Totale Überwachung Wehe, wenn der Widerstand bröckelt

Facebook hat ein Imageproblem - und die Meldung über das neue Patent trägt nicht gerade zur Verbesserung des Images bei.

(Foto: dpa)

Facebook könnte über das Handy-Mikrofon Umgebungsgeräusche mithören. Tech-Konzerne haben Hunderte solcher Patente in den Schubladen. Nutzer dürfen nicht anfangen, sich derartige Übergriffe gefallen zu lassen.

Kommentar von Karin Janker

Facebooks Bigotterie zeigt sich anhand der TV- und Internet-Werbespots, in denen sich der Konzern derzeit für alles entschuldigt, was in den vergangenen Monaten falsch gelaufen ist: Spam, Fake News, Datenmissbrauch. "Das wird sich ändern", so die zentrale Botschaft der groß angelegten Kampagne. Von jetzt an wolle man dafür Sorge tragen, dass Nutzer und deren Daten sicher sind. Im Hintergrund laufen Bilder von glücklichen Menschen und eine Melodie, die von einer Spieluhr stammen könnte, die dem Baby beim Einschlafen helfen soll.

Scheinheilig wirkt die Entschuldigungskampagne vor allem angesichts der neusten Nachricht aus den USA: Facebook hat ein Patent angemeldet, das es möglich macht, Mikrofone mithilfe eines Audiosignals zu aktivieren. So könnte es etwa die Smartphone-Mikrofone seiner Nutzer anschalten und Umgebungsgeräusche aufnehmen.

Das lässt schaudern und bestätigt all jene, die vor Totalüberwachung warnen. Tatsächlich wäre das Patent für Facebooks Werbekunden höchst interessant: Werbung könnte noch besser an die Nutzer angepasst werden, wenn man deren Gespräche belauscht. Dennoch klingen die Beteuerungen von Facebook, dass keine Umsetzung geplant sei, schlüssig. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Die Folge wäre ein Imageschaden, von dem sich Facebook wohl kaum erholen würde.

Plausibler ist, dass Facebook dieses Patent - ebenso wie Hunderte weitere, nicht minder gruslige Erfindungen - angemeldet hat, um damit der Konkurrenz zuvorzukommen. Die Tech-Branche liefert sich derzeit ein Wettrüsten mit immer neuen Patenten, eines dystopischer als das andere. Ob sie jemals umgesetzt werden, scheint zweitrangig. Man will sie halten - im Zweifel nur, damit sie kein anderer hat.

Die große Frage der kommenden Jahre wird sein: Bröckelt irgendwann der Widerstand in der Gesellschaft gegen derartige Übergriffigkeiten? Sind die Menschen eines Tages bereit, sich von der süßen Melodie einlullen zu lassen?

Facebook und Co stünden bereit.

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