Zwerg mit guten Zeugnissen: Die gewaltigen Sparanstregungen führen Estland zu Recht in die Euro-Zone. Griechenland sollte das Beispiel genau beobachten - und Deutschland sich über den Beitritt freuen.
Es gibt also noch Menschen, die den Euro wollen. Das kleine Volk der Esten möchte ihn unbedingt. Die Bevölkerung hat einen harten Sparkurs erduldet, um Anfang 2011 in die Währungsunion zu kommen. Das ist eine bemerkenswerte Botschaft am Ende eines Jahres, in dem viele Europäer am Euro zweifelten - und die EU-Regierungen fast eine Billion Euro für angeschlagene Staaten bereitstellten, obwohl so etwas in den europäischen Verträgen nie vorgesehen war.
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Estland tritt als Nummer 17 der Euro-Zone bei (© reuters)
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Natürlich ist Estland, mit so viel Einwohnern wie die Großstadt München, viel zu klein, um die Währungsunion zu stärken (oder bei Turbulenzen zu schwächen). Die Lehren aus dem schnellen Beitritt Estlands nur zwei Jahre nach der schwersten Finanzkrise in acht Dekaden aber lauten: Die Sicht auf den Euro hängt davon ab, was dieser leisten kann; von außen betrachtet bietet die Gemeinschaft viele Vorteile, die ihre Mitglieder gar nicht mehr bemerken. Und, zweite Einsicht: Die Währungsunion sollte sich neue Mitglieder so sorgfältig aussuchen, wie sie es im Fall Estlands getan hat.
Was bietet der Euro? Wer die Krise nach dem Lehman-Crash ohne die Gemeinschaftswährung überstehen musste, also alle Länder Osteuropas, war den Stürmen der Märkte viel härter ausgesetzt als Deutschland, Irland oder Griechenland. Der Euro stabilisierte. Eine Funktion, die sich in künftigen Krisen wieder zeigen wird, auch für Deutschland - und die eine mächtige Anziehung auf Staaten außerhalb der Euro-Zone ausübt.
Das ist gut für Deutschland, das mit jedem neuen Euro-Mitglied Absatzchancen für seine Produkte gewinnt. Aber was ist mit dem Absturz der Iren oder Griechen in diesem Jahr? Dieser hat nichts mit der Existenz des Euro zu tun, sondern mit selbstgemachten Problemen wie einer aufgeblähten Bankbranche oder jahrelanger Misswirtschaft, die der Schuldendruck jetzt brutal offenlegt.
Die Beispiele Griechenland und Estland zeigen, wer für eine Währungsunion geeignet ist und wer nicht. Die Griechen fälschten hingebungsvoll ihre Daten, um sich in den Euro zu mogeln. Europa hätte die Hellenen entweder aussperren oder scharf kontrollieren müssen. Stattdessen ließen die Partner-Regierungen zu, dass Athen den Euro als Einladung missverstand, sich weiterhin vor Standards für den globalen Wettbewerb zu drücken: angemessene Arbeitszeiten, ein überschaubarer Beamtenapparat und die Durchsetzung von Steuermoral.
Harte Regeln sind nötig
Estland dagegen hat notwendige Reformen durchgeführt. In der Krise sparte das Land, statt sich auf Tricks oder politischen Druck zu verlassen, um in die Währungsunion zu gelangen. Heute hat die ehemalige Sowjetrepublik die geringsten Schulden von allen Staaten der Währungsunion und ist damit ein weit besserer Euro-Partner als die historische Wiege der Demokratie - eine erstaunliche Entwicklung.
Die Euro-Zone braucht Staaten, die eine Stabilitätskultur vorleben, bevor sie Ansprüche stellen. Die Esten und manch anderes Land Osteuropas, das in wenigen Jahren von der Plan- auf die Marktwirtschaft umgestellt hat, sind deshalb willkommen und werden die Währungsunion stärken.
Umgekehrt muss Europa nach diesem Chaos-Jahr sehr genau überlegen, wie es weitergehen soll. 2010 war das Jahr der Notreparaturen, mit hastiger Hand und viel Geld wurden marode Staaten vor der Pleite gerettet. Jetzt müssten neue Fundamente eingezogen werden, damit das Haus auf Dauer steht. Die eiligen Korrekturen des Stabilitätspakts reichen da nicht aus. Was Europa nötig hat, sind harte Regeln, die keiner ignorieren kann. Dazu gehört auch, sich von einem Konsens um jeden Preis zu verabschieden. Scharfe Konsequenzen für Griechenland, Irland und die eine oder andere Gläubiger-Bank sind in Ordnung. Wenn die Euro-Zone nicht falsche Rücksichten aufgibt, wird es bald mit der Euro-Zone vorbei sein.
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(SZ vom 30.12.2010/aum)
Jeder denkt, das grössere Ganze bringe Mehrwert. Und dabei wird überall, auch in Deutschland, die Erledigung von Hausaufgaben (zu Unrecht von vielen als 'Kleinstaaterei' verunglimpft) vernachlässigt. 'Gross' ist nicht ohne weiteres 'gut'. Die bei weitem noch nicht ausgestandene Eurokrise bringt die vorhergesagten Nachteile der Zwängerei an die Oberfläche. Oekonomie ist zwar nicht Physik. Aber einige Grundlagen für eine Währungsunion, wie etwa die auch nur einigermassen homogene Beschaffenheit der verschiedenen Volkswirtschaften und der Präferenzen ihrer Bewohner können nicht ignoriert werden. Oder nur zu sehr hohen Preisen. Diese sind nun für jedermann ersichtlich geworden. 'Stabilitätspolitik' ist in Deutschland nur noch ein leeres Versprechen. Die selbstverschuldete Zwangsrealität liegt in From einer schwindsüchtigen Währung vor. Es bleibt den Verfechtern dieses Fehlkonstrukts allenfalls noch das Argument, der Dollar sei noch schmalbrüstiger.
Hochmut kommt vor dem Fall und als Journalist erschließen sich ihnen sicher nicht die innerstaatlichen und wirtschaftlichen zusammenhänge um mit dieser Arroganz aus dem nichts aufzutauchen. sie sind peinlich und als Deutscher schäme ich mich solche zeitgenossen zu haben.
...der Eurobeitritt Estlands war ja schon vor 2010 beschlossene Sache. Sonderlich begeistert bin ich nicht davon, dass Estland in Zukunft ebenfalls für die Schulden Griechenlands und Co. mithaften wird.
Allerdings hat Estland natürlich auch Schulden, nur nicht auf Staatsebene, sondern darunter, auf Kommunalebene, und da auch nicht zu wenig. Werden reihenweise Schulen und Kindergärten geschlossen.
Was die Krise angeht... was soll schon sein? Der Wechselkurs zum Euro ist schon seit Jahren fixiert. Aber natürlich war es leicht gegen die Krone zu spekulieren, weshalb Estland bisher auch keine Staatsanleihen ausgegeben hat. Die Sache mit den Absatzmärkten ist ein Witz, das Angebot in den Supermärkten hier wird sich bestimmt nicht ändern. Aber die Preise, insb. die Benzinpreise, fangen schon mal an zu steigen. Andererseits liegen die Preise für Lebensmittel eh schon auf hohem Niveau, weil die Supermärkte in der Hand schwedischer Ketten sind.
Lernen lässt sich aus dem Fall hier nichts, würde ich sagen. Letztlich werden Schwierigkeiten einer Art durch Schwierigkeiten anderer Art ausgetauscht, wachsam muss man immer bleiben...
an welchem beispiel bitte?
die, die die soße den bürgern eingebrockt haben laufen lassen oder verschohnen und den kleinen leuten, nach alter neoliberaler manier, die zeche für deren zockerei zahlen lassen. wenn das die zukunft von europa ist, na dann prost mahlzeit.
ps. die nächste krise kommt bestimmt.
Der Ausschluss der Griechen (oder irgendeines anderen Landes) aus der Eurozone ist keine Lösung. Was passiert denn, wenn es plötzlich heißt, Griechenland hat demnächst wieder die Drachme? Das ist kein Beschluss, den man von heute auf morgen umsetzen kann. Dazu müssen erstmal Bargeldmengen in der neuen Währung bereitgestellt werden. Bis das passiert, haben die griechischen Bürger genügend Zeit zu reagieren.
Was würden Sie denn machen, wenn Sie heute erfahren, dass ihre Währung durch eine neue Währung ersetzt wird, die unmittelbar danach abgewertet wird? Also ich würde meine kompletten Ersparnisse in EURO-Bargeld nach Hause holen und erst nach der Abwertung in die neue Währung umtauschen.
Wenn das genügend Bürger eines Landes machen, dann geht nebenbei noch die eine oder andere Bank pleite. Denn keine Bank überlebt den Run aller Anleger auf ihre Vermögen. Alternativ rationiert man die Bargeldauszahlung an einzelne Kunden. Das wird aber höchstwahrscheinlich in Straßenschlachten und Toten enden.
Und für den Schaden, der daraus entsteht, haftet dann die EU. Gewonnen ist dadurch nix, aber jede Menge Vertrauen (auch bei den Griechen) zerstört.
Deutschland hätte es da einfacher. Wenn wir die EURO-Zone verlassen würden, könnten wir bei der Wiedereinführung der D-Mark mit einer kräftigen Aufwertung unserer neuen Währung rechnen. Gut für Touristen, schlecht für die Wirtschaft.
Fazit: Die EURO-Zone ist zum Erfolg verdammt. Denn alle Alternativen werden wirtschaftlich extrem schmerzhaft. In den Worten von Angela Merkel: Der Euro, die Eurozone und die EU sind alternativlos. Leider hat die Kanzlerin das noch nicht erkannt!
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