Münchner Computerspiel-Start-up Spiele entwickeln am Abgrund

Das Budget von "Das Tal" wird irgendwo zwischen 200 000 und 500 000 Euro liegen. Zum Vergleich: GTA 5 kostete rund 250 Millionen Euro.

(Foto: Jan Bojaryn)

Eine Münchner Firma entwickelt mit minimalem Budget ihr erstes Computerspiel "Das Tal". Ein anständiges Gehalt zahlt sich der Gründer nicht aus - Mitleid muss man trotzdem nicht haben.

Von Jan Bojaryn

Viele Firmengründer im zweiten Jahr sind gestresst. Alexander Zacherl wirkt gut gelaunt. "Die Entscheidung bereue ich jeden zweiten Tag", sagt er zwar. Aber er lacht dabei. Er lacht überhaupt sehr viel. Und er redet sehr schnell.

"Machste Games"

Zacherl, 29, sitzt in seiner Münchener Wohnung, weil das Wetter schlecht ist. Normalerweise fahre er ins Büro, sagt er. Er lebt in bescheidenen Verhältnissen. Seit seiner Studienzeit hat sich materiell wenig geändert. Während des Interviews klingelt der Pizzalieferdienst an der Tür. Zacherl zahlt sich als Mitgründer und Geschäftsführer von Fairytale Distillery nur ein kleines Gehalt aus. Damit erkauft er sich kreative Freiheit. Nach seinem Medienmanagement-Studium merkte er, dass er doch nicht in die PR-Branche wollte, um Werbung für fremde Spiele zu machen. Also fasste er einen Beschluss: "Machste Games."

Wer Spiele machen will, der braucht Fachkenntnisse in vielen Disziplinen. Programmieren ist wichtig, aber auch Grafik und Design. Zacherl konnte nichts davon. Aber er liebte Computerspiele, mochte es, Spielkonzepte auszutüfteln und hatte schon zu Schulzeiten gelernt, wie man Firmen gründet. Also startete er mit Freunden zusammen die Bit Barons. Die kleine Firma entwickelte Download- und Handyspiele. Größter Erfolg war der bunte Puzzletitel "Astroslugs".

Nach vier Jahren war etwas Geld auf dem Konto, und Zacherl wollte jenes "fette Projekt" angehen, das ihm seit Jahren vorschwebte. Er überzeugte seinen Freund Sebastian Dorda, bei der Spielefirma Travian Games auszusteigen und sich auf das Abenteuer einzulassen. Die beiden gründeten die Fairytale Distillery.

Leben auf Sparflamme - aber ein Ziel vor Augen

"Bootstrapping" hat vor allem in der amerikanischen Start-up-Szene eine Tradition. Als Jungunternehmer lebt man auf kleiner Flamme und arbeitet hart, bis man irgendwann profitabel wird oder Investoren anlocken kann. Auch Zacherl und Dorda haben in ihrem ersten Jahr "das Geld verbrannt, das auf dem Konto war."

Aber die beiden entwickeln kein Spiel, mit dem man Venture-Capital-Geber oder größere Spielefirmen begeistert. Sie entwickeln Zacherls Traumspiel: einen anspruchsvollen Nischentitel. Der Reiz des Spiels erschließt sich nur Menschen, die schon andere Online-Rollenspiele gespielt haben.

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Das Spiel heißt "Das Tal" und ist ein "PvP Sandbox MMO". Spieler wissen, was der Kürzelsalat bedeutet: ein Online-Rollenspiel, bei dem Charaktere in einer offenen Spielwelt aufeinandertreffen, sich gegenseitig bekämpfen oder sich zu kleinen Gruppen zusammenschließen können. Die ganze Welt ist ein Strafgefängnis, jeder Spielercharakter ein Häftling. Alle kämpfen gegeneinander um knappe Ressourcen. Für Nichtspieler klingt das ungewöhnlich, aber "Das Tal" greift populäre Trends auf, und mischt sie neu.