Wie passt das zur Burn-out-Statistik? Ein Teil davon mag tatsächlich erklärbar sein mit überforderten Ärzten, denen die Diagnose bei unklaren Krankheitsbildern ganz gelegen kommt. Zudem ist um das Syndrom herum eine Art Industrie entstanden - vom Burn-out-Resort für Topverdiener bis hin zur Burn-out-Beraterin um die Ecke -, die bedient werden will. Griffen früher viele, die sich vom Leben überfordert fühlten, eher zu Alkohol oder Tabletten, müssen sie sich ihrer Erschöpfung heute nicht mehr schämen. Und schließlich ist es manchmal schon der erste Schritt zur Besserung, wenn eine gesundheitliche Störung endlich einen Titel bekommt.
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Wenn der Druck zu groß wird
Trotzdem sind Burn-out-Geschichten keine Märchen. Aber die Ursachen für tiefe seelische Erschöpfung liegen nicht allein am Schreibtisch oder in der Fabrik - wenn sie auch dort besonders oft zu Tage treten. Der Zerfall von Familien und Gemeinschaften, Vereinsamung, fehlende Bindungen außerhalb der Erwerbsarbeit geben dem Job für viele Menschen eine überragende Bedeutung, ja die einzige Quelle für Lebenssinn. Läuft es dann dort nicht wie erwartet, lassen die Kräfte nach oder entwickelt sich übermäßige Konkurrenz, bricht so manch einer unter dem Druck zusammen.
Ein Rezept zum seelischen Gesundbleiben lässt sich deshalb bei den Vermögensberatern abschauen: diversifizieren. Wer neben der Arbeit Familie, Freunde und Hobbys pflegt und deren Bedeutung auch mal über die des nächsten Geschäftsabschlusses stellt, kann mit Rückschlägen in einem Bereich besser umgehen.
Auch ein zweites Rezept weist Parallelen zur guten Anlagestrategie auf: sich mal mit weniger zufriedengeben. So wie es selten ist, dass der Aktionär beim Verkauf seiner Papiere den höchsten Kurs erwischt oder der Immobilienkäufer die niedrigsten Bauzinsen, so hilft im Berufsalltag die Einsicht, dass niemand überall perfekt sein kann, und die wenigsten es bis ganz nach oben schaffen. Diese Erkenntnis ist für viele schwer zu verinnerlichen in einer Gesellschaft, in der schon Kindern suggeriert wird, dass jeder zum Superstar werden kann. Die Enttäuschung darüber, wenn das nicht klappt, kann der Seele zusetzen.
Menschen müssen Grenzen ziehen
In einem zunehmend entgrenzten Leben müssen viele Menschen zudem lernen, selbst Grenzen zu ziehen. Früher definierten sozialer Status und Rollenerwartungen das, was erreichbar war. Erwerbsarbeit und Freizeit waren strikt getrennt, Kommunikation über weite Entfernungen war teuer und damit schwierig.
Heute scheinen die Möglichkeiten in vielerlei Hinsicht unbegrenzt zu sein. Günstige Flugpreise machen Beziehungen über Tausende Kilometer hinweg führbar, der Anspruch ständiger Erreichbarkeit löst Feierabend und Urlaub auf, Multitasking ist fast schon Pflicht. Über das Internet lässt sich der vorletzte Winkel der Welt erschließen, und selbst mit Falten und zu groß geratenen Nasen muss sich niemand mehr abfinden, der ausreichend Geld zurücklegen kann.
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wir sollen nicht warten, sondern uns anständig benehmen, wie die Autorin des Artikels es ausdrückt.
z.B. auf 20 Wochenstunden, wie sie der ehemalige Bundeskanzler Ludwig Erhard bereits 1964 in Aussicht gestellt hat? Wollen wir warten bis alle depressiv, alkoholabhängig, frühverrentet oder in den Irrenanstalten gelandet sind?
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