Sexismus in Hollywood Frauen bitte draußen bleiben

"Die Tribute von Panem" und "Zero Dark Thirty" weckten Hoffnung auf klischeefernere Frauenfiguren im Hollywoodkino. Doch hinter der Kamera hat sich wenig getan. Neue Studien zeigen, wie erschreckend selten Frauen in Hollywood entscheiden dürfen.

Von Kathleen Hildebrand

Gerade hat sie den Jungs auf der Enterprise noch Waffentechnologie erklärt, dann zieht sie sich - dramaturgisch sehr unmotiviert - bis auf die Unterwäsche aus. Steht da und muss sich von Captain Kirk begaffen lassen. Für die Szene in "Star Trek: Into Darkness" musste sich Regisseur J. J. Abrams in der Late-Night-Show von Conan O'Brien rechtfertigen: "Es gibt vorher eine Szene, in der auch Kirk kein T-Shirt anhat, also dachte ich, es sei fair", sagte er, "aber ich kann die Kritik verstehen."

Das ist sehr einsichtig von ihm, aber vielleicht hätte es gar nicht so weit kommen müssen. Viele Frauen hätten auf den ersten Blick gesehen, dass die Unterwäsche-Szene Geschlechtsgenossinnen ärgern wird. Aber J. J. Abrams ist ein Mann und sein Drehbuchautor ist auch einer. Ebenso der Kameramann sowie elf der 13 Produzenten des Films. Frauen sind selten anwesend, wenn hinter den Kameras entschieden wird. Wie erschreckend selten, zeigen neue US-Studien über den Frauenanteil in Hollywoodproduktionen.

In nur 24 der 250 finanziell erfolgreichsten Kinofilme des Jahres 2012 haben Frauen Regie geführt. Verglichen mit den Zahlen seit 1998 stagniert der Anteil weiblicher Regisseure. Das fand eine Studie der San Diego State University heraus.

Ein Regie-Oscar für eine Frau - in 85 Jahren

Es sieht ganz so aus, als bliebe Kathryn Bigelow, die 2010 einen Regie-Oscar für ihren Film "The Hurt Locker" gewann, noch für eine ganze Weile die einzige Frau in der Geschichte des Preises. Dass sie 2013 nicht erneut für "Zero Dark Thirty" nominiert wurde, brachte der Academy - die zu fast 80 Prozent aus Männern besteht - viel Kritik ein.

Warum ist das so? Julie Delpy hat es erst als Schauspielerin, dann auch als Drehbuchautorin und Regisseurin geschafft. Doch wie vielen Frauen hat Hollywood es ihr schwergemacht, eigene Filme zu drehen. Dem Kulturspiegel sagte sie einmal, dass Regie bedeute, "Entscheidungen zu treffen, gut organisiert zu sein, rational. Es gibt immer noch eine Menge Leute, die glauben, dass Frauen darin von Natur aus nicht gut seien. Besonders in Hollywood. Aber viele Frauen glauben das auch selbst, weil ihnen eingeimpft wurde, dass sie so etwas nicht können."

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