Leben mit Neurodermitis Schmerzende Wunden, überall

Für manche Menschen bedeutet die Frühlingssonne vor allem Pein. Ihre Haut ist so krank, dass sie sie unter dicken Schichten Kleidung verstecken. Stefanie R. gehört zu ihnen. Sie leidet unter schwerer Neurodermitis. Über das Leben mit einer sichtbaren Erkrankung.

Von Sarina Pfauth

Wie sich das anfühlt, Neurodermitis? "Es war manchmal, als würde ich in offenem Feuer liegen", sagt Stefanie R.. Bei einem schlimmen Schub ist ihre Haut nicht nur trocken, sondern wund, offen, blutig. Und sie juckt. So sehr, wie die 32-Jährige sich das vorher nie vorstellen konnte. "Dieser Juckreiz macht einen wahnsinnig", erzählt sie. "Man muss sich so lange kratzen, bis es blutet, weil es sonst nicht aufhört zu jucken. Es ist wie ein Zwang. Egal wie dringend Termine sind, wenn die Haut juckt, dann überlagert das alles andere."

Das atopische Ekzem, so der medizinische Fachbegriff, ist eine chronische Erkrankung der Haut. Sie ist jedoch nicht immer gleich stark ausgeprägt, sondern verläuft in Schüben. Betroffen sind vor allem Kinder; bei vielen bessert sich die Krankheit spätestens bis zur Pubertät - oder verschwindet sogar für immer.

Bei Stefanie R. dagegen traten die Symptome zum ersten Mal mit Anfang 20 auf, die junge Frau aus Niedersachsen steckte gerade mitten in Ausbildung, Prüfungs- und Umzugsstress. 2008 kam die Neurodermitis nach einer Pause mit voller Wucht zurück. Seitdem hatte sie fast durchgehend immer ein, zwei schlimme Stellen auf der Haut und zwischendurch so starke Schübe mit großflächigen Ekzemen, dass sie stationär ins Krankenhaus aufgenommen wurde.

"Es war zwischendurch eine sehr harte, schlimme Zeit", erzählt sie. "Alles tat weh. Ich hatte furchtbare Schmerzen." Sie konnte nicht mehr arbeiten und irgendwann nicht einmal mehr zum Einkaufen gehen. Sie wollte nichts mehr anziehen, weil die Haut an der Kleidung kleben blieb, wie bei starken Verbrennungen. Stefanie R. zog schließlich wieder bei ihren Eltern ein.

Die kümmerten sich liebevoll, hielten abwechselnd Wache an ihrem Bett, um sie im Schlaf vom Kratzen abzuhalten. Stefanie R. ist bis heute dankbar für die Fürsorge ihrer Familie, gleichzeitig fiel es ihr schwer, diese anzunehmen: "Ich war über 30! Das war mir so peinlich, dass meine Eltern wegen mir nicht einmal in Urlaub fahren können."