Themenvielfalt auf der Berlinale Geist und Körper

Ausgesperrt aus der Welt: Szene aus Jafar Panahis "Pardé".

(Foto: Festival)

Die schiere Masse an unterschiedlichen Themen erschlägt den Berlinale-Gänger. Doch vielleicht passen die Dinge doch besser zusammen, als man anfangs dachte.

Von Paul Katzenberger, Berlin

Die schiere Masse an unterschiedlichen Themen erschlägt den Berlinale-Gänger. Doch vielleicht passen die Dinge doch besser zusammen, als man anfangs dachte.

Kaum etwas verlangt einem Besucher mehr geistige Flexibilität ab als der Besuch eines großen Filmfestivals. Ohne Weiteres kann es etwa auf der Berlinale vorkommen, dass sich der Kinogänger innerhalb eines einzigen Tages mit so unterschiedlichen Themen auseinandersetzt wie dem thailändisch-kambodschanischen Grenzkonflikt, dem Stammesleben des Venda-Volkes in Südafrika, der Neo-Burlesque-Szene in New York und dem Erwachsenwerden von zwei georgischen Teenager-Mädchen.

Besonders zusammenhanglos schien die Chronologie des soeben zu Ende gegangenen 6. Festivaltages zu sein. Die Berlinale-Programmierer werden sich schon etwas dabei gedacht haben, als sie entschieden, Steven Soderberghs Thriller "Side Effects" unmittelbar nach Jafar Panahis "Pardé" (Closed Curtain) im Berlinale Palast zu zeigen, doch abrupt war der Übergang schon.

Denn die Filme Panahis und Soderberghs unterschieden sich diametral: Panahis "Pardé" der praktisch keinen narrativen Aufbau hat, ist am ehesten als politisches Statement zu beschreiben. Denn Panahi, der in Iran mit einem Berufsverbot belegt ist, zeigt darin seine Gedanken- und Gefühlswelt wegen dieser Situation auf, die ihn offenbar depressiv macht.

Um die Krankheit Depression geht es zwar auch in "Side Effects", doch das ist wohl die einzige Gemeinsamkeit. Denn die Story von Drehbuchautor Scott Burns hat einen extrem konstruierten Aufbau - der Thriller nimmt rasant immer wieder eine neue unerwartete Wendung. Das macht Spaß anzuschauen, geht am wahren Leben dann aber doch vorbei. Er habe einen Film machen wollen, an dem alles nur Muskel sei, sagte Soderbergh in Berlin. Nimmt man diese Metapher, dann ist im Gegensatz dazu Panahis "Pardé" reine Emotion, bloßer Gedanke. Und vielleicht passt das ja dann doch irgendwie zusammen, schließlich bilden Geist und Körper eine Einheit.