Zum Tod von Omar Sharif Ägyptens Sonne ist untergegangen

Omar Sharif spielte den stillen Helden in monumentalen Hollywoodfilmen wie "Doktor Schiwago" und "Lawrence von Arabien". Ein Nachruf auf einen großen Schauspieler.

Von Fritz Göttler und Sonja Zekri

Er hatte wirklich Format, historisches Format, in den Sechzigern, als das Kino mit monumentalen Filmen über monumentale Figuren versuchte, das Publikum vom Fernseher vor die Großleinwände zurückzulocken. 1969 war Omar Sharif als Che Guevara zu sehen, in der Hollywood-Biografie von Richard Fleischer, neben ihm Jack Palance als Fidel Castro. Dies ist sicher nicht der Film, weshalb man sich an Sharif erinnern wird. Auch "Mayerling" nicht unbedingt, den er kurz zuvor gedreht hatte und in dem er der österreichische Kronprinz Rudolf war, der mit der geliebten Mary Vetsera Selbstmord beging - die wurde gespielt von Catherine Deneuve.

Erinnern wird man sich natürlich an Sherif Ali in seinem schwarzen Gewand: "Lawrence von Arabien", der eine mysteriöse, sinnlich-keusche Beziehung einging mit dem blonden britischen Lawrence von Peter O'Toole, und an Doktor Schiwago, in der gleichnamigen Verfilmung von Boris Pasternaks Nobelpreis-Roman. Schiwago, der freundliche Arzt, der mit Gelassenheit durch die grausamen Wirren der russischen Revolution ging und mit Hilfe von zwei Frauen zu sich fand, Julie Christie und Geraldine Chaplin.

Spieler und Gentleman

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Sein Verhältnis zu Ägypten war leidenschaftlich, aber nicht problemfrei

Lawrence und Schiwago, zwei Filme von David Lean, dem Minimalisten der großen Leinwand - sein ruhiger Inszenierungsstil entsprach durchaus dem Temperament von Omar Sharif - und auch, dass er seinen Akteuren kein übertriebenes Spiel abverlangte. Das ist keine Kunst, lästerte damals die giftige New Yorker Kritikerin Pauline Kael: "Es ist Schwerarbeit - was natürlich viele Leute mehr respektieren als Kunst."

Vor "Lawrence" war Sharif ein Star im ägyptischen Kino gewesen. Sein Verhältnis zu Ägypten war leidenschaftlich, aber nicht problemfrei. Damals, zu Beginn seiner Karriere, sah der ganze Nahe Osten Filme aus Ägypten, es war das Goldene Zeitalter, und es hatte ein Königspaar: Omar Sharif und Faten Hamama, die wunderbare Königin des ägyptischen Kinos. Die beiden spielten in vielen Filmen gemeinsam, zum Beispiel in der "Anna Karenina"-Verfilmung "Fluss der Liebe" von 1961. Hamama war seine große Liebe, für sie trat der Christ Sharif 1955 zum Islam über. Es war eine Ehe, die erst Hollywood schied: 1974 verließ Sharif Ägypten, aber Hamama vergaß er nie: "Ihre Liebe war alles verzehrend", sagte er noch vor Kurzem in Kairo. "Um es in aller Offenheit zu sagen: Nach ihr habe ich mein Herz verschlossen." Hamama starb im Januar.

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Karriere beim Erzfeind Amerika

Viele Ägypter verziehen ihm eher schon, dass er ausgerechnet beim Erzfeind Amerika sein Glück gemacht hatte, aber nicht, dass er seinen Glauben aufgegeben hatte. Hin und wieder kehrte er dennoch auf die Leinwand am Nil zurück. Einen der schönsten Auftritte hatte er in Ramy Imams Film "Hassan und Marcus", einer herrlich bösen Verwechslungskomödie über religiöse Fanatiker mit Kreuz oder Halbmond aus dem Jahr 2008, ein wunderbarer Spaß, weil er die Heuchelei der christlichen Kleriker genauso aufs Korn nahm wie jene der Super-Muslime: käuflich, verlogen die einen. Käuflich, verlogen die anderen.

Auch in Amerika und Europa spannte man ihn mit den größten Schauspielerinnen zusammen: mit Deneuve und Christie, mit Barbra Streisand - in "Funny Girl" - mit Sophia Loren, Julie Andrews und Anouk Aimée. Omar Sharif blieb Gentleman diesen Frauen gegenüber, unergründlich und diskret. Er war kein leidenschaftlicher Actionheld, sicher nicht wirklich heimisch in Filmen wie "Che" oder "Dschingis Khan", aber auch kein großer leidenschaftlicher Liebhaber. Seine Leidenschaft war allenfalls Tarnung. So wurde er allmählich auch zum Spezialisten für östliche Weisheit, die des Fernen wie des Nahen Ostens - zuletzt in "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran", nach dem Roman von Éric-Emmanuel Schmitt. Und auch nach Russland wurde er immer wieder ausgeborgt, zum Beispiel für die "Dämonen"-Verfilmung von Regisseur Andrzej Wajda.

Echte Leidenschaft entwickelte er jenseits der Leinwand, an den Bridge-Tischen der ganzen Welt, ganz professionell. Oder beim Pferdesport. Anfang des Jahres berichteten arabische Medien gerührt, dass Sharif zurückgekehrt sei an den Nil. "Ich bin zurückgekommen, damit die Menschen, die ich liebe und die mich nie vergessen haben, meinem Begräbniszug folgen können", sagte er in Kairo. Wie hätte er in der Fremde bleiben können, "wo nur Fremde zu meinem Begräbnis kommen?" Im Alter von 83 Jahren ist Omar Sharif nun in Kairo gestorben.