Ernährung Zucker macht dick - zumindest ein wenig

Maximal zehn Prozent des Energiebedarfes sollte durch Zucker gedeckt werden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Weltgesundheitsorganisation WHO rät seit Jahren zur Zurückhaltung beim Zuckerkonsum. Doch der Zusammenhang mit der Gesundheit war lange Zeit umstritten. Jetzt liegen die Ergebnisse einer Studie vor, die als Grundlage für die nächste WHO-Empfehlung dienen soll.

Von Christian Weber

Bereits seit zehn Jahren empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO, maximal zehn Prozent des körpereigenen Energiebedarfs durch Zucker zu decken. Dennoch blieb der Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und Gesundheit lange Zeit umstritten, nicht nur wegen des Lobbyismus der Zuckerindustrie: Einige Studien, die nur Korrelationen zwischen Ernährung und Krankheiten abbildeten, waren methodisch angreifbar.

Mit gutem Grund gab also die WHO vor einer geplanten Neufassung der Ernährungsempfehlung eine Studie in Auftrag, um diese Fragen endgültig zu klären. Jetzt liegen die Ergebnisse vor, und sie lauten: Ja, Zucker beeinflusst das Körpergewicht, zwar nicht dramatisch, aber statistisch signifikant.

Die Ernährungsmediziner Lisa te Morenga und Jim Mann von der neuseeländischen University of Otago berufen sich in ihrem Aufsatz in der Fachzeitschrift British Medical Journal(online) auf die Analyse von 71 hochwertigen Studien: 30 sogenannte randomisierte-kontrollierte Studien sowie 41 prospektive Kohortenstudien. Bei Letzteren beobachten Forscher die Probanden von Anfang an bei ihrer Ernährung. So erhält man deutlich bessere Daten als bei retrospektiven - rückblickenden - Studien, bei denen die Befragten sich an ihre zum Teil Jahre zurückliegenden Ernährungsgewohnheiten erinnern sollen.

Diese Studienauswahl hatte zur Folge, dass die Forscher nur relativ kurze Zeiträume betrachten konnten, doch bereits in diesen ergaben sich eindeutige Ergebnisse: Gruppen, die ihren Zuckerkonsum den WHO-Empfehlungen anpassten, verloren während einer Studienperiode von zehn Wochen bis zu acht Monaten im Durchschnitt 0,8 Kilogramm Körpergewicht.

Umgekehrt führte ein steigender Zuckerkonsum binnen weniger Wochen zu durchschnittlich 0,75 Kilogramm Gewichtszunahme. Zwar gestehen die Autoren, dass die Studien- Zeiträume zu kurz seien, um aus ihnen wissenschaftlich einwandfrei Ernährungsratschläge abzuleiten. Dennoch seien die Ergebnisse so einheitlich, dass "es für die meisten Länder vernünftig erscheint, den Zuckerkonsum zu kontrollieren, um das Risiko von Übergewicht und Fettleibigkeit zu reduzieren".

Allerdings sei es schwierig, eine bestimmte Zuckermenge zu definieren, schreiben Walter Willett von der Harvard University und David Ludwig vom Children's Hospital in Boston in einem Kommentar. "Für viele schädliche Effekte des Zuckers gibt es keine klaren Grenzwerte." Aber die Zehn-Prozent-Regel der WHO scheint ihnen plausibel; und vor allem raten sie ab von süßen Limonaden, weil diese nicht satt machten und daher Überkonsum begünstigten.

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