Suchmaschinen-Ergebnisse Maas will an Googles Algorithmus

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) fordert Transparenz darüber, wie Google zu seinen Suchergebnissen kommt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Bundesjustizminister würde zu gern wissen, wie die Suchmaschine zu ihren Ergebnissen kommt. Google dürfte sich - wie immer - sperren. Der Druck auf den US-Konzern wächst dennoch.

  • Bundesjustizminister Heiko Maas drängt Google in einem Interview zu mehr Offenheit über seine Suchmechanismen.
  • Der US-Suchmaschinenkonzern reagierte bisher stets mit strikter Ablehnung auf alle Versuche, seine zentralen Algorithmen offenzulegen.
  • Die EU erhöhte zuletzt den Druck auf Google, seine Geschäftspraktiken zu ändern. Das Unternehmen soll Konkurrenzangebote benachteiligen.

Wirtschaftliche Macht als Argument

Heiko Maas drängt darauf, dass Google seine "geheime Zutat" offenlegt: Den Algorithmus, mit dem der US-Konzern das Internet durchforstet und seinen Nutzern Suchergebnisse auswirft. Der Konzern müsse transparenter machen, wie seine Suchergebnisse und deren Reihenfolge zustande kommen, forderte der SPD-Bundesjustizminister in einem Interview mit der Financial Times. "Wenn eine Suchmaschine einen solchen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung hat, müssen wir uns dieser Sache annehmen", sagte Maas.

Google will Erfolgsgeheimnis schützen

Es ist nicht der erste Anlauf der Politik auf Googles zentralen Baustein in der Websuche. Der Konzern lehnte bisher allerdings alle Forderungen nach Einsicht und Transparenz bei seinem Algorithmus kategorisch ab. Würden die Formeln ganz oder teilweise offengelegt, öffne das Tür und Tor für Spam in den Suchergebnissen, so das Argument. Außerdem erhielten Konkurrenten Googles Erfolgsrezept quasi frei Haus.

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Wettbewerbs-Streit mit der EU läuft weiter

Maas' Forderung fällt zusammen mit dem laufenden Streit zwischen Google und der EU. Im Kern lautet die Kritik, dass der Konzern seine Marktmacht missbraucht und Suchergebnisse manipuliert. Dabei geht es um mehrere Praktiken: Ergebnisse von spezialisierten Suchdiensten, die von Google selbst betrieben werden, würden prominenter angezeigt als die Ergebnisse der Konkurrenz. Der US-Konzern hatte daraufhin zugesagt, Suchergebnisse gleichwertig anzuzeigen - was der EU-Kommission aber nicht reicht. Die Behörde sei mit dem Konzern in Kontakt, "um zu sehen, ob sie Lösungen anbieten", hieß es Anfang September zu dem im Jahr 2010 angestoßenen Verfahren.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia hatte Google zuletzt im Februar Zugeständnisse abgerungen und diese als zufriedenstellend bezeichnet. Die Konkurrenten bewerteten den Kompromiss aber offenbar anders - sie fühlten sich teilweise sogar schlechter gestellt und haben erneut bei der EU-Kommission gegen die Geschäftspraktiken von Google interveniert.

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