Video-Bewerbung Strahlen für die Stelle

Wie beim Film: Maskenbildnerin Ulrike Madej schminkt Arieta Duriqi, die mit dem Bewerbungsvideo endlich einen Job finden will.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Das Jobcenter München geht einen neuen Weg, um Langzeitarbeitslosen zu einem Job zu verhelfen: Hartz-IV-Empfänger können ein professionell erstelltes, einminütiges Video drehen, um die Chancen bei Arbeitgebern zu erhöhen.

Von Sven Loerzer

Die Scheinwerfer stehen in Position, der abgedunkelte Unterrichtsraum hat sich für einen Tag in ein kleines Studio verwandelt. Die Videokamera ist ausgerichtet auf eine Person, die sich gleich selbst vorstellen soll. Die junge Frau ist ein bisschen aufgeregt, aber ihr Satz kommt fehlerfrei über die Lippen. Doch das reicht noch nicht: "Das war fast etwas zu schnell gesprochen", sagt Volker Schaner, der hinter der Kamera steht. Also tief durchatmen, dann ein neuer Versuch: "Seit über zehn Jahren bin ich als Bürokauffrau und Assistentin der Geschäftsleitung tätig." Schaner ist zufrieden, "super, ganz hervorragend gesprochen", aber die langen Haare, die lagen irgendwie nicht richtig. Ein bisschen erinnert die Szene an Loriots berühmtes Fernsehinterview mit dem Lottogewinner Erwin Lindemann, der seinen Text wegen der immer wieder nötigen Wiederholungen schließlich völlig durcheinander bringt. Doch nach der fünften Wiederholung ist Schaner dann wirklich vollauf zufrieden: "Perfekt."

Die Menschen, die hier im dritten Stock eines Gebäudes an der Schwanthalerstraße ihren kurzen Text vor der Kamera sprechen, sind keine Schauspieler. Es sind Menschen, die dringend einen Job suchen, um nicht weiter von staatlicher Unterstützung leben zu müssen. Schaner produziert einminütige Bewerbungsvideos im Auftrag des Jobcenter München, das damit Hartz-IV-Beziehern den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern will. "Wir stellen immer wieder fest, dass die schriftliche Bewerbung für Menschen aus der Grundsicherung meist nicht der erfolgreiche Weg ist", sagt Jobcenter-Geschäftsführerin Martina Musati. "Deshalb setzen wir auf den persönlichen Eindruck."

Brüche in der der Erwerbsbiografie

Allzu oft landen die Unterlagen von Bewerbern mit Brüchen in der Erwerbsbiografie auf dem Stapel "Absagen". Um das zu verhindern, setzt das Jobcenter auf drei unterschiedliche Strategien: Regelmäßige Stellenbörsen, bei denen gleich vor Ort Gespräche mit den Bewerbern möglich sind, die "assistierte Vermittlung", bei der Integrationsfachkräfte des Jobcenters Bewerber vorauswählen und zur Vorstellung begleiten.

Und seit Herbst erprobt das Jobcenter zudem einen bayernweit einmaligen neuen Weg: Menschen, die Arbeit suchen, können professionelle Bewerbungsvideos von sich erstellen lassen. Die Idee des Jobcenters setzen zwei Bildungsträger gemeinsam um: die Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) und die Deutsche Angestellten-Akademie (DAA). Das Projekt, das im September startete, ist zunächst auf ein Jahr befristet.

Die professionell produzierte Videobewerbung tritt ganz bewusst dem gesellschaftlichen Klischee vom faulen Hartz-IV-Bezieher entgegen. Das Video entsteht im Rahmen eines fünftägigen Workshops. Jeder Langzeitarbeitslose kann mitmachen, die Teilnahme ist freiwillig. Knapp 1000 Menschen haben schon ihre Bereitschaft bekundet. Unabhängig von der Qualifikation, ganz gleich ob Reinigungskraft oder Diplomingenieur, Küchenhilfe oder Architekt, jeder, der eine Vorstellung von seinem Wunschberuf hat, kann dabei sein. Und jeder kann nach dem Dreh entscheiden, ob sein Video öffentlich oder mit Passwort geschützt auf der Plattform www.videobewerbung-muenchen.de steht - oder auch gar nicht.