Üppige Boni bei Goldman Sachs Die fetten Jahre kehren zurück

Finanzkrise war gestern: Die Banker von Goldman Sachs schwelgen im Bonirausch als sei nichts gewesen. Allein für 2010 überweist die Investmentbank an ihre Mitarbeiter Zusatzeinkommen von 17,5 Milliarden Dollar. Dabei ging der Gewinn im Jahresschlussquartal 2010 merklich zurück.

Die Manager von Goldman Sachs zählten schon immer zu den Bankern an der Wall Street, deren Bezüge kein Maß zu haben schienen. Die Finanzkrise beendete zwar manche Zügellosigkeit, doch nun kommen die Goldman-Sachs-Banker offenbar in den Genuss eines Bonussegens, den die Finanzkrise überhaupt erst möglich gemacht hat.

Denn im Dezember 2008 seien den Goldman-Sachs-Angestellten 36 Millionen Optionen für den Kauf der Goldman-Sachs-Aktie zu 78,78 Dollar zugeteilt worden, schreibt die New York Times. Seither haben sich die Kurse massiv erholt. Mittlerweile notiert das Papier an der New Yorker Börse bei circa 175 Dollar.

Dass es bei Goldman üppige Boni gibt, ist bekannt, doch die konkreten Beträge bleiben häufig im Verborgenen. Auf die Zahlen stieß die New York Times, nachdem sie gemeinsam mit dem Finanzinformationsdienstleister Morningstar interne Papiere des Instituts und Meldungen an die US-Finanzaufsicht durchforstet hatte. Dabei kam auch ans Licht, dass die Partner von Goldman Sachs derzeit Aktienkapitel des Instituts in Höhe von zehn Milliarden Dollar halten. Einen doppelt so hohen Betrag versilberten frühere und heutige Partner in den vergangenen zwölf Jahren durch den Verkauf von Optionen.

Der elitäre Zirkel der Partner

Über diese Summen war an der Wall Street schon lange spekuliert worden, denn Goldman Sachs hält sich hier traditionell bedeckt. Als börsennotierte Aktiengesellschaft muss die Investmentbank zwar die Dotierung ihres Vorstandes veröffentlichen. Was jedoch der erweiterte Führungskreis der 475 Partner verdient, bleibt im Dunklen. Goldman Sachs agiert hier nach wie vor wie als Sozietät, die das Institut bis zum Börsengang im Jahr 1999 war. Denn die partnerschaftliche Struktur hat das Institut bis zum heutigen Tage aufrechterhalten.

So kommt der elitäre Zirkel der Partner nach wie vor in den Genuss traumhafter Zusatzeinkommen: Allein Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein habe seit 1999 Aktien im Wert von 93,8 Millionen Dollar verkauft, so die New York Times. Und: Blankfein und seine Familie hielten noch Aktien im derzeitigen Wert von insgesamt 355 Millionen Dollar.

Doch alle 35.000 Goldman-Angestellten profitieren: Im Zuge der Veröffentlichung ihres Ergebnisses teilte die Investmentbank ihnen ihren Jahresbonus für 2010 mit. Nach Informationen der New York Times beläuft er sich auf insgesamt 17,5 Milliarden Dollar. Die Summen früherer Jahre werden damit nahezu erreicht: Kurz bevor die Immobilien-Blase 2007 platzte, schüttete Goldman 20,19 Milliarden Dollar aus.

Gewinn um die Hälfte geschrumpft

Das Ergebnis der Großbank fiel allerdings enttäuschend aus. Das Institut büßte im vierten Quartal gut die Hälfte seines Gewinnes ein. Der Nettogewinn sei um 53 Prozent auf 2,23 Milliarden Dollar oder 3,79 Dollar je Aktie gefallen, teilte Goldman mit.

Die Einnahmen gingen um zehn Prozent auf 8,64 Milliarden zurück. Allein im Handel mit Anleihen, Devisen und Rohstoffen verzeichnete Goldman im Vergleich zum dritten Quartal Einbußen von 39 Prozent.

Dennoch blickt Bank-Chef Lloyd Blankfein zuversichtlich in die Zukunft. Es seien Anzeichen von Wachstum und steigender Aktivität auszumachen, sagte er. Das Jahr 2010 sei größtenteils von einem schwierigen Markt- und Wirtschaftsumfeld geprägt gewesen.

Am Markt kam der Bericht von Goldman Sachs nicht gut an. Die Aktien gaben zur Eröffnung des Aktienhandels an der Wall Street um drei Prozent nach. Goldman zog auch andere Schwergewichte der Branche wie die Deutsche Bank in Mitleidenschaft. Die Aktien von Deutschlands größtem Geldhaus büßten einen Teil ihrer Gewinne nach dem Goldman-Zahlen ein.

Keine großen Sprünge im Investmentbanking

"Wenn Goldman Sachs nicht in der Lage ist, eine gute Entwicklung vorzuweisen, dann viel Glück für alle anderen, die es versuchen", sagte Analyst Simon Maughan von MG Global.

Auch die Citigroup musste vor allem im Anleihehandel herbe Einbußen verkraften. Nur dank deutlich geringerer Kosten für faule Kredite wies das drittgrößte Institut der USA am Dienstag den vierten Quartalsgewinn in Folge aus.

Die Messlatte hoch gelegt hatte zuvor der größere Rivale JPMorgan. Die Bank schaffte vergangene Woche ein kräftiges Gewinnplus - dabei lief es auch im Investmentbanking besser. In dieser Woche kommen noch Morgan Stanley und die Bank of America mit ihren Quartalsergebnissen. Die europäischen Geldhäuser, wie die Deutsche Bank folgen erst Anfang Februar. Auch dort werden im Investmentbanking keine großen Sprünge erwartet.