Event-Seiten zu Bundesparteitagen Twitters bedenkliche Allianz mit CDU und SPD

Eventseite der CDU auf Twitter: Ruf als demokratieförderndes Medium steht auf dem Spiel

(Foto: Screenshot: Twitter)

Die Kooperation zwischen Twitter und den großen deutschen Parteien disqualifiziert alle Beteiligten: Twitter setzt mit den Event-Seiten seinen Ruf als demokratieförderndes, der Meinungsfreiheit verpflichtetes Medium aufs Spiel. CDU und SPD zeigen, wie wenig sie vom Internet verstanden haben.

Ein Kommentar von Johannes Boie

Mal angenommen, der Betreiber einer Zeitungsdruckerei wäre an die SPD herangetreten und hätte ihr folgendes Angebot gemacht: Die Partei könne ihm eine Liste mit den Namen deutscher Journalisten und Publizisten übergeben. Nur deren Texte würde er dann gut sichtbar drucken, wenn es um den Bundesparteitag der SPD ginge, andere Texte zur SPD dagegen würde er ein wenig verstecken. Das sei für die Partei quasi als Test kostenlos, erst zukünftig wolle er für seinen Service Geld haben. Die Kritik wäre, mit Recht, gewaltig.

Im Grunde genommen ist es aber das, was der Kurznachrichtendienst Twitter der SPD offeriert hat. Die SPD hat das Angebot angenommen, genau wie zuvor schon die CDU zu ihrem Parteitag. Der Unterschied zum Ausgangsszenario ist nur: Bei dem Angebot von Twitter handelt es sich nicht um Zeitungstexte, sondern um Kurznachrichten, um Tweets.

Twitter setzt so seinen Ruf als demokratieförderndes, der Meinungsfreiheit verpflichtetes Medium aufs Spiel. Die Parteien aber schädigen neben ihrer Glaubwürdigkeit die Informationsmöglichkeiten der Bürger. Außerdem beweisen sie, wie wenig sie vom Netz verstanden haben - dort werden CDU und SPD nun als Zensoren beschimpft. Das sind sie nicht: Tweets wurden nicht gelöscht, sondern nur ein wenig versteckt. In der Netzpolitik aber haben sich beide Parteien durch ihre Bedenkenlosigkeit disqualifiziert.