. Straße, "nur einen Katzensprung vom Empire State", wie ich vor meinen deutschen Freunden herumgeprollt habe. Zwei Koffer in der untergemieteten Wohnung, zwei weitere im Storage, ein Computer, ein Drucker.

In zwei Wochen muss ich aus der Wohnung raus, in vier Wochen ist mein Geld alle, und ohne Greencard (abgelehnt!) stehe ich vor einem ernsten Aufenthaltsproblem. Das ist die Situation. Aber weg aus New York? Dem Schmelztiegel? Dem Big Apple? New York - was ist das eigentlich? Eine Schimäre. Eine Fata Morgana. Eine fixe Idee.

Das gibt nur keiner zu. Und bin ich nicht zu alt für die Scheiße? Bin ich nicht wie Hans Albers in "Große Freiheit Nr 7", der immer sagt "Ich kann morgen wieder anheuern", aber er heuert nicht an?

Ich reich' die Scheidung von New York ein

Und dann passiert es. Der ganze New York-Schmompf fällt wie ein Grind von mir ab. Ich erwache wie aus einem Fiebertraum. Ich fühle mich wie jemand, der seit zwanzig Jahren verheiratet ist, nur weil Tante Ulla auf der Hochzeit gesagt hat: "Das mit euch wird nie was!". Tante Ulla ist tot. Sudden death of Tante Ulla.

Ich reich' die Scheidung ein. Meine Scheidung von New York. Ich werde zurückgehen nach Deutschland. Immerhin bin ich vierzig. Da sucht man die Wurzeln. Da schließt sich der Kreis.

Aber wohin in Deutschland? In Berlin habe ich zu viele Leichen im Keller. München ist zu bussibussi, Hamburg zu kühl, Köln zu schwul. Vielleicht Leipzig?

Leipzig fühlt sich aus 6000 Kilometern Entfernung exotisch an. Die Musik-Stadt. Die Buchmesse-Stadt. Mutter der Neuen Leipziger Schule. Die Stadt mit den schönen Namen: Strohsackpassage, Barfußgäßchen, Auerbachs Keller, Specks Hof. Die Stadt, wo die hübschen Mädchen an den Bäumen wachsen.

Und ich bin ja von dort. Und ich wär' nicht allein. Neo Rauch ist doch auch zurückgegangen. Masur hat dort noch sein Haus. Die Sänger von Rammstein, Tokio Hotel, den Prinzen - alles Leipziger. Leibniz war einer, Liebknecht war einer, Bach sowieso. Leipzig, yep, da geh' ich hin.

Zwei Wochen später, wir schreiben Spätsommer 2005, bin ich in Leipzig, in der Innenstadt, zwischen Altem Rathaus und Blechbüchse. Ich habe einen Job gefunden, mit regelmäßig Kohle, beim Fernsehen. Ich sitze im Nieselregen, lese in der Leipziger Volkszeitung über bedeutende Menschen, von denen ich noch nie hörte, und bestelle in einer mediterranen Fressbutze "gefühlte Champignons".

Überall wird geraucht und getrunken, und es hängen viele Würste herum, wie im Schlaraffenland, sehr viele Würste, die sich bis in meine Träume ranken werden. Das ist also Leipzig. Sowas wie Heimat. Zwanzig Kilometer von hier bin ich geboren. Hundert Meter von hier kriegte ich meinen ersten Kuss. Ich weiß gar nicht mehr, von wem. Robby? Timo? Maik? Das war in einem anderen Jahrtausend, in einer anderen Gesellschaftsordnung, in einem anderen Land.

Meine Rückkehr nach Leipzig: Die Euphorie ist einseitig

Am Leipziger Hauptbahnhof, der mit der taubenverdreckten Räuber-und-Gendarm-Ruine meiner Kindheit nichts mehr zu tun hat, kaufe ich eine New York Times. Blättere. Stutze. Na also. Trendsetter, ich. Leipzig ist Aufmacher im Reiseteil! Die Heldenstadt, City of the Heroes. Leipzig, mein Leipzig. Ich möchte Luftküsse werfen. Die Euphorie ist einseitig.

Hab ich wirklich gedacht, Leipzig veranstaltet ein Feuerwerk zu Ehren meiner Rückkehr? Niemand kennt mich. Niemand schätzt mich. Niemand will mich. In den ersten Wochen werde ich abgestoßen wie ein Fremdorgan. Ich Kuckucksei.

Selber schuld. Warum hab ich mir den Stallgeruch in den Weltmeeren abgewaschen? "Du mit deinem New York", sagt ein alter Schulfreund genervt, und ich verstumme. "Gehen Sie doch zurück in das Land, wo man Striche macht", rät eine Postbeamte, weil es mir nicht gelingen will, zur deutschen Haken-Eins, zur deutschen BalkenSieben zurückzukehren. Ein Zeitungsmann antwortet, als ich ihn mit jovialem "Hi" begrüße: "Mior ham hior geen Hai."

Leipzig verwirrt mich

Leipzig verwirrt mich. Es wimmelt von Mundartkabaretts. Die Straßenbahnen scheinen sich gleichzeitig in alle Richtungen zu bewegen, wie im Film "Sunrise" von Murnau. Auf den Straßen wird gebaut und gerempelt, und wenn ich bei Rot rübergehe, hagelt es Belehrungen.

Die Angolaner, die ich nach dem Weg frage, erschrecken ob der ungewohnten Ansprache, und als ich einer Passantin "Schicker Hut!" zurufe, huscht sie weiter, als hätte ich ihr ein obszönes Angebot gemacht. Leipzig ängstigt mich. Nachts ist es dunkel und gruselig. In New York hab ich mich nie gefürchtet, nicht mal in der South Bronx. Im Clara Park, der grünen Lunge Leipzigs, verirre ich mich sogar. Ist mir im Central Park nie passiert.

Leipziger Küche sei "sophisticated and delicious", schreibt die New York Times. Im Restaurant am Bayerischen Bahnhof könne man tolle Schweinshaxe (Pork Knuckle) essen. Mir steht der Sinn nach Sachen, die ich in New York nicht kriegen konnte. Ich kaufe in der "Gaufhalle" Kohlrabi, Bautzener Senf, mittelscharf, Leinöl aus der Lausitz, Rotkäppchen-Sekt, trocken, Knusperflocken von Zetti, Spreewälder Gewürzgurken und den guten "Leckermäulchen"-Quark, Bückware zu Ostzeiten.

Ach schau, in Leipzig macht man Mayo auf den Bagel, der Vietnamese vom Asia-Snack bietet alternativ Döner an, und Nadine, Verkäuferin am Sushi-Stand, weiß nicht, was Sashimi ist. Gut. Ich will nicht hochmütig sein. Ich will mich nicht wie ein Besser-Wessi benehmen. Es ist noch nicht lange her, da wusste ich selber nicht, was Sashimi ist.

Bedeutet Leipzig nicht Freiheit?

Und überdies: War ich in New York jemals frei? Ist Freiheit nicht das hier? Ist Freiheit nicht auch, nicht zu wissen, was Sashimi ist? Ich rauche wieder Kette. Ich saufe, auch draußen, auch sonntags. Im Sommer mache ich FKK im Cospudener See. Mein lieber Scholli! Die Leipziger sind nicht so etepetete wie die New Yorker, die einen vorm Knutschen drei Minuten mit Listerine gurgeln lassen.

Ich sammle neue alte Vokabeln: Schnipsgummi, gute Stube, Plastetüte, Fruchtparadies, Bohnenkaffee, Amalgam, Laminat, Linoleum, Bollorkarte, Eingefrostet. Ich betrachte Gruppen von Skinheads wie eine aussterbende Tierart.

Ich erschließe mir den öffentlichen Nahverkehr. Ich suche und finde eine Wohnung, in der vier puertoricanische Familien Unterschlupf finden könnten. Noch mögen mich die Leipziger nicht zurück, aber das wird! Jetzt bau ich mir erst mal ein Nest. Obwohl ich Angst hab' vor Sachen wie Mietvertrag, Einbauküche mit Durchreiche, Hausratsversicherung, Nasszelle, Kaffee-Service. Mir graut vor einem Briefkasten mit meinem Namen drauf, vor Blockwart, Hausordnung, Pop-ins. Hier bin ich niemandes "Cousine".

Ich werd auch nicht, wie in New York, mit Annie Lennox verwechselt, sondern vielmehr permanent für mich gehalten. Aber: Wer war das noch mal - ich? Bin ich noch die, die ich als Kind mal war? Bin ich die, für die ich mich neulich hielt? Bin ich für die Wirklichkeit einer Karstadt-Kundenkarte geschaffen? Ich beantrage ein Telefon. Vier Wochen nix. Ob das immer noch 15 Jahre dauert? Auto hat glaub' ich sogar 16 Jahre gedauert damals.

In den Überbleibseln meines jugendlichen Hausrats, auf einem Eilenburger Hängeboden, finde ich meine Anmeldung für eine "Wartburg Limousine", bestellt in der DDR 1981, gleich nach meinem 16. Geburtstag. Die Wartburg Limousine würde ich vermutlich inzwischen haben. Shit happens.

Wie mache ich mir die Leipziger gewogen? You just need to blend in, hat meine Zimmerwirtin Lydia in Harlem gesagt, bevor sie mir riet, meine Haare dunkel zu färben, um nicht mehr "Schneeflocke"' gerufen zu werden. Das ist der Schlüssel. You just need to blend in. Die Gemeinsamkeiten muss der Mensch betonen, nicht die Unterschiede.

Deichmann-Pumps und Leopardenmuster

Nun habe ich blondierte Strähnchen im Leipziger Retro-Look. Ich entwickle ein giselaschlütereskes Faible für Deichmann-Pumps und Leopardenmuster. Ich trage Modeschmuck. Und manchmal Rock. Ich bin dankbar, dass die Leipziger mich aus der Kruste geklopft haben. Und die Leipziger sehen, ich meine es ernst. Sie sehen, ich möchte von ihnen lernen, möchte so sein wie sie. Nix Besseres. Keine Extrawurst. Keine Weltbürgerin.

Man trifft mich beim Fleischer, beim Friseur, im Linienbus. Warum nicht maln Schwätzschn mit dem Hausmeister? Der Mann aus dem Küchenladen nimmt inzwischen meine Pakete an. Dem Fliesenleger schenke ich die leckeren Hallorenkugeln aus Halle an der Saale.

Ich entdecke den Ossi in mir, in uns allen. Nicht zu viel Lebensfreude sollte man ausstrahlen, nicht mit Erfolgen prahlen, keinen Neid provozieren. Auch nie einkaufen, ohne vorher die Preise zu vergleichen. Eintreten soll der Mensch, eintreten, was das Zeug hält. Ich bin inzwischen Mitglied der Künstlersozialkasse, der Techniker Krankenkasse, einer Videothek, eines Fitnessclubs, bin Inhaberin einer Bahncard 50 Prozent zweiter Klasse und nur noch einen Steinwurf von der Karstadt-Kundenkarte entfernt.

Ich hab mir Bongo-Trommeln gekauft und nehme Unterricht. Ich belege den Volkshochschulkurs "mit unbunten Farben zu einem strahlenden Aussehen". Ich habe einen Boyfriend . . . ähm . . . Bartnor. Das ganze Programm.

Auf der Liste der 100 wichtigsten Leipziger belege ich laut Bild immerhin schon Platz 101. Ich bin Stammkundin im Schnapsladen am Hauptbahnhof (Leipzig ist schön. Oder sauf' ich mir Leipzig schön?). Ich hab eine Stempelkarte beim Galeria-Kaufhof-Friseur. Auf der Karte sind schon neun Stempel. Noch einer, und ich kriege einen Fassonschnitt frei.

Samstagfrüh um sieben hat sich der Paketbote verbimmelt ("vorpimmelt"). Ich habe ihn reingelassen. Und ein Päckchen für meine Nachbarin, Frau Lottke, angenommen. Eine Hand wäscht die andere, sagt Frau Lottke immer. Sie ähnelt dem Chinesen aus "Frühstück bei Tiffany".

In einem Laden, der auf DDR-Produkte spezialisiert ist, habe ich etwas gefunden. Ein lila Seifenbeutel aus Dederon. Da haben wir früher die Westseifenreste reingetan, Lux, Fa, Dove, alle durcheinander, um sie restlos aufzubrauchen. Sonst kann ich mich an kaum was von früher erinnern. Und meine wenigen Erinnerungen scheinen dem entsetzlichen Film "Good Bye, Lenin" entnommen, den ich in einem schrabbeligen Programmkino in New York sah.

Die Sachsen sind ein nettes Völkchen. Man darf sie nur nicht unnötig reizen, indem man ausländisch oder hochdeutsch spricht, das Gesundheitssystem lobt, andere mit Reiki behandeln will oder Themen wie Stasi und SED-Vergangenheit anschneidet. Man sollte auch keine beängstigenden Kopfbedeckungen, Sonnenbrillen, Ansichten haben, nicht zusammenzucken, wenn jemand "Überfremdung" sagt und sich nie, niemals mit dem eigenen Arbeitgeber anlegen.

Ich bin in Leipzig hübscher geworden

Ich steige inzwischen im Taxi immer vorne ein, um den Fahrer nicht zu kränken. Ich entschuldige mich, wenn ich in einer Budike nix kaufe. "Der Weg zur Besserung führt nach Leipzig", las ich neulich auf einem Plakat. Ich bin felsenfest davon überzeugt. Erst müssen wir vor unserer eigenen Tür kehren, eh wir die Welt verbessern können. Zum Beispiel bin ich viel hübscher geworden, seit ich hier wohne.

Das hat mit meinen Wurzeln zu tun. Und dass der Kreis sich nun schließt. Ich fürchte mich nicht mehr im Dunkeln. Ich verlaufe mich nicht mehr im Park. Ich sage nicht mehr "Hi", wenn ich ein Geschäft betrete, sondern "Dok!" Gegessen wird, was auf den Tisch kommt.

Ich hab neuerdings sogar Telefon. Und eine Karstadt-Kundenkarte. Fehlt nur noch die Marke für den Aldi-Einkaufskorb. Es gibt bei Aldi preisgünstigen Rotwein, sagt Frau Lottke. Australischen Shiraz Cabernet. Ich soll ihr ein paar Flaschen mitbringen. Mach' ich. Eine Hand wäscht die andere. In meiner guten Stube heize ich immer tüchtig ein. An der Wand habe ich eine New-York-Motivtapete angebracht. Es ist richtig gemütlich bei mir.

Else Buschheuer, geboren in Sachsen, ist Schriftstellerin. Dieser Tage erscheint ihr "Leipzig Tagebuch" im Salier Verlag.