Die USA preschen nach vorne: Künftig sollen FBI-Agenten und Botschaftsmitarbeiter weltweit gegen Webseiten vorgehen, die Raubkopien und illegale Downloads anbieten.
Am 28. Juni treffen sich Regierungsvertreter aus aller Welt in Luzern, um in der nächsten Verhandlungsrunde zum umstrittenen ACTA-Abkommen über "Maßnahmen zum Schutz des geistigen Eigentums" zu beraten. Nun haben die USA mit einer neuen Anti-Piraterie-Strategie (hier als pdf) nochmals den Druck auf die Teilnehmer erhöht.
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US-Vize Joe Biden und Justizminister Eric Holder (links) bei der Vorstellung der neuen Strategie: Mehr Personal für den Kampf gegen Produktpiraterie und Filesharing. (© ap)
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Die Maßnahmen, die US-Vizepräsident Joe Biden in Washington vorstellte, sehen vor allem eine personelle Aufrüstung vor: Bis Ende des Jahres sollen 50 zusätzliche FBI-Agenten dafür abgestellt werden, sich einzig mit der Verletzung von Urheberrechten zu beschäftigen. Dazu zählt die Regierung neben gefälschten Produkten auch digitale Kopien von Filmen oder Musikstücken.
Auch in einigen US-Botschaften rund um den Globus werden zusätzlich Mitarbeiter eingesetzt, die sich um das Thema kümmern sollen. Als Nationen, in denen das Urheberrecht missachtet wird, haben die Behörden übliche Verdächtige wie China, Russland und Thailand, aber auch Argentinien oder Kanada identifiziert. Bereits jetzt veröffentlicht die Regierung eine Liste mit ausländischen Internetdiensten, die illegale Downloads ermöglichen oder gefälschte Produkte verkaufen.
Druck auf andere Nationen
Im Strategiepapier ist auch davon die Rede, dass die USA in den ACTA-Verhandlungen andere Nationen dazu bewegen soll, Verstöße gegen das Urheberrecht stärker zu bekämpfen. Sollte dies nicht gelingen, soll die Welthandelsorganisation WTO eingeschaltet werden.
Bürgerrechtsorganisationen wie die Electronic Frontier Foundation kritisieren bereits seit längerem, dass die USA auf Druck von Filmstudios und Musikfirmen in ihrem Kampf gegen Internetpiraterie auch die Freiheit im Netz gefährden.
Im Regierungskonzept wird indirekt auch die Möglichkeit der Sperrung des Internetanschlusses von Nutzer erwähnt, die sich wiederholt geschütztes Material illegal über das Netz besorgt haben. Die Regierung, so heißt es, "befürwortet Maßnahmen von Privatunternehmen, um effektiv gegen wiederholte Verstöße gegen das Urheberrecht vorzugehen." Diese "Three Strikes Law" wurde in Frankreich bereits verabschiedet und wird derzeit auch auf EU-Ebene diskutiert. Deutschland hat sich bislang gegen derartige Zugangssperren ausgesprochen.
Gefahr einer Abmahnindustrie
Für US-Filesharer dürften nicht nur wegen der neuen Regierungsrichtlinie harte Zeiten anbrechen: Das Anwaltskonsortium US Copyright Group (USCG) hat jüngst angekündigt, in den nächsten Monaten 150.000 Nutzer illegaler Downloads vor Zivilgerichte zu bringen.
Das Unternehmen ist allerdings nicht unumstritten, wie die BBC berichtet: Bürgerrechtsgruppen zufolge handeln die Anwälte nicht im Auftrag von Film- oder Musikfirmen, sondern versuchen, über einen Vergleich vor Gericht Erträge aus solchen Verfahren zu erzielen.
Auch in Deutschland wird derzeit über die Entstehung einer Abmahnindustrie diskutiert. Allerdings versuchen Gerichte inzwischen, die Höhe von Abmahngebühren für solche Verstöße zu deckeln, damit möglichen Geschäftsmodellen dieser Art enge Grenzen gesetzt sind.
- Thema
- Internetfreiheit RSS
- Gwen Hinze zum ACTA-Abkommen Internetfreiheit in Gefahr 27.04.2010
- Illegale Downloads Geschäftsmodell Abmahnung 28.02.2010
- Digitale Kultur Die Anti-Piraten 09.11.2009
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- Umzug nach Hongkong Googles Winkelzug setzt Peking unter Druck 23.03.2010
(sueddeutsche.de/joku/holz)
Christopher Lee zum 90.
Geld ist anscheinend wichtiger als Menschenleben wenn man diese Prioritäten betrachtet.
ACTA ist als Idee gestartet, vorbei an der WTO gegen Produktpiraterie zu kämpfen. Jetzt kommen die USA bei ACTA nicht weiter und drohen mit der WTO. Da gehört die Verhandlung über ACTA sowieso hin!
Und man bedenke: der Ausbau des Urheberrechtsschutzes dient nur dazu, das überkommene und veraltete Geschäftsmodell der Content-Mafia am Leben zu halten.
Es ist eine Pest mit Produktpiraterie und illegalen Files. Sicher. Aber nicht jeder der vermeintlich illegal downloaded weiss auch davon. Daher wäre auch auf illegale Uploads zu achten. Ich würde sagen, dass es heute kaum möglich ist in bestimmten Fällen zu entscheiden ist es legal oder illegal. Vielleicht wären gerade bei der Musikindustrie vernünftigere Preise eine Möglichkeit. Denn Filme, die wesentlich aufwendiger produziert sind können billiger gekauft werden. Das ist nur eine Ungereimtheit.
Und ich dachte bei _der_ Überschrift schon an Somalia...
So kann man sich täsuchen ;-)
Agenten gegen Musikkopien? Was kommt als nächstes? Todesstrafe?
ACTA ist ein undemokratisches Verbrechen. In den Hinterzimmern werden mit vorgeschobenen Gründen Grundrechte beschnitten. Als nächstes kommt INDECT.
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