Medizin Warum Aspirin und Co. bei Rückenschmerzen keine gute Wahl sind

Bei Rückenschmerzen ist der Griff zur Tablette weit verbreitet, aber auf Dauer nicht sinnvoll.

(Foto: imago/Westend61)

Gegen die Pein im Kreuz helfen die gängigen Schmerzmittel nur wenig. Dafür haben sie zum Teil erhebliche Nebenwirkungen.

Von Werner Bartens

Wenn der Schmerz unerbittlich in den Rücken fährt, haben viele Menschen einen einzigen Impuls: Sie greifen zu Medikamenten, die der elenden Pein im Kreuz schnell ein Ende bereiten sollen. Schmerzmittel gegen Schmerzen - was soll daran auch falsch sein? Offenbar vieles.

Denn erstens bringen die Schmerzkiller Patienten nur wenig Nutzen. Zweitens gehen sie mit diversen Nebenwirkungen einher und können Magen, Darm, Leber und Nieren schädigen. Ärzte und Pharmakologen aus Australien machen auf diesen Missstand im Fachblatt Annals of the Rheumatic Diseases aufmerksam.

"Rückenschmerzen sind das Volksleiden Nummer eins"

Das Team um Gustavo Machado hat Daten aus 35 Studien mit insgesamt mehr als 6000 Patienten analysiert. Dabei zeigte sich, dass Schmerzmittel aus der großen Gruppe der nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID) zwar Schmerzen und weitere Beeinträchtigungen etwas mindern können. Den Verlauf, die Dauer wie die Intensität der Beschwerden beeinflussen sie jedoch nur geringfügig und nicht besser als Placebos. Zu den NSAID zählen Verkaufsschlager wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Metamizol und Diclofenac.

Ärzte behandeln Rückenschmerzen oft falsch

Zwei Drittel der Deutschen leiden hin und wieder an Rückenschmerzen. Doch eine neue Studie zeigt, dass viele Untersuchungen unnötig und die Tipps der Ärzte oft sogar falsch sind. Von Thomas Öchsner mehr ...

Dem geringen Nutzen der Medikamente stehen erhebliche Nebenwirkungen gegenüber: In der aktuellen Analyse waren Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu bedrohlichen Blutungen zweieinhalbmal häufiger unter Schmerzmitteln als bei Patienten, die ein Scheinmedikament bekamen.

"Rückenschmerzen sind das Volksleiden Nummer eins, und üblicherweise wird darauf mit Schmerzmitteln reagiert", sagt Manuela Ferreira von der Universität Sydney. "Aber unsere Ergebnisse zeigen, dass sie nur sehr begrenzt und kurzfristig Linderung verschaffen und Schmerzen kaum verringern." Angesichts möglicher Nebenwirkungen, die - je nach Substanz - auch zu Leberschäden und Nierenversagen beitragen können, seien "die Mittel nicht die richtige Antwort".

Auch in Deutschland werden bei Rückenschmerzen häufig Schmerzmittel gegeben. "Bei diesen Medikamenten macht der Placeboeffekt 50 Prozent aus", sagt der Orthopäde Marcus Schiltenwolf von der Uniklinik Heidelberg. "Dabei sind die Effekte einer Dauertherapie generell gering. Sowohl pharmakologisch als auch psychologisch gewöhnt sich der Körper schnell daran, und die Wirkung flaut ab."

"Die Leute glauben, dass dieses Mittel weitgehend nebenwirkungsfrei sei"

Viele Mittel sind rezeptfrei erhältlich, sodass die Dunkelziffer hoch ist. In Deutschland besonders beliebt ist Novalgin (Metamizol), die Zahl der Verordnungen explodiert. "Die Leute glauben, dass dieses Mittel weitgehend nebenwirkungsfrei sei", hat Schiltenwolf beobachtet. "Allerdings gibt es die seltene Nebenwirkung einer Agranulozytose, und dieser Mangel an weißen Blutkörperchen verläuft oft tödlich." In Skandinavien, Japan und anderen Ländern ist Novalgin nicht mehr erhältlich. In Deutschland ist es weiterhin zugelassen.

Die Forscher aus Australien wie auch das Team um Marcus Schiltenwolf haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass auch Opioide und Paracetamol gegen Rückenschmerzen wenig ausrichten. Schiltenwolf warnte 2015 im Deutschen Ärzteblatt, dass "Morphine immer sorgloser verschrieben werden". Sein Fazit deshalb: "Es geht darum, Schmerzmittel - wenn überhaupt - immer nur episodisch einzusetzen. Dauertherapien sollten vermieden werden, stattdessen hilft es, sich motiviert, eigenverantwortlich und lustvoll zu bewegen."

Achtsamkeit lindert Rückenpein

Verhaltenstherapie und Meditation helfen besser gegen chronische Rückenschmerzen als Spritzen, Medikamente und  Physiotherapie. Dennoch sehen viele Ärzte die "weicheren" Methoden skeptisch. Von Werner Bartens mehr...