Der Ausbau der Rheintaltrasse, die im Unterschied zur Schimäre einer "Paris-Bratislava-Magistrale" der von niemandem bezweifelten Nordsee-Mittelmeer-Tangente insbesondere für den Güterverkehr dienen würde, wäre so ein naheliegendes und ebenfalls vielgenanntes Beispiel. Ökologische und ökonomische Nutzenfaktoren sind berechnet und liegen, heißt es, weit über den problematischen Werten von S21. Das wäre kein kommunales, sondern ein baden-württembergisches und nationales, wenn nicht internationales Argument, aber deshalb nicht weniger durchschlagend.
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Überhaupt hat die Abwägung mit vorrangigen Projekten des Bahn-Bedarfsplans des Bundes bei der Schlichtung keine Rolle gespielt, noch nicht einmal der Umstand, dass S 21 auf diesem offiziellen Plan gar nicht auftaucht (nur die neue Strecke über die Alb). Warum aber sollen der Bund und die anderen Länder riesige Summen für etwas zahlen, das sie selbst als absolut nachrangig einstufen?
Sachfremd motivierte Stillhalteabkommen?
Was sind das für sachfremd motivierte, in jedem Fall aber intransparent gebliebene Stillhalteabkommen im Hintergrund? Die Schlichtung hat sich von vorneherein auf den kleinstmöglichen, provinziellen Horizont zulässiger Argumente eingegrenzt, weil sie kein Problem sachlich lösen, sondern nur einen akuten Konflikt zügig beschwichtigen wollte.
Am irrationalsten aber ist, dass sich die Schlichtung nur in Floskeln am Rande mit der kommunalen Kernfrage beschäftigt hat, die seit den neunziger Jahren ein seltsames Schattendasein führt - die aber eigentlich umgekehrt alle Detailfragen des Verkehrsknotens in ihren Schatten hätte stellen müssen. Gemeint ist die Tatsache, dass der Stadt mit dem Zuwachs von 100 Hektar faktisch eine Neugründung ihrer Innenstadt bevorsteht. Gemessen daran sind Bahnhofsumbau und Gleisführung, mögen sie auch den Auslöser darstellen, für die Zukunft der Stadt geradezu zweitrangig.
Nachdem die "Rahmenvereinbarung" von 1995, die seither die bindende Grundlage des gesamten Projekts bildet, die freiwerdenden Gleisflächen nur als Finanzierungsmittel der Bahnhofs- und Tunnelkosten berücksichtigt hat (man räumte der Bahn sogar Mitsprache bei der Bauplanung ein, um ihr maximale Grundstückserlöse sicherzustellen!), ist man inzwischen zwar ein Stück weitergekommen. Immerhin ist die Stadt jetzt Eigentümerin des Geländes. Doch gedanklich ist man noch immer nicht darüber hinaus, sich auf den neuen Bahnhof zu fixieren - mit einem "Immobilienprojekt" als Anhängsel.
Misstrauensvotum gegen sich selbst
Stadtvätern kann man kein schlechteres Armutszeugnis ausstellen. Da erhält die Stadt die in Europa einmalige Chance, in ihrer Mitte ein völlig neues Konzept urbanen Wohnens und Lebens zu realisieren, ohne wie zur Zeit Haussmanns in Paris ganze Viertel schleifen zu müssen, und was macht sie 15 Jahre lang? Sie schläft oder starrt auf Grundstücksverwertung.
Keine anspruchsvolle städtebauliche Planung hat sie bisher vorgelegt, alternative Modelle schon gar nicht. Aber berüchtigte Projektentwickler wie ECE lud man zu Vorschlägen ein, die das Schlimmste befürchten lassen. Jahrzehnte sind verloren. Noch heute ist zu bezweifeln, ob die immaterielle urbane Dimension überhaupt begriffen wurde. Da hätte die Schlichtung viel leisten können.
Ein letztes Indiz für den mentalen Rückstand ist die nach Ende der Schlichtung strahlend präsentierte Idee einer Stiftung, die das Areal zur Vermeidung von Spekulation unter ihre Fittiche nehmen soll. Eine Stadt, deren Verwaltung von Gemeinderat und Bürgerschaft kontrolliert wird, will die Verfügung über die neue Innenstadt einer Stiftung unterstellen, damit "Bürger, Gemeinderäte und neutrale Dritte" die Kontrolle haben. Das kann nur ein Witz sein. Hat je eine Stadt ein stärkeres Misstrauensvotum gegen sich selbst formuliert?
Die Schlichtung hatte nur wenig Chancen, aber auch die hat sie vertan.
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(SZ vom 03.12.2010/rus)
Wettmanipulation im Fußball
Ein hervorragender Artikel von dem alle Befürworter von S 21 aber noch mehr die Gegner von S 21 lernen können.
Nun können sie nachlegen, mit diesem Wissen im Hintergrund.
Aber auch ohne dieses Wissen muss es doch jedem deutlich gewesen sein, daß Heiner Geißler die denkbar schlechteste Person als Schlichter/Mediator war.
Bei diesem Ja zu Geißler, war das Aus schon beschlossene Sache.
Alle wissen und wußten, daß Geißler ein alter, eingeschworener CDU Mann ist. Er ist eben ein alter Hase, der weiß, wie man die Kurven kratzt und Verwirrung stiftet.
Was ich leider bis heute nicht weiss, wieviel Geld hat Herr Geißler für dieses Ego-Spiel bekommen und von wem ?
Was für eine törichte Einschätzung!
Zitat:
- Die Stuttgarter Tafelrunde war nur der Versuch, die Ohnmächtigen mit ihrer Niederlage zu versöhnen -.
Was hat man denn erwartet? Der Gegen Alles Partei einen Sieg einräumen? Wer sich mit diesen Leuten zusammensetzt, macht schon den ersten Fehler. Die wollen nicht verhandeln, die wollen nur ihre Meinung durchsetzen um sich zu profilieren. Egal wie und zu welchen Lasten. Die Steuergelder die dieser Rummel geostet hat, brauchen sie ja auch nicht zu erarbeiten. Sind ihre Wege auch noch so krumm, sie werden immer gerade dargestellt..
Sie haben die Grundzüge öffentlichen Vergaberechts voll im Griff *g*, oder wie ist ansonsten dieser Wort gewordene Unfug zu erklären:
"Zum zweiten könnte man die betroffenen Baufirmen bevorzugt mit anderen Aufträgen in Baden-Württemberg versehen, wenn sie im Gegenzug auf Schadenersatzforderungen verzichten. Dann würden die angeblichen weiteren Kosten für den Ausstieg gegen Null tendieren."
Abgesehen, dass bei einem Ruchbarwerden einer derartigen -illegalen-Vergabepraxis genau hier im Forum wieder die Mär von Geschaftelhuberei fix die Runde machen würde...
Mit das Interressanteste am "Schlichtungsverfahren" war die Art und Weise, wie Herr Geißler dafür sorgte, dass brisante Informationen zur Kalkulierungs-Performance der Bahn außen vor blieben:
Als ein offenbar instutionell nicht eingebundener junger Verkehrswissenschaftler darauf hinwies, dass nach seinen Feststellungen in den vergangenen Jahrzehnten 20 Bauprojekte der Bahn das Doppelte von dem gekostetet hatten, was diese ursprünglich veranschlagt hatte, schnauzte Geißler ihn an, dass seien "Spekulationen" und ging zur Tagesordnung über.
Dabei wäre es das Natürlichste von der Welt gewesen, der Bahn mindestens die ndererseits Gelegenheit zur Stellungnahme gewesen. Durfte das nicht sein, weil unter allem Umständen vermieden werden musste, dass die Glaubwürdigkeit der von der Bahn vorgelegten Zahlen angetastet worden wäre?
Als dann aanschließend die Wirtschaftsprüfer darauf hinwiesen, dass die Bahn in ihre Rechenwerk die "Chancen" zu Einsparungen eingebrachtet hatte, waren das für Herrn Geißler natürlich keine "Spekulationen", und auch den Hinweis der Wirtschaftsprüfer, dass die Bahn die "Risiken" von Kostenerhöhungen in ihrem Rechenwerk weggelassen hatte, liess ihn kalt.
Angesichts dieser "Performance" von Herrn Geißler versteht unsereiner schon viel besser, wie in unserem Lande politische Entscheidungen zustaande kommen.
Vielen Dank, Andreas Zielcke für die hellsichtige Analyse. Um Zielckes Argumentation zu untersreichen: In der Inszenierung der asymmetrischen Verhandlungssituation sehe ich eine Regierungsstrategie von gerissener Härte. Während Bahn und Regierung nun wegen des von Heiner Geissler nicht verhängten Baustopps die moralische Legitimität zum Weiterbauen hinzugewannen, die Juridische hatten sie ja ohnehin, können diejenigen die jetzt weiterprotestieren, dies nur unter Prekarisierung ihrer politischen Integrität tun, unter Preisgabe ihres 'aufgeklärten' Selbst, diese laufen nun Gefahr sich zum l'enfant terrible' des politischen Lebens zu machen. Sollte doch Geissler eigentlich vermitteln, zwischen zwei fälschlicherweise als gleich stark konstruierten Parteien (dies legt die Formel "Augenhöhe" nahe), so wird bei Licht betrachet deutlich, dass die Projektgegner_innn spätestens mit dem 'Schlichterspruch' zum konstitutiven irrationale Außen eines sich zum Gewährsmenschen der Demokratie stilisiernden Heiner Geisslers wurden.
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