Zika-Virus Zika-Virus: WHO erwägt, globalen Notfall auszurufen

Mückenbekämpfung in Rio de Janeiro

(Foto: Bloomberg)

Die "explosionsartige" Verbreitung des Virus in Lateinamerika lässt die Weltgesundheitsorganisation über den Alarmfall nachdenken. Aus vier Gründen.

Von Hanno Charisius

Die Weltgesundheitsorganisation WHO wird am Montag in Genf entscheiden, ob die rasche Ausbreitung des Zika-Virus' in Südamerika als weltweiter Gesundheitsnotfall einzuordnen ist. WHO-Direktorin Margaret Chan sagte, "wir sind extrem alarmiert", der Erreger habe sich "explosionsartig" in 23 Ländern ausgebreitet. Auch in Bayern hat es nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Donnerstag einen Fall gegeben. Der Patient, der sich Anfang Januar auf der Insel Martinique aufgehalten hatte, sei aber bereits wieder genesen.

Das Virus verursacht meist nur milde Beschwerden, wenn eine Infektion überhaupt bemerkt wird. Doch seit Herbst besteht der Verdacht, dass der Erreger bei ungeborenen Kindern schwere neurologische Schäden hervorruft. Brasilien ist das bislang am stärksten betroffene Land mit geschätzt 1,5 Millionen Infizierten. Mehr als 4100 Neugeborene könnten betroffen sein, 68 Babys starben bereits an der als Mikrozephalie bezeichneten Entwicklungsstörung des Schädels und des Gehirns. Vor der Epidemie gab es im Schnitt nur 150 Fälle pro Jahr dieses Krankheitsbildes in Brasilien.

Noch nicht zweifelsfrei geklärt, ob wirklich das Zika-Virus schuld am massenhaften Auftreten der Mikrozephalie ist

Die WHO befürchtet, dass sich bis zu vier Millionen Menschen auf dem südamerikanischen Kontinent mit dem Erreger infizieren könnten. Bei einigen Kindern konnten Viren nachgewiesen werden. Dennoch ist noch nicht zweifelsfrei geklärt, ob wirklich das Zika-Virus schuld am massenhaften Auftreten der Mikrozephalie ist oder ob es nicht doch eine andere Ursache gibt. Der Erreger wird durch den Stich der Gelbfiebermücke Aedes aegypti übertragen und nicht durch einfachen Kontakt von Mensch zu Mensch.

"Es ist wichtig klarzumachen, das ist nicht Ebola", sagt Marcos Espinal, Gesundheitsdirektor der UN-Organisation. "Das Virus braucht ein Vehikel, einen Vektor, den müssen wir kontrollieren." Chan nannte vier Gründe, weshalb der globale Alarm in Betracht gezogen würde: Erstens der mögliche Zusammenhang einer Infektion mit Schäden bei Ungeborenen. Zweitens die mögliche weitere Ausbreitung des Virus'.

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"Aus all diesen Gründen habe ich beschlossen, ein Notfallkomitee einzuberufen."

Drittens das Fehlen von Immunabwehrkräften bei Menschen in den betroffenen Gebieten. Und viertens: Es gibt weder Impfstoff noch Gegenmittel. Zudem sei wegen der besonders feuchten Witterung in diesem Jahr zu befürchten, dass sich die übertragenden Mücken in den nächsten Monaten stark vermehren, sagte Chan. "Aus all diesen Gründen habe ich beschlossen, ein Notfallkomitee einzuberufen."

Erst dreimal in ihrer Geschichte hat die WHO die höchste Alarmstufe, den internationalen Gesundheitsnotfall, ausgerufen - bei der Schweinegrippe, der Kinderlähmung und Ebola. Dieser Schritt wird erwogen, wenn eine Infektionskrankheit sich zu einer globalen Pandemie auszuweiten droht. Nachdem die WHO heftig kritisiert worden war, die Ebola-Krise anfangs verschlafen zu haben, gibt man sich nun in Genf große Mühe, Entschlossenheit zu demonstrieren.

Jeder Redner versicherte am Donnerstag bei einer Anhörung, wie gut die internationale Zusammenarbeit funktioniere. Die WHO betont, wie wichtig es sei, nicht vorschnell Maßnahmen zu ergreifen. "Unsere Besorgnis ist so groß wie die Unsicherheiten", so Chan. "Es gibt eine Menge offener Fragen. Wir brauchen schleunigst Antworten."

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