OECD-Studie zu Geschlechtergleichstellung Deutschland auf den letzten Rängen

Frauen haben es noch immer schwer, in Unternehmen Karriere zu machen und das gleiche Geld zu verdienen wie Männer. Das belegt eine aktuelle Studie der OECD. 

(Foto: dpa)

Schlecht bezahlt und arm im Alter: In kaum einem anderen Land ist der Verdientsunterschied zwischen Frauen und Männern so groß wie in Deutschland. Dabei sind gerade junge Frauen oft besser ausgebildet als ihre männlichen Kollegen.

Mehr junge Frauen als Männer machen Abitur und Hochschulabschlüsse. Doch kaum sind sie in die Arbeitswelt eingestiegen, stoßen sie an die sogenannten gläsernen Decken. Sie verdienen weniger, haben schlechtere Aufstiegschancen - und sobald sie ein Kind bekommen haben und in Teilzeit arbeiten, sind oft alle Karrierechancenn vorbei. Wie groß der Unterschied zwischen Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt ist, zeigt eine aktuelle Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

So liegt Deutschland, was das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen angeht, unter allen 34 OECD-Ländern auf dem drittschlechtesten Platz. 22 Prozent weniger Gehalt bekommen Frauen bei den mittleren Einkommen. Das geht aus der am Montag veröffentlichten Studie "Gleichstellung der Geschlechter" hervor. Im OECD-Durchschnitt beträgt das Lohngefälle nur 16 Prozent.

Dabei sind gerade junge Frauen laut den Ergebnissen der Studie besser ausgebildet als Männer. 27 Prozent der Frauen zwischen 25 und 34 Jahren haben in Deutschland einen Abschluss von einer Universität, einer Fachschule oder einen Meisterbrief. Bei den Männer dieser Altersgruppe liegt der Anteil nur bei 25 Prozent.

Mehr als die Hälfte des Einkommensunterschieds sei auf Teilzeitarbeit zurückzuführen, sagte die Leiterin der OECD-Abteilung für Sozialpolitik, Monika Queisser. In Deutschland arbeiten 62 Prozent der Frauen zwischen 25 und 54 Jahren in Teilzeit, im Nachbarland Frankreich sind es nur 26 Prozent. Einen Ausweg aus der hohen Teilzeitquote sieht Queisser in "guter und bezahlbarer Kinderbetreuung".

Frauen bekommen nur halb so viel Rente wie Männer

Noch schlechter als bei den Gehaltsunterschieden schneidet Deutschland aber beim geschlechterbedingten Rentengefälle ab: Dort belegt es unter allen OECD-Ländern den letzten Platz mit dem größten Unterschied zwischen den Geschlechtern. Frauen in Deutschland bekommen im Schnitt nur die Hälfte der durchschnittlichen Rente von Männern. Zwei Drittel der deutschen Rentner seien aber Frauen. Die Rentenlücke sei auch ein wesentlicher Grund dafür, dass zehn Prozent der Frauen in Altersarmut leben, teilte die in Paris ansässige Organisation mit.

Was Frauen in Spitzenpositionen angeht, liegt Deutschland sogar auf dem letzten Platz - noch hinter Japan. Weniger als sechs Prozent der Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder in börsennotierten Unternehmen sind Frauen. Spitzenreiter bei den weiblichen Führungskräften ist Norwegen, wo 2003 eine Frauenquote eingeführt wurde.

Trotz dieser schlechten Bilanz sieht Queisser noch Chancen für die Bundesrepublik. In ihren Schlussfolgerungen würdigte die OECD Maßnahmen wie Elterngeld und Vätermonate, die in Deutschland zur Gleichstellung beitragen. "Deutschland ist da auf dem richtigen Weg", sagte Queisser.

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