Im Kino: "Wasser für die Elefanten" Trunksüchtige Tiere

Ein Zirkus, die große Depression und Robert Pattinson, der sich in Reese Witherspoon verliebt, die von Christoph Waltz gequält wird: Es gibt nur ein Hindernis, das "Wasser für die Elefanten" fernhalten dürfte vom Olymp der Hollywoodklassiker.

Von Susan Vahabzadeh

Der Zirkus und das Kino sind Seelenverwandte, vielleicht zieht es sie deswegen immer wieder zueinander hin. Wenn es vom Zirkus erzählt, braucht das Kino keine umständlichen Entschuldigungen, um in Stoffen und Farben und Phantasien zu schwelgen; im Zentrum steht immer ein Miniaturuniversum, ein Herrscher, sein Volk, ein Spiegel der Gesellschaft, der all ihren Irrsinn, alle Abhängigkeiten und allen Zusammenhalt ins Absurde verzerrt.

Francis Lawrence hat "Wasser für die Elefanten" verfilmt, einen Zirkusroman, der während der großen amerikanischen Depression spielt - und obwohl er als Hauptdarsteller den amtierenden Regenten der Teeniestars, Robert Pattinson, und zwei ordentliche Oscar-Preisträger, Reese Witherspoon und Christoph Waltz zu bieten hat, ist die stille Heldin, die einem zu Herzen geht, ein Elefant - Rosie.

Ein alter Mann erzählt uns von ihr in einer Rückblende - Hal Holbrooke spielt ihn, ein altmodischer Einstieg in einen altmodischen Film, über Rosie und den Untergang des Zirkus Benzini Brothers, bei dem der Alte gearbeitet hat, als er ein junger Mann war: Jacob (Pattinson) springt in Hobo-Manier zufällig auf den Zirkus-Zug auf nach dem Tod seiner Eltern, Anfang der Dreißiger, die Wirtschaftskrise ist auf ihrem Höhepunkt, die Eltern sind plötzlich tot, und der Vater hat längst alles, was ihm gehörte, der Bank überschrieben.

Jacob hat keine weiteren Angehörigen, er ist auf sich gestellt, und er kann sein Veterinärstudium nicht beenden. Dass er fast ein Tierarzt ist, sichert ihm aber einen Job - der diabolische Zirkusdirektor August (Waltz) lässt ihn sogar in den inneren Kreis vor, und vertraut ihm seine Neuerwerbung an, Rosie, die störrisch ist und eine heimliche Säuferin, kein Unrecht vergisst und sich nichts beibringen lässt; August versucht, in sie hineinzuprügeln, was er von ihr will. Jacob, Sohn polnischer Einwanderer, findet heraus, dass sie schon alles kann und tut, wenn man sie nur auf Polnisch darum bittet.

Die Welt draußen ist grausam zu dieser Zeit, drinnen im Zirkus ist sie grausamer. Das Essen für die Arbeiter ist fast so knapp wie das Futter für die Tiere. Und es herrscht das Gesetz des Stärkeren. August regiert mit Gewalt, er quält die Tiere, er drangsaliert seine Mitarbeiter, er dominiert seine Frau Marlena (Reese Witherspoon), als sei ihre Ehe ein Dressurakt. Auch Marlena kann nicht weg - August hat sie vor einem Leben auf der Straße bewahrt, die Pferdedressur, mit der sie auftritt, ist die Hauptattraktion der Benzini Brothers, ansonsten hat sie nichts gelernt.

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