Studie zu Empathie-Fähigkeit Hartherzige Studenten

Selbstsüchtig, wetteifernd und eitel: Eine amerikanische Studie stellt fest, dass Studenten heutzutage weit weniger Einfühlungsvermögen besitzen als früher.

Keine Zeit mehr für Mitgefühl? Eine Studie der Universität Michigan kommt zu dem Schluss, dass amerikanische Studenten heute weit weniger zu Empathie fähig sind, als noch vor 30 Jahren.

Nicht mehr fähig, sich in andere Menschen hineinzuversetzen: Eine Studie stellt Studenten heute ein schlechtes Zeugnis in Empahtiefähigkeit aus.

(Foto: AP.)

"Der größte Abfall von Einfühlungsvermögen war nach dem Jahr 2000 festzustellen", sagte Co-Autorin Sara Konrath. Demnach hätten Standard-Persönlichkeitstests aus einem Zeitraum von 30 Jahren offenbart, dass Studenten heute etwa 40 Prozent weniger einfühlsam seien als ihre Kommilitonen aus den 70er Jahren. Ein Befund, der sich vor allem darin äußert, dass Studenten heute weniger fähig seien, die Sichtweise ihrer Mitmenschen zu verstehen oder Mitgefühl mit Notleidenden zu empfinden.

Nicht zuletzt deshalb empfänden viele Menschen die heutige Studentengeneration als "Generation Ich", eine Gruppe von selbstsüchtigen, narzistischen, wetteifernden und individualistischen jungen Menschen, sagte Konrath.

Überhäuft mit Informationen

Die Ursachen für die beobachtete Entwicklung nennen die Forscher nicht. Ein möglicher Auslöser könnte ihrer Meinung nach jedoch der zunehmende Einfluss der Medien sein. "Verglichen mit vor 30 Jahren werden Studenten heute mit etwa dreimal mehr Informationen überschüttet, die nichts mit ihrem Studium oder ihrer Arbeit zu tun haben", sagt Konrath. Die Forschung lege nahe, dass die zunehmende Darstellung von Gewalt in Medien zur emotionalen Abstumpfung der Studenten beitrage.

Eine weitere Ursache für die mangelnde Empathie-Fähigkeit von Studenten sehen die Forscher im vom ständigen Wettbewerb geprägten sozialen Umfeld. Zudem könnten soziale Netzwerke im Internet zum Verfall der zwischenmenschlichen Kommunikation beitragen. So sei es in einer Online-Konversation möglich, irgendwann einfach nichtt mehr zu antworten - ein Verhalten, dass sich möglicherweise auch auf persönliche Gespräche überträgt.

30 Jahre Forschung

Die Forscher der Universität Michigan werteten für ihre Studie die Daten von 72 Einzelstudien aus, die im Zeitraum zwischen 1979 und 2009 entstanden. Befragt wurden darin etwa 14.000 Studenten, beispielsweise zu ihrer Zustimmung zu Aussagen wie "Ich versuche manchmal, meine Freunde besser zu verstehen, indem ich mir vorstelle, wie sie Dinge aus ihrer Perspektive wahrnehmen" oder "Ich sorge mich häufig um Menschen, denen es schlechter geht als mir."