Unisex-Versicherungen "Vor dem Stichtag noch mal Geschäft machen"

Immer mehr Versicherungen drängen die Verbraucher zur schnellen Unterschrift: Die Anbieter wollen ihre Unisex-Angebote vor der Umstellung auf geschlechtsneutrale Tarife am 21. Dezember noch loswerden und werben intensiv um Kunden. Für wen ein Wechsel sinnvoll ist und für wen nicht.

Von Andreas Jalsovec

Die Hannoversche dient noch schnell eine Risiko-Lebensversicherung an: "Sichern Sie sich jetzt Ihre Unisex-Vorteile", heißt es in dem Schreiben, das jüngst im Briefkasten lag - zusammen mit ähnlichen Werbebriefen von Versicherern. Etwa von der Huk Coburg: Mit dem Aufruf "Letzte Chance für den günstigen Männertarif" preist sie ihre private Rentenversicherung an. Die Versicherungskammer Bayern möchte, dass die Herren in ihre private Krankenkasse wechseln - oder zumindest eine Zahnzusatzversicherung kaufen. Die Ergo-Direkt dagegen kümmert sich um Frauen: mit einer Sterbegeldversicherung, die sie vor dem 21. Dezember unterschreiben sollten, "um ihre Lieben zu schützen".

Schöne neue Unisex-Welt: Die Umstellung auf geschlechtsneutrale Tarife beschert Versicherten eine Flut von Werbebriefen. Tenor: Wer sparen will, solle sich noch schnell eine neue Police besorgen. "Die Unternehmen wollen vor dem Stichtag noch mal Geschäft machen", meint Susanne Meunier, Versicherungsexpertin bei der Stiftung Warentest. Im Blick haben sie vor allem Männer: Für sie wird es nach Einführung der Unisex-Tarife oft teurer.

Dennoch gibt es für die wenigsten einen Grund, vor dem 21. Dezember zu handeln. "Entscheidend ist, ob ich die Police wirklich brauche", meint der unabhängige Versicherungsberater Michael Ratzmann. Eine Versicherung nur wegen des Unisex-Vorteils abzuschließen, mache keinen Sinn. "Die teuerste Versicherung", warnt auch Susanne Meunier, "ist die, die man nicht benötigt." Wer sollte etwas tun, wer nicht?

Private Rentenversicherung

Männer haben eine geringere Lebenserwartung als Frauen. Sie zahlen deshalb derzeit auch geringere Beiträge. Nach Branchenschätzungen wird die Versicherung künftig für sie um bis zu zehn Prozent teurer. Allerdings gibt es - wie bei fast allen Versicherungsarten - noch kaum Unisex-Tarife. Die meisten Versicherer warten damit bis zum Stichtag, damit ihnen keiner in die Karten schaut. Seinen Tarif "BU" veröffentlicht hat der Versicherer VPV. Dort geht der Beitrag nach Angaben des Analysehauses Morgen & Morgen für einen 30-jährigen Angestellten (Laufzeit 37 Jahre, Rente 1500 Euro) um 3,5 Prozent hoch. Ein solcher Anstieg alleine sei aber kein Kriterium für einen Abschluss, sagt Versicherungsberater Ratzmann. Wichtig sei ein Tarif mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis: "Schließt man eine überteuerte Police ab, nutzt der schönste Unisex-Vorteil nichts."

Fazit: Ein schneller Abschluss birgt bei dieser Versicherung hohe finanzielle Risiken.