Zwei-Browser-Methode So schützen Sie sich vor Überwachung im Netz

Chrome und Firefox sind zwei der wichtigsten Internet-Browser.

(Foto: SZ.de)
  • Unternehmen verfolgen Nutzer über mehrere Seiten im Netz, um ihnen passende Werbung auszuspielen.
  • Die Verwendung von zwei Browsern kann die Datensammelei begrenzen: Einer wird mit dem echten Namen verwendet, einer nur mit Pseudonymen.
  • Die Methode ist aber kein Allheilmittel gegen Online-Tracking.
Von Marvin Strathmann

Facebook verliert die Kontrolle über seinen Datenschatz, eine Dating-App verrät Dritten, ob Nutzer HIV haben, und Hacker erbeuten 150 Millionen Nutzerdaten einer Fitness-App. Das sind nur die Schlagzeilen der vergangenen Tage. Kapitalistische Unternehmen und kriminelle Hacker wollen mit aller Macht Informationen über Nutzer sammeln - mal legal, mal illegal. Was also kann man tun, um sich und seine Daten zu schützen? Mit der Zwei-Browser-Methode können Sie immerhin die Zahl der Daten reduzieren, die Sie im Netz hinterlassen, und es den Überwachern schwerer machen.

Viele Unternehmen verfolgen Nutzer über mehrere Webseiten im Netz, um umfangreiche Profile zu erstellen. Sie abzuschütteln ist schwer, denn die Firmen können Nutzer mit dem sogenannten Fingerprinting erkennen: Der Browser überträgt technische Daten, etwa Bildschirmauflösung, Betriebssystem oder installierte Add-ons. So entsteht ein digitaler Fingerabdruck, also eine eindeutige Zuordnung. Die Unternehmen wollen wissen, wer welche Seiten besucht hat und wofür sich ein Nutzer interessiert, um ihm personalisierte Werbung auszuspielen. Dagegen hilft auch der Inkognito-Modus nichts.

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Um diese seitenübergreifende Verfolgung einzuschränken, rät der Journalist und Datenschützer Matthias Eberl, zwei Browser parallel einzusetzen. Der Nutzer verwendet einen Browser mit seinem echten Namen, etwa für Online-Bestellungen oder E-Mails, und einen anderen Browser mit Pseudonymen, etwa für Google-Recherchen oder Forenbeiträge. "Wenn Unternehmen die unterschiedlichen Browser-Profile nicht zusammenführen können, ist ein Großteil der Internetnutzung zwar auswertbar, aber nicht mit der eigenen Person verknüpft", sagt Eberl.

Über einen VPN-Dienst wird eine andere IP-Adresse vergeben

Der Datenschützer nutzt die Methode seit Ende 2014. Am Anfang sei die Umstellung mühsam gewesen, aber mittlerweile habe er sich an die zwei Browser gewöhnt. "Manchmal bekomme ich Kosmetik-Werbung im Browser angezeigt", sagt Eberl. "Dann weiß ich, dass die Werbeunternehmen mich und meine Interessen nicht identifizieren können." Auch darüber hinaus versucht Eberl, seine Daten im Netz zu verschleiern: Das neue Buch holt er lieber direkt in der Filiale ab, Facebook nutzt er seit einigen Jahren nur noch beruflich.

Damit die Profile der beiden Browser zuverlässig getrennt werden, sollten Nutzer einen VPN-Dienst für einen Browser installieren. Damit maskieren sie ihre IP-Adresse und verhindern, dass Unternehmen die Daten zusammenführen können. Eine IP-Adresse wird einem bestimmten Gerät zugeordnet und funktioniert als digitale Hausnummer: Das Gerät wird eindeutig identifizierbar - und SZ-Artikel, Youtube-Videos oder Wikipedia-Einträge finden den richtigen Empfänger, der diese Informationen angefordert hatte. Eine VPN-Verbindung baut ein virtuelles Netz auf, sodass Dritte statt der IP-Adresse des Nutzers nur noch die IP-Adresse des VPN-Anbieters sehen. Da andere Nutzer dieselbe IP-Adresse des VPN-Anbieters verwenden, verschwinden sie in einem Meer aus Informationen.

So finden Sie den richtigen VPN-Anbieter

Eberl empfiehlt das kostenpflichtige VPN-Plugin Zenmate aus Berlin, das für die Browser Firefox, Opera und Chrome verfügbar ist. Es sei auch für Laien leicht einzurichten und unterliegt den deutschen Datenschutzbestimmungen. Die SZ-Redaktion hat mit "Freedome" des finnischen Unternehmens F-Secure gute Erfahrungen gemacht. Hier finden Sie weitere Ratschläge zur Wahl eines VPN-Anbieters. Viele der Suchergebnisse, die Sie auf den ersten Google-Seiten zum Suchbegriff "vpn test" finden, sind von den Anbietern bezahlt; seien Sie also skeptisch. Zuverlässige und unabhängige Testberichte liefert die Seite "That one privacy site".

In seinem Blog weist Eberl noch darauf hin, dass zwei Browser nicht gegen Cookies der Software Flash helfen, da sie in einem gemeinsamen Ordner abgelegt werden. Flash sollte daher nur für einen Browser aktiviert werden - wenn überhaupt, die Technologie ist ohnehin ein Sicherheitsrisiko und meist verzichtbar. Auch mobil ist die Methode nur schwer umzusetzen. Eberl nutzt zwei verschiedene Handys, aber das dürfte für die Mehrheit der Nutzer nicht infrage kommen. Sie sollten lieber auf die Berechtigungen achten und auf datenhungrige Apps verzichten.

"Langfristig können zwei Browser nicht die richtige Lösung sein"

IT-Experte Mike Kuketz hat die Zwei-Browser-Methode erweitert und empfiehlt Nutzern sogar, drei Browser für verschiedene Zwecke zu verwenden. Er setzt unter anderem auf den Tor-Browser, mit dem Anfragen über spezielle Tor-Server geleitet und so verschleiert werden. Das ist im Alltag aber mitunter umständlich. Für den Anfang gilt: Zwei Browser schützen Ihre Daten auf jeden Fall besser als einer.

Ein Allheilmittel sei die Methode aber nicht, sagt ein Sprecher der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit von Nordrhein-Westfalen. Er warnt vor einer trügerischen Sicherheit. Es könnten leicht Fehler passieren, etwa dass sich ein Nutzer aus Versehen mit seinem echten Namen im Pseudonym-Browser anmeldet. Die Behörde empfiehlt einfachere Datenschutzmaßnahmen, etwa Cookies regelmäßig zu löschen.

"Langfristig können zwei Browser nicht die richtige Lösung sein", sagt Datenschützer Eberl. "Hier ist die Politik gefordert, übergreifende Verfolgung im Netz zu verhindern."

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