US-Bürger protestieren gegen die Macht der Banken Anti-Wall-Street-Demos weiten sich aufs ganze Land aus

"Nehmen sie einen von uns fest, tauchen zwei neue auf": Die Anti-Wall-Street-Demonstranten lassen sich von den zahlreichen Festnahmen am Wochenende nicht einschüchtern. Hunderte Menschen gingen am Sonntag erneut gegen die Macht der Banken auf der Straße - und mittlerweile protestieren sie nicht nur in New York.

Sie lassen sich nicht einschüchtern: Auch nach der Festnahme von Hunderten Demonstranten in New York haben am Sonntag erneut etwa 800 Menschen gegen die Wall Street und die Macht der Banken protestiert. "Nehmen sie einen von uns fest, tauchen zwei neue auf", sagte der ehemalige Bauarbeiter Robert Cammisos, der am Samstag vorübergehend festgenommen worden war. Die Bewegung kündigte für Mittwochnachmittag einen neuen Marsch auf die Wall Street an.

In Boston gab es Angaben der Polizei ähnliche Demonstrationen, als eine große Menge am Freitagnachmittag vor einem Gebäude der Bank of America demonstrierte. Ihr Protest richtete sich unter anderem gegen Zwangsversteigerungen von Immobilien. Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich rund 3000 Menschen an den Demonstrationen, die Polizei gab keine Schätzung ab. Wegen unerlaubten Betretens eines Grundstücks wurden 24 Demonstranten festgenommen. Auch in Los Angeles, Albuquerque und New Mexico gab es am Samstag Anti-Wall-Street-Proteste.

Am Samstag waren bei den Protesten gegen die Verantwortlichen der Finanzkrisein New York mehr als 700 Menschen festgenommen worden. Die Polizei begründete ihr Vorgehen am Samstag damit, dass die Demonstranten die Brooklyn Bridge, eines der Wahrzeichen der US-Metropole, blockierten.

Die Proteste gegen die Banken hatten am 17. September im kleinen Zuccotti-Park in Manhattan begonnen, Vorbild waren die Protestcamps in Spanien und von Demonstranten in der arabischen Welt. Eine geplante symbolische Besetzung der Wall Street wurde von der Polizei vor zwei Wochen mit einem massiven Aufgebot verhindert. Diesmal hatten die Demonstranten daher beschlossen, zur Brooklyn Bridge zu ziehen. Nach Angaben der Polizei liefen sie zu Hunderten auf die Brücke und blockierten den Verkehr.

Die Brücke musste am Samstagnachmittag für mehrere Stunden gesperrt werden. Die meisten der mehr als 700 Festnahmen seien wegen "Ruhestörung" erfolgt, sagte ein Polizeisprecher. Einige der Festgesetzten kamen nach wenigen Stunden wieder auf freien Fuß, am Sonntag wurden dann die meisten anderen freigelassen. Lediglich "eine Minderheit" befinde sich noch in Gewahrsam, sagte ein Polizeisprecher. Die meisten seien auf freien Fuß gesetzt worden, würden aber wegen Störung der öffentlichen Ordnung vor Gericht vorgeladen.

Die Demonstranten sind über die Internetseite occupywallst.org ("Besetzt die Wall Street") vernetzt. Sie wollen mit ihren Aktionen nach eigenen Angaben gegen die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise sowie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in den USA protestieren. Ihr Ärger richtet sich auch gegen das mitunter brutale Vorgehen der Polizei in New York, nachdem vor rund einer Woche ein Polizist Pfefferspray gegen vier Protestierende eingesetzt hatte, die sich bereits in Polizeigewahrsam befanden.

Showdown bei Anti-Wall-Street-Protesten

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