Die Familie war es auch, die der 18-jährigen Rebekka schon Komplimente für ihr Aussehen gemacht hat. "Den Eltern glaubt man es aber nicht so", sagt sie. Weil alle Eltern ihre Kinder schön fänden. Einmal habe ihr jemand einfach im Vorbeigehen gesagt: "Ich finde dich voll schön." Welche Bedeutung ein solches Erlebnis für sie hat? "Es war ein schönes Gefühl, weil man sich selbst nicht immer so sicher darüber ist. Man freut sich über so ein Kompliment. Vor allem, wenn es Leute sagen, die das nicht aus Höflichkeit tun."
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Zähne zeigen: Miss Deutschland 2010, Zallascht Sadat, mit Krönchen und Schärpe. (© ddp)
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"Die Auseinandersetzung mit der eigenen Erscheinung sowie deren Wirkung auf andere Menschen mag unterschiedlich intensiv erfolgen, aber wir kommen nicht um sie umhin", schreibt Waltraud Posch. Es hilft also nichts, allein auf die Diktatur von Idealen zu schimpfen: Wer in dieser Welt lebt, für den ist Schönheit ein Thema. Punkt.
Bei aller Kritik an Schönheitsidealen und der Macht, die sie ausüben, darf denn auch nie die Schönheit an sich mit in den Dreck gezogen werden. Die Sehnsucht nach Schönheit drückt die Sehnsucht nach Leben aus, und sie stillt diese auch. Nietzsche spricht von der Schönheit der Kunst als der "Verführung zum Leben", gar der "Ermöglicherin des Lebens".
Schwer, aber nicht unmöglich
Wie aber umgehen mit der herrschenden Diktatur der äußerlichen Schönheit, des vorgegebenen Ideals? Sich unabhängig zu machen vom gängigen Schönheitsideal ist eine Aufgabe, die schwer ist, sehr schwer. Und doch ist es möglich.
Denn Schönheit - und das klingt banal, ist es aber nicht - liegt letztlich im Auge des Betrachters. Die Wahrnehmung lässt sich schulen, und was Tausenden als hässlich gilt, muss es nicht für jeden sein. Blickt man beispielsweise auf das erfolgreiche Model Karen Elson: Sie ist groß, bleich und dünn. Sie sieht sonderbar aus, bis heute - als Kind, so schreibt das Zeit-Magazin, rief ihr ein Junge immer hinterher "Ein wandelndes Gespenst!". Man könnte das immer noch rufen - und doch strahlt Karen Elson eine ganz eigene Schönheit aus, die entdeckt, wer sie länger ansieht als einen Moment. Elson hat es geschafft, den Blick der Betrachter in eine andere Richtung zu lenken. Sie steht für die Vielfalt und Einzigartigkeit, die es in der Welt zu entdecken gibt. Wer an seiner Wahrnehmung arbeitet, kann mehr Schönheit genießen als diejenige photogeshoppter, makelloser Stars.
Der Dichter Christian Morgenstern war einer dieser Menschen, die sich einen eigenen Blick auf die Schönheit der Welt bewahren. Er sagte: "Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet."
Das ist tröstlich. Und schön.
Die Ausstellung "Was ist schön?" geht noch bis zum 2. Januar 2011. Für Schulklassen bietet das Hygiene-Museum thematische Führungen und Projekttage an.
Adresse: Stiftung Deutsches Hygiene-Museum, Lingnerplatz 1, 01069 Dresden, www.DHMD.de
Kuratoren: Doris Müller-Toovey und Sigrid Walther. Die Ausstellung organisiert das Deutschen Hygiene-Museum in Zusammenarbeit mit der Agentur klotz │müller-toovey GbR, Berlin, und Wilfried Rogasch.
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(sueddeutsche.de/pfau/bgr)
Voreiliges Buch "Der Pott ist dahoam"
Ich muss sehr verwundert feststellen, dass ich das "maximal attraktive" Frauengesicht zwar nicht als abstoßend aber auf keinen Fall so wunderschön empfinde.
Es spielt hoffentlich bei der Anziehungskraft eines Menschen sehr viel mehr eine Rolle, als die bloße offensichtliche, äußere Schönheit. Die vollen Lippen und größten Brüste können auch nicht glücklich machen, wenn sich dahinter ein innerlich abstoßender Mensch verbirgt.
Als Portrait-Fotograf beschäftige ich mich seit langem mit dem Schönheitsideal. Richtig ekelhaft finde ich in diesem Zusammenhang die austauschbaren, debil grinsenden und makellosen Gesichter in den Schaufenstern der lokalen Fotoläden. Brrrrrrrr.
Das in den Falten und Makeln der Menschen um uns herum Schönheit wohnt erkennt man wohl erst als erfahrener Betrachter. Ich retouchiere niemals einen interessanten Makel bei meinen Modellen weg; in selten Fällen füge ich sogar einen hinzu! ;-)
Wer sich ein Urteil bilden möchte, der kann das hier: http://www.daedalus-v.de
Ronald
Damit wiederholen sie ja nur was ich gesagt habe. Sie himmeln eine Schönheit an, von der sie gelernt haben, das genau das schön sein soll.
Ob nun Statuen oder Fotos und Videos in den Medien...wichtig ist die allgemeine Meinung, der man eben nicht widerspricht.
Es geht nicht um eine eigene Schönheit, es geht immer um die Ästhetik im Auge des Betrachters, beeinflusst von einem Zeitgeist. Also Moden, die späteren Generationen dann oft genug eher lächerlich vorkommt.
Der Goldene Schnitt ist dabei ein Proportionsregel, die die Zeiten überdauert hat. Wenn dann noch die Oberfläche stimmt (keine Unregelmäßigkeiten) ist es die Ästhetik einer Statue.
Die Ästhetik eines Menschen ergibt sich dann in dem Zusammenspiel der beiden Faktoren mit Mimik, Gestik, Bewegung. Das proportionierteste Gesicht verliert die Proportion, wenn es hasserfüllt ist oder derjenige sich in den Zähnen puhlt. Lacht der hingegen freundlich, geht ein Engel durch den Raum. Auch ein unproportioniertes Gesicht wirkt durch Lachen ästhetisch.
Aber alles ist tot, wenn dann in einem misstönenden Gekreische unsägliche Dummheiten aus den Tiefen eines flachen Gemüts nach aussen dringen. Dann hilft keine Ästhetik mehr, dann hilft nur Flucht. Zur nächsten schweigende Statue, um sich an deren Schönheit zu erfreuen.
Wenn es wirklich das Ziel ist, Schönheit als etwas mehrdeutiges darzustellen, etwas zu dem jeder eine eigene Meinung hat, dann läuft dieser Text dem zuwider. Warum wird Karen Elson als schön angesehen? Weil sie dünn ist und in unser gängiges Schönheitsideal passt. Warum wird Beth Ditto als depressiv dargestellt, weil sie dick ist und das kann man schliesslich nicht akzeptieren.
Schönheit ist das, was einem von klein auf als schön dargestellt wird. Kinder lernen erst von ihren Eltern was schön ist, später passen sie ihr eigenes Empfinden der Umgebung an und richten sich nach dem Umfeld aus. Wenn uns also nur oft genug eingeredet wird, dünn und blass zu sein ist schön und wird in der Gesellschaft geachtet, dann glauben wir das, denn WIR wollen ja mit unserer Meinung kein Aussenseiter sein. Es wäre zu anstrengend, sich immer wieder dafür rechtfertigen zu müssen, das man Schönheit anders definiert als der Rest der Gesellschaft.
Schönheit wird lediglich als Druckmittel verwendet.
Würde es als schön gelten, sich moralisch richtig und sozial zu verhalten, dann sähe unsere Gesellschaft wohl völlig anders aus...und die jetzigen Machthaber und Günstlinge hätten ausgespielt. Aber wir wollen uns lieber anpassen und rufen....jaaaaa ihr Medien, ihr habt ja so Recht mit euren Schönheitsidealen...