Internet-Überwachung BND will gigantische Datenmengen speichern

Ein Serverschrank mit Netzwerkkabeln.

(Foto: dpa)

Endlich überwachen wie die NSA: Der BND möchte superschnelle Datenspeicher einsetzen. Die SAP-Software Hana soll eines der zentralen Probleme des deutschen Auslandsgeheimdienstes lösen.

Von John Goetz und Hakan Tanriverdi

Der Bundesnachrichtendienst (BND) möchte massiv technisch aufrüsten. Um große Datenmengen vor allem aus sozialen Netzwerken zu verarbeiten, will der deutsche Auslandsgeheimdienst auf eine schnelle Speichertechnik umsteigen. Erst dann sei es möglich, das Internet systematisch und "nahe Echtzeit" auszuwerten.

Möglich machen soll dies eine sogenannte In-Memory-Datenbank. Die Universität der Bundeswehr prüft aktuell, ob Software der Firma SAP dies leisten kann. Das geht aus Unterlagen hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen. Die In-Memory-Datenbank soll demnach Teil der Initiative werden. Damit möchte der BND das Internet live überwachen und dafür bis 2020 die Summe von 300 Millionen Euro ausgeben (dazu hier mehr...).

Auslandsgeheimdienst BND will soziale Netzwerke live ausforschen

Der Bundesnachrichtendienst will künftig soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook ausforschen können, noch während die Nutzer aktiv sind. Bei der Begründung seiner Pläne macht sich der BND nach Informationen von SZ, NDR und WDR die Argumente der US-Geheimdienste zu eigen.

Die SAP-Software namens Hana könnte ein zentrales Problem für den Geheimdienst lösen. In Zeiten der sozialen Netzwerke stößt der BND nach eigenen Angaben an seine Grenzen. Nur dank der neuen Software könnten Blogs, Foren und Portale wie der Fotodienst Flickr, Facebook und Twitter systematisch ausgewertet werden - indem man "Milliarden Datenfragmente" miteinander verknüpft und analysiert.

Diese großen Informationsmengen werden in Datenbanken gespeichert, die bisher meist klassische Festplatten nutzen. Werden die Speichermengen jedoch extrem groß, kann es mitunter tagelang dauern, auch nur eine Kleinigkeit in der Datenbank zu aktualisieren. Dieses Problem will die In-Memory-Technik lösen. Sie speichert die Informationen nicht auf einer Festplatte, sondern im Arbeitsspeicher (RAM). In einem PC ist dieser für die schnellen Datenzugriffe zuständig. Was auf einer Festplatte Tage dauert, schafft der RAM in Sekundenschnelle.

Die RAM-Preise sind in den vergangenen Jahren deutlich gefallen. Das ermöglicht es Konzernen, aber auch Geheimdiensten, ihre Datenbanken im RAM zu speichern. Während ein Standard-Laptop beispielsweise vier Gigabyte RAM besitzt, brauchen derartige Datenbanken die tausendfache Menge.

Die Nachrichtendienste wollen immer mehr Daten verarbeiten. Der US-Geheimdienst NSA "berührt" nach eigenen Angaben pro Tag 29 Petabyte an Daten. Das ist, als würde die NSA täglich fast vier Millionen Smartphones mit je acht Gigabyte gespeicherter Daten auslesen.

Der BND verfügt nach eigener Aussage aktuell noch nicht über die entsprechende Hardware, um die Leistungsfähigkeit der SAP-Software zu prüfen. Eine Investition in diesem Bereich sei notwendig. Andernfalls könne man mit den Partnern von der NSA nicht mithalten.