Krebsvorsorge Die HPV-Impfung für Jungs ist überfällig

Die Impfempfehlung gilt für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Aber auch ältere Jungs können noch geimpft werden.

(Foto: obs)

Die Immunisierung gegen krebsauslösende Viren wird nun auch für Jungen empfohlen. Alle, die sich darüber wundern, sollten lieber fragen: Warum wurde die Verantwortung so lange nur den Mädchen aufgebürdet?

Kommentar von Berit Uhlmann

Seit wenigen Tagen ist die Empfehlung offiziell: Auch Jungen sollen künftig gegen humane Papillomviren (HPV) geimpft werden. Die Immunisierung schützt vor Krebs des Gebärmutterhalses, aber auch vor einer Reihe seltenerer Karzinome, etwa am Penis oder im Mundraum. 50 000 Krebsfälle könnten in den kommenden 100 Jahren vermieden werden, wenn auch nur jeder fünfte Junge geimpft wäre, rechnet die Ständige Impfkommission vor.

Jedes in Gesundheit verbrachte Lebensjahr, das durch die Jungsimpfungen hinzugewonnen wird, würde die Gesellschaft weniger als 30 000 Euro kosten. Das ist eine vertretbare Summe. Hinzu kommt: Die Spritze, die nun auch für die 9- bis 14-jährigen Buben vorgesehen ist, hat sich - anders als oft befürchtet - als sehr sicher erwiesen.

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Eine Impfempfehlung ist daher längst überfällig. Die Frage sollte nicht lauten: Jungen? Wirklich? Sondern eher: Warum wurde eigentlich der Schutz vor den gefährlichen Viren so lange allein den Mädchen aufgebürdet? Sicher, Jungen sind weniger gefährdet, einen auf einer HPV-Infektion beruhenden Tumor zu bekommen. Nur ist die ganz persönliche Risikoabwägung eben kein ausreichendes Argument, wenn es um Impfungen geht. Sie führt viel zu oft zu Krämerrechnungen, die immer gleich ausgehen: Peniskrebs? Masern? Röteln? - Fürchte ich nicht, also impfe ich nicht.

Wer aber über Impfungen spricht, muss die Rechnungen für die gesamte Gesellschaft machen. Das bedeutet, anzuerkennen, dass der Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen kein Frauengedöns ist, das sich irgendwo im geheimnisvollen Reich der Gynäkologie abspielt. Jungen und Männer sind Überträger der Erreger und damit genauso verantwortlich für die Gesundheit ihrer Partnerinnen oder Partner.

Wie sehr die Gesellschaft von dem Schutz profitieren kann, zeigt Australien gerade der Welt. Schulimpfungsprogramme haben dort die Immunisierungsraten auf mehr als 70 Prozent ansteigen lassen - und zwar bei beiden Geschlechtern. HPV-Infektionen sind mittlerweile so selten geworden, dass australische Gesundheitsexperten bereits Optimismus verbreiten: Ihr Land könnte als erstes weltweit den Gebärmutterhalskrebs für immer besiegen.

Solche Ziele sind für Deutschland utopisch. Die Impfrate der Mädchen dümpelt derzeit bei etwa 45 Prozent. Und die Impfkommission geht nicht davon aus, dass sie rasch steigen wird. Das ist beschämend. Der Zusammenhang zwischen den Viren und Krebs wurde einst in Deutschland entdeckt. Harald zur Hausen ebnete den Weg zum HPV-Impfstoff und bekam dafür vor zehn Jahren den Medizin-Nobelpreis. Ein großer Erfolg. Es wird Zeit, dass Deutschland ihn endlich nutzt.

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