Was ist wahr an der Geschichte von der Frau, die den päpstlichen Thron bestiegen haben soll? Johanna Wokalek als mittelalterliche Kirchenfürstin in Sönke Wortmanns Film "Die Päpstin".
Es gäbe guten Grund, weg zu wollen aus Johannas mittelalterlicher Welt - der Vater ist ein verkappter Sadist, die Mutter mit ihren heidnischen Anwandlungen neigt zum Duckmäusertum, das ganze Dorf ist ein feuchtes, todbringendes Schlammloch. Aber Johannas Aufbegehren ist lammfromm: Eine höhere Macht hat sie zu dem gemacht, was sie ist. Das kleine Mädchen hat mühelos Latein und Griechisch gelernt, der tumbe Bruder, den der Vater, selbst ein Priester, unbedingt auf der Domschule unterbringen will, kann's immer noch nicht.
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Johanna Wokalek als Frau die, verkleidet als Mann, im tiefsten Mittelalter den Papstthron besteigt: "Die Päpstin" von Sönke Wortmann kommt am Donnerstag in die Kinos. (© Foto: Constantin Film)
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Es gibt zwei Ansätze, wie man Johanna sehen kann, die erst wider des Weibes Natur lernt, dann so erfolgreich als Mann der Kirche lebt, dass sie es - Skandal! - bis zum Papst bringt: Als sturen Querkopf, als Frau, die die Welt und die ihr zugewiesene Rolle nicht akzeptieren mag; oder als eine, die findet, der Herr habe ihr diese Rolle zugewiesen. Sönke Wortmanns Johanna ist Letzteres: Die Schläge des Vaters, die Demütigungen des Domschullehrers können sie nicht beirren: Sie handelt, weil sie glaubt. Alles, was dabei herauskommt, ist göttliche Fügung. Widerstand zwecklos.
Im Video: "Päpstin" feiert Weltpremiere in Berlin Der Film basierend auf dem gleichnamigen Bestseller wurde am Potsdamer Platz präsentiert. Hauptdarstellerin Johanna Wokalek und ihre Co-Stars posierten dazu auf dem Roten Teppich.
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Dass der Roman einer amerikanischen Autorin in Deutschland verfilmt wird, ist in diesem Fall kein Wunder - Donna Woolfolk Crosses "Pope Joan" war in den USA kein besonders großer Erfolg, man hatte dort von einer Frau auf dem Heiligen Stuhl nie gehört und hat es dabei weitgehend belassen. Das Buch "Die Päpstin" war vor allem in Deutschland ein Erfolg, vielleicht wegen des deutschen Ursprungs der Johanna. Und das alles Jahre bevor Dan Brown der katholischen Kirche in "Sakrileg" Maria Magdalena als Kirchenmutter untergeschoben hat. Die Verfilmung des Romans hat eine bewegte Vorgeschichte, denn ursprünglich war "Die Päpstin" jahrelang Volker Schlöndorffs Film, bis er aus seinem eigenen Projekt hinausgekegelt wurde.
Es hat 1972 schon einmal einen "Pope Joan"-Film gegeben, mit Liv Ullmann. Donna Cross beruft sich mit ihrer "Päpstin" auf eine hartnäckige Legende, die seit dem 14. Jahrhundert durch Europa geistert und die nur noch ein wenig ausgeschmückt werden musste. Johanna Wokalek spielt diese heilige Frau wie ein changierendes Bild - ob sie durchgehen würde als Mann oder nicht, das ist immer wieder eine Frage der Perspektive. Johanna geht nach einem Überfall der Normannen, bei dem ihr Bruder ums Leben kam, an seiner Stelle ins Kloster. Eine schöne Analogie zu einem anderen Film ergibt sich da, der diese Woche startet - zu Günter Wallraff, der sich für "Schwarz auf Weiß" als Farbiger kostümierte.
In Sönke Wortmanns Bestsellerverfilmung "Die Päpstin" spielt die wandlungsfähige Johanna Wokalek nicht nur einen Mann, sondern sogar den Vertreter Gottes auf Erden
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Wortmanns Film muss sich auf den Plot und den Reiz der Hauptfigur berufen - denn was die Wiederauferstehung antiker Welten betrifft, den musealen Schauwert, kann nicht mal eine sündhaft teure deutsche Produktion mithalten mit den internationalen Glanzstücken. "Rom", die teuerste Fernsehserie überhaupt, hat in Bauten, Kostümen, computergenerierten Panoramen, vor allem aber in Materialschlachten geschwelgt, so kunstvoll und verschwenderisch, dass "Die Päpstin" natürlich den Vergleich scheuen muss. Aber diese Story, die ist einfach verdammt gut - vor allem die erste Hälfte braucht keine Materialschlacht, man möchte das alles wissen, wie es war in einem nasskalten mittelalterlichen Dorf, will wissen, was aus der bösartigen Rivalin wird, die sie doch zurückzudrängen versucht ins ärmliche Frauenschicksal, will sehen, wie sehr im Vergleich zu allem, was sie als Frau erreichen könnte, das kärgliche Klosterleben purer Luxus ist, folgt Johanna gespannt nach Rom, obwohl doch eigentlich klar ist, was sie dort erwartet.
Lesen Sie auf Seite 2, warum Johanna wohl nur eine Fikiton war.
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ein großartiger film und ein tolles buch. falls es johanna als päpstin wirklich bis nach rom geschafft hat "hut ab".
Einfühlsam nachempfunden, liebe Autorin - spürbar ist Sympathie für die anonymen Legendenstricker, die im hochmittelalterlichen Rom gewirkt haben, wahrscheinlich Mitte 12. Jh., zu Zeiten des in der römischen Kommune verhaßten englischen(!) Papstes Hadrian IV. (1154-1159), als Nicholas Breakspear (schöner Name für einen Zlibatär) in St.Albans geboren, später Kardinalbischof von Albano. Es waren nämlich nicht "böswillige Protestanten, die die Geschichte in die Welt gesetzt haben" - oh nein, französische Dominikaner erzählten Mitte 13. Jh. von einer Päpstin in Männerkleidern Ende 11. Jh. Ihr Ordensbruder Martinus aus dem mährischen Troppau fügte diese Story in seine vergleichende Kaiser-Päpste-Chronik ein. Der wiederum saß an der Verteilerstation, nicht als Poenitentiarius der Kurie, sondern in der Funktion eines Histioriographen, dem man bis zum Medici-Papst Leo X. gefolgt ist.
gerücht oder Wahrheit? Gab es eine Päpstin Johanna? An dem wackligen Argumentationsgerüst der Damen Joan Morris und Donna W. Cross zu rütteln, ist sehr einfach - eine Sturzflut von sachlichen Fehlern und logischen Ungereimtheiten hat das Gebäude längst zum Einsturz gebracht. Macht nichts - unsere Verschwörungstheoretiker haben schon einen neuen Propheten: Peter Stanford, The She-Pope. Ach, es ist zum Steinerweichen - ein investigativer Journalist verrennt sich in eine Vielzahl von historischen Quellen, die er ohne tiefere Kenntnis ausbreitet (und schon gar nicht kritisch bewertet), um schließlich zu einer begründeten "Spekulation" zu gelangen: Es gab sie - Halleluja - habemus papissam.
Dann müssen wir wohl doch zum Rasiermesser greifen - Gruß nach München, zu Wilhelm Occam. Man lese bitte die Benediktsregel nach, auch die verbindlichen Vorschriften der Aachener Synode 817, c. 6, 17, 18, 41. Alle fränkischen Benediktiner hatten demnach im 9. Jh. sich mindestens im 14-Tage-Rhythmus den Bart scheren zu lassen, der ihnen in der Zwischenzeit gewachsen war. Wie bitte soll über Jahre hin eine als Mönch in Fulda verkleidete Johanna für ihre Mitbrüder NICHT als dauerhaft Bartlose zu erkennen gewesen sein??! Ausgerechnet in einer Kommunität, die einen gemeinsamen Mönche-Schlafsaal hatte - lauter fratres Controlletti -, soll anläßlich der für alle(!) 5x im Jahr stattfindenden Großbadetage eine Frau unentdeckt geblieben sein? Wenn der Fußballer Sönke Wortmann das wirklich glaubt, bin ich bei Spvgg. Erkenschwick der linke Ballabputzer. Hier boxt der Papst - und ich bin Agnostiker.
Auch für mich handelt es sich um ein fesselndes Buch.
Es spielt für mich keine Rolle, ob es sich um eine reale Geschichte handelt. Die ewige unglaubwürdige Haltung der katholischen Kirche zur Realität ermöglicht genügend Freiraum zur Realität des Lebens.
Ihre bewußte völlige Abschottung zu ihren kirchlichen Archiven trägt ein weiteres zum Mißtrauen ihr gegenüber bei.
Insbesondere auch an ihrer Verantwortung gegenüber den muslimischen Gesellschaftten.
Die katholischen Päpste waren es schließlich, die in ihrer unrmeßlichen Gier an erhofften Schätzen im Abendland teilhaben wollten. Nur die Gier nach Gold, Brillianten und anderen Schätzen trieben sie zum sogenannten "Heiligen Krieg".
Die katholische Kirche von damals ist dafür verantwortlich, daß wir heute noch Probleme mit den Muslimen haben!
wie soll da erst der film werden...
...gleich Günther Wallraff
Paging