Expertentipps zur Erziehung "Öffentliches Stillen muss wieder normal werden"

Stillen ist die natürlichste Ernährung für das Baby - doch manche Zuschauer stört dieser Anblick.

(Foto: m!ra / photocase.com)

Kritische Blicke und Restaurant-Besitzer, die Mütter des Lokals verweisen, wenn sie ihrem Kind die Brust geben: Stillberaterin Regine Gresens gibt im Interview Tipps, wie das Stillen in der Öffentlichkeit für Mütter leichter wird.

Von Katja Schnitzler

Vor allem beim ersten Kind ist es für Mütter eine ungewohnte Situation, ihr Kind vor aller Augen zu stillen. Hebamme Regine Gresens weiß, wie Frauen das Baby ganz beiläufig anlegen und sich vor unangenehmen Blicken schützen können.

SZ.de: Frau Gresens, muss es Müttern unangenehm sein, in der Öffentlichkeit zu stillen?

Regine Gresens: Nein, auf keinen Fall! Stillen ist ja die normale Babyernährung und Stillkinder bekommen auch unterwegs Appettit - warum sollten sie dann hungern? Wir verstecken uns ja auch nicht, wenn wir essen.

Warum ist es manchen Frauen dennoch peinlich?

In Deutschland ist man leider nicht so stillfreundlich und überhaupt baby- und mütterfreundlich, wie man das von einer zivilisierten Gesellschaft erwarten sollte. Es gibt eine Doppelmoral: Zum einen wird das Stillen als das Beste und Gesündeste für das Kind gepriesen. Dennoch wird Müttern, die öffentlich stillen, oft das Leben schwergemacht. Bei kleinen Babys wird das zwar oft noch freundlich akzeptiert, doch je älter das Kind, desto kritischer die Blicke und Kommentare.

Dabei sollten die meisten an den Anblick von nackten Brüsten gewöhnt sein, schließlich sieht man sie überall, sogar überlebensgroß auf der Plakatwand ...

Weibliche Brüste spielen bei uns tatsächlich eine große Rolle, allerdings nie in ihrer Funktion als Nahrungsquelle für die Babys. Sie werden allein mit Sex und auch Pornographie assoziiert. Da bekommen in der Öffentlichkeit stillende Mütter dann zu hören, das sei "eklig, obszön und abstoßend".

Wie sollten Mütter auf solche Anfeindungen reagieren?

Das muss jede für sich selbst entscheiden, vielleicht auch je nach Situation und Gemütslage. Allerdings sollte sich keine davon beeindrucken lassen. Mütter können sich gegenseitig darin bestärken, dass Stillen das natürlichste auf der Welt ist. Es muss in der Öffentlichkeit wieder ein normaler Anblick werden. Außerdem müssen sich die Frauen dafür ja nicht völlig entblößen, wenn sie diskret stillen, sieht man überhaupt nicht viel von der Brust.

Verraten Sie ein paar Tipps?

Ein hochgeschlossenes Kleid ist natürlich nicht geeignet, eher Blusen und T-Shirts oder spezielle Still-Kleidung mit Öffnungen und seitlichen Schlitzen. Und das Baby liegt dann sowieso vor der Brust, so dass diese nur kurz beim Anlegen zu sehen ist. Wer will, setzt sich seitlich vor eine Wand oder in eine Ecke, schützt sich mit einer Jacke vor schrägen Blicken von der Seite oder legt einen leichten Schal oder ein Tuch über Brust und Baby. Das können Mütter daheim vor dem Spiegel oder mit ihrem Partner üben, damit sie sich auch unterwegs damit wohl fühlen - und das Kind auch. Aber wir müssen uns hier keinen Umhang wie in den USA überwerfen, so dass weder Kind noch Brust zu sehen sind. Allein schon deshalb, weil das so auffällig ist, dass dann garantiert jeder hinstarrt.

Können Mütter im Restaurant zum Stillen am Tisch sitzen bleiben oder sollten sie sich lieber eine ruhige Ecke suchen?

Wer sich dann wohler fühlt, setzt sich woanders hin - wird aber dadurch erst recht Aufmerksamkeit erregen. Am Tisch hingegen kann das Stillen ganz nebenbei ablaufen. Vor allem, wenn die Mutter schon auf die ersten Hungerzeichen des Babys, wie zum Beispiel Schmatzen oder Suchen, reagiert und es zügig anlegt, geschieht das alles beiläufig und fällt niemandem groß auf. Wenn aber das Baby erst einmal schreit und die Mutter dann auch noch einen freien Tisch sucht, um dort zu stillen, schaut natürlich jeder. Trotzdem würde es einem Restaurant-Besitzer niemals einfallen, eine Mutter hinauszuschicken, die ihrem Kind das Fläschchen gibt. Bei stillenden Müttern kommt das leider immer wieder mal vor.

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Muttermilch ist viel mehr als nur Nahrung: Sie ist bislang das einzige erfolgreiche Functional Food. Stillen fördert die Gesundheit des Säuglings, beeinflusst seine Intelligenz und möglicherweise seinen Charakter.