Internet der Dinge Im Bett mit einem Sensor

Ob smarte Matratze oder vernetzter Rucksack: Hersteller übertreiben es im Moment noch damit, alle möglichen Produkte mit Chips zu versehen. Doch es gibt auch sinnvolle Ausnahmen.

Von Johannes Kuhn, Las Vegas

Wenn der Partner schnarcht, hilft manchmal ein kleiner Knuff in die Seite. Oder ein Doppelbett für 4000 Dollar: Dessen Sensoren-Matratze identifiziert den sägenden Störenfried und hebt automatisch sein Kopfteil an, um ihm besseres Durchatmen zu ermöglichen. Liegetests auf dem "360 Smart Bed" der Firma Sleep Number waren auf der CES in Las Vegas nicht nur deshalb beliebt, weil die weltgrößte Elektronikmesse mit ihren Tausenden Ständen und Geräten eine ermüdende Veranstaltung ist: Das Bett ist auch ein guter Gradmesser für die fortschreitenden Entwicklung im Zusammenspiel von Sensoren, Software und Hardware.

Matratzen, die mittels biometrischer Sensoren die Schlafqualität messen, gibt es bereits länger. Im Falle des "360" befinden sich Druck- und Vibrationssensoren an den Luftkammern der Matratze. Eine Software wertet die Daten aber nicht nur zur Schlaf-Optimierung aus, sondern nutzt sie auch für Anpassungen: Die Kammern pumpen Luft ein oder ab, um das Liegen bequemer zu machen. Nebenbei kann das Bett auf Wunsch das Licht anschalten, sobald man nachts aufsteht.

Messungen um der Messung Willen

"Nett, aber noch unnötig", lautet häufig das Urteil über solche Neuheiten. Diese Skepsis hat sich die Branche selber zuzuschreiben: Lange glaubte sie, der Einbau von Sensoren und das Ausliefern der gemessenen Ergebnisse genüge, um Kunden einen Mehrwert vorzugaukeln. Doch nicht nur das schwache Marktwachstum von Smartwatches und Fitness-Trackern zeigt, dass das Versprechen auf Selbstoptimierung alleine für einen Kauf nicht ausreicht.

Natürlich gab es sie auch auf der CES 2017, die Messungen um der Messung Willen: Eine ganze Palette von Aktivitäts-Halsbändern für Hunde zum Beispiel, oder eine Pfanne mit Temperatur-Sensor, die "Spitzenköche und Gesundheitsberater mit Heim-Köchen in Verbindung bringt". Häufig blieb der unmittelbare Nutzen sehr speziell: Welcher Laie wird ein Spektralmessgerät in seinem Rotwein-Glas versenken?

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Für unterschiedliche Sportarten gibt es spezielle Versionen von Airbags

Zugleich werden die Anwendungen interessanter, wenn sie konkrete Probleme lösen: Gleich mehrere Anbieter zeigten Körper-Airbags für Motorrad-, Ski- oder Fahrradfahrer. Die Schutzwesten blasen sich selbst auf, sobald die Sensoren dem eingebauten Mini-Computer eine Sturzbewegung mitteilen. "Allerdings fällt ein Skifahrer anders als ein Radfahrer stürzt, es müssen andere Körperstellen geschützt werden", erzählte ein Mitarbeiter des Herstellers InMotion, weshalb für jeden Aktivität eine andere Weste nötig sei. Mit einem Preis von 1200 Euro handelt es sich derzeit allerdings sowieso noch um ein Luxus-Kleidungsstück.

Ohnehin bleiben Kunden mit prallem Geldbeutel die Zielgruppe für die interessantesten Anwendungen. Carnival Corp, das größte Kreuzfahrtunternehmen der Welt, stellte auf der CES ein vernetztes System vor, das von Herbst an auf dem Schiff Regal Princess eingeführt wird. Mehr als 7000 Sensoren sollen den Komfort der Passagiere verbessern: Die erhalten eine App und ein kleines Medaillon, das sie mit sich herumtragen.

Sensoren erkennen über das münzgroße Stück Technik den Gast, der so ohne Schlüssel die Kabinentür öffnen oder nur durch seine Anwesenheit die Rechnung bezahlen kann. Mitarbeiter auf dem Schiff erhalten auf ihrem Tablet-Computer Infos, mit wem sie es gerade zu tun haben, sobald sich ein Passagier nähert. "Wir wollen mehr über unsere Gäste lernen", erzählte Vorstandsmitglied Michael G. Jungen der New York Times. Denn mit dem Komfort geben die gläsernen Seefahrer auch ihre Vorlieben und Verhalten preis.