Heroin-Sucht Forscher entwickeln Impfstoff gegen Heroin

Heroin und eine Spritze: Was tun gegen die Droge?

(Foto: AFP)
  • Wissenschaftler haben an Affen einen Impfstoff getestet, der Heroin im Blut der Tiere neutralisiert.
  • Die Hoffnung: Eines Tages könnte das Vakzin Suchtpatienten helfen, von der Droge loszukommen.
  • Ob der Impfstoff jemals für Menschen zugelassen wird, ist bislang allerdings unklar.
Von Felix Hütten

Drogensucht ist ein globales Problem, Heroin tötet jedes Jahr unzählige Menschen. Es ist ein grausames Gift, das erst high macht und dann einen Menschen zerstört, Stück für Stück, Spritze um Spritze. Jetzt hat ein Team um die Wissenschaftler Paul Bremer und Kim Janda vom Scripps Research Institute in Kalifornien einen Ansatz vorgestellt, der Süchtigen in Zukunft möglicherweise dabei helfen könnte, von der Droge wegzukommen: Einen Impfstoff gegen Heroin.

Im Journal of the American Chemical Society schreiben die Wissenschaftler, dass sie ein solches Vakzin erstmals erfolgreich an Rhesusaffen getestet haben. Frühere Tests an Ratten hatten bereits vielversprechende Ergebnisse geliefert. Im aktuellen Versuch löste der Impfstoff eine Immunreaktion im Körper der Affen aus. In Folge haben Antikörper an das Heroin und sein Abbauprodukt 6-Acetylmorphin gebunden und die Droge unschädlich gemacht, bevor sie die so genannte Blut-Hirn-Schranke durchschreiten und im Gehirn an einen Rezeptor andocken konnte.

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Dieser Mechanismus ist die Besonderheit der neuen Therapie, denn die Rezeptorbindung führt eigentlich zu den bekannten Wirkungen der Droge: Euphorie, Rausch - aber eben auch ein Gefühlstief und Verwirrtheit. Im Extremfall kann es auch zu einem Kreislaufstillstand kommen.

Nicht so bei den vier untersuchten Affen: In Folge der Behandlung mit dem Vakzin blieb der Effekt des Heroins bei unterschiedlich starken Dosierungen weitgehend aus - ebenso wie nennenswerte Nebenwirkungen. Im ersten Monat nach der Behandlung war die beschriebene Wirkung besonders hoch und endete nach etwa acht Monaten. Interessanterweise zeigten zwei der untersuchten Affen eine deutlich stärkere Reaktion auf die Impfung als die anderen Tiere. Die beiden Affen waren in einer früheren Studie bereits schon einmal geimpft worden. Die Forscher hoffen auf eine Art Erinnerungsfunktion des Körpers, der auch Menschen helfen könnte.

Im nächsten Schritt soll das Vakzin bereits am Menschen getestet werden

Und noch ein weiterer Effekt macht die Impfung besonders: Da die Therapie vor der Blut-Hirn-Schranke greift, könnten Suchtpatienten weiterhin mit Schmerzmitteln und anderen Notfall-Präparaten behandelt werden, die an den Rezeptoren im Gehirn andocken.

Die Ergebnisse wecken die Hoffnung, eines Tages Heroinsüchtige zu impfen und ihnen damit zu helfen, von der Droge wegzukommen - einfach, weil der Rausch ausbleibt und damit die Motivation abnimmt, sich einen weiteren Schuss zu setzen. Oder anders formuliert: Niemand spritzt sich Heroin, wenn es nicht mehr kickt. Genau hier aber besteht auch eine Gefahr: Bleibt der Rausch aus, könnten sich Suchtpatienten genötigt sehen, die Dosis zu erhöhen oder auf andere, potentere Drogen umzusteigen.

Im nächsten Schritt soll das Vakzin bereits in klinischen Studien getestet werden. "Wir glauben, dieser Impfstoff wird sich auch in Tests mit Menschen als sicher herausstellen", sagt Studienautor Janda. Ob das Mittel allerdings jemals für Menschen zugelassen wird, ist derzeit noch unklar.

Ein Blick auf die Statistik macht deutlich, dass der Bedarf da wäre. Erst am Dienstag hat die Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht der Europäischen Union Alarm geschlagen. Demnach ist die Zahl der Drogentoten in den 28 EU-Staaten sowie in der Türkei und Norwegen zum dritten Mal in Folge gestiegen - darunter sind auch viele Heroin-Opfer. In den USA hat sich die Zahl der Heroin-Konsumenten in den vergangenen zehn Jahren auf schätzungsweise 800 000 Menschen beinahe verdoppelt.

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