Die Geburtenzahlen sind gesunken, der Aufschrei ist groß. Dabei ist die Lage längst nicht so ernst, wie befürchtet. Das Phänomen zeigt aber, wie sich die Republik wandelt.
Kinderlosigkeit ist immer für eine Schlagzeile gut. Schon die vorige Familienministerin Renate Schmidt warnte davor, dass vierzig Prozent der Akademikerinnen ohne Nachwuchs blieben - ein vermeintlich riesiges Problem für die Bundesrepublik. Nach einigem Forschen der Wissenschaftler und zahlreichen Befragungen zeigt sich: Die Lage ist längst nicht so ernst, wie befürchtet wurde.
Jede fünfte Frau bleibt kinderlos. Kein Grund zur Panik, es könnte schließlich so gewollt sein. (© Foto: iStockphotos)
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Die Geburtenzahl ist zwar drastisch gefallen, doch Frauen im Alter von vierzig Jahren haben nur in zwanzig Prozent der Fälle keine Kinder. Das bedeutet, dass jede fünfte Frau kinderlos bleibt, weil sie dies einfach so will, weil möglicherweise der richtige Partner fehlt oder die ersehnte Schwangerschaft ausbleibt.
Zwanzig Prozent Kinderlosigkeit - selbst diese Zahl ist noch zu hoch gegriffen. Denn immer mehr Frauen bekommen auch noch jenseits des 40. Lebensjahres Nachwuchs; das wird die Quote unter zwanzig Prozent drücken. Gleichwohl, das demographische Phänomen ist interessant, weil es zeigt, wie sich die Republik wandelt - ein Drama ist aber nicht zu erkennen.
Die Zahlen zeigen auch, dass die Bundesrepublik zwei Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer immer noch ein Land mit sehr unterschiedlichen Lebensgewohnheiten ist: Ostdeutsche Frauen haben deutlich mehr Kinder als westdeutsche. Der Absturz der Geburtenraten Ost, der nach der Wende so auffällig war, ist längst gestoppt, und bald dürfte die Rate in den neuen Ländern wieder über der westdeutschen liegen. Die Ursache: Für Frauen in Ostdeutschland ist es immer noch alltäglich, Beruf und Familie zu kombinieren; im Westen gelingt das seltener. Das macht Kinder möglich und Kinderlosigkeit selten.
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(SZ vom 30.07.2009/aro)
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@ellän
Ach, ich gehe da sogar noch ein Stück weiter. Ich möchte z.B., dass es ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden gibt, damit endlich die sehr kostspieligen, da personalintensiven und menschenunwürdigen Schikanemöglichkeiten in den Ämtern aufhört und z.B. präventiver Arbeit Platz machen kann. Und natürlich sollte Bildung nichts kosten und eine kostenfreie Krankenversorgung selbstverständlich sein, ebenso wie Chancengleichheit und und und
Eine Schande ist zum Beispiel, dass die Frau ohne bisheriges Verdiensteinkommen ganze 300.- im Monat an Elterngeld bekommt, die Spitzenverdieneri aber bis zu 1800.- plus Möglichkeit, noch kräftig dazuzuverdienen während der Elterzeit.
Das ist doch alles eine Schande!
Sie sehen, so weit liegen wir gar nicht auseinander.
@ Moderator
Weshalb wurde mein Kommentar von 16.16.04 gelöscht? Hab ich irgendwas Böses gemacht? Bitte um Aufklärung.
Wir müssen hier keine Fronten aufmachen, davon gibt es in Deutschland bereits genug. Kinderlose gegen Eltern wäre nur eine neue, sinnlose Front.
Ich mache Ihnen keinen Vorwurf, wenn Sie sich als Normalverdiener beachteiligt fühlen, das mag so sein. So ganz kann ich aber den immer wiederkehrenden finanziellen Aspekt nicht verstehen. Wäre es Ihnen nicht auch viel lieber, wenn Bildung kostenfrei wäre und man das Geld in bessere Bildungschancen für alle Kinder steckt? Dann würde das einzelne Kind auch nicht mehr "so viel kosten". Das ist doch der vielbeklagte Hauptkostenpunkt, wenn man Schnickschnack wie Kleidung und Urlaub abzieht.
Deshalb mehr Geld ja, aber nicht in die generelle Erhöhung von Kigeld oder für Steuererleichterungen, sondern in die bessere Ausstattung von Bildungseinrichtungen und Bildungsangeboten/Förderung auch für Schlechtverdiener.
Das wäre mir höhere Steuern wert.
Sie sprechen aber sehr richtig einen Punkt an, der eine weitere Schande für dieses System ist. Natürlich sollte Kindererziehung besser auf die Rente angerechnet werden. Das können Sie mit Ihrer Wahlentscheidung beeinflussen.
@ellän schrieb:"Es erfolgt doch bereits ein großzügiger Ausgleich, oder etwa nicht?" Wie kommen Sie zu der Annahme? Sie bezeichnen 600.- mehr pro Monat als großzügig, wenn man, statt nur sich selbst, dann eine vierköpfige Familie zu versorgen hat? Sie machen hier aber Witze! (Zugrunde lege ich hier das Einkommen eines gar nicht mal so schlecht besoldeten Angestellten).
ellän schrieb: "Muss man denn wirklich Eltern, die zu den Gutverdienern zählen, Kindergeld bezahlen? Wäre es nicht gelebte Solidarität, wenn diese Eltern zugunsten benachteiligter Kinder auf das Kindergeld verzichten?" Sie haben Recht, allerdings würde ich erst bei den Sehr-Gut-Verdienenden ansetzen, weil auch gut verdienen kaum noch aussreicht, um all das zu schultern, was Kinder so kosten.
"Muss ich denn mit meinen Steuern den Klavierunterricht für die Arzttochter mitfinanzieren, wo ich doch viel lieber mein Geld einer Familie zukommen lassen würde, die es dringender benötigt." Nee, sollten Sie nicht müssen. Allerdings können die Normalverdiener nichts dafür, dass der Gesetzgeber denen viel gibt, die viel haben.
E. schrieb: " Und ja, die Erwartungshaltung von Eltern ist auch für mich anmassend, von den Eltern, die gar nicht mehr bemerken, dass der Staat es durchaus monetär zu schätzen weiß, dass sie das Wagnis Familie eingehen." Einen feuchten Kehrricht weiß der Staat das zu schätzen. Ich habe jahrelang meine Kinder erzogen und sie sind Dank meines Einsatzes prächtig geraten. Inzwischen bin ich wieder berufstätig .Wissen Sie, was ich i. M. dem Staat wert bin, wenn ich in Rente gehe bei 15 Jahren Berufstätigkeit und vielen Jahren Familienarbeit? Ganze 415.- im Monat. Das ist keine Wertschätzung, das ist ein Tritt in den Allerwertesten.
Die gute Rente, die dann von meinen Kindern gewährleistet wird, kriegen diejenigen, die ohne jegeliche "Störung" durch Kindererziehungszeite durcharbeiten konnten.
Ob jemand keine Kinder wollte oder keine kriegen konnte, ist übrigens irrelevant. Ungewollte Kinderlosigkeit kann man nicht denjenigen anlasten, die Kinder haben, zumal diese Kinderlosigkeit nicht mit Geld entschädigt werden kann.
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