Viele chinesische Nutzer sind besorgt über den möglichen Google-Rückzug. Die Zensur im Netz kann negative Folgen für die Wirtschaft des Landes haben.
Wie sie ohne Google auskommen soll, kann sich Li Li nur schlecht vorstellen. "Unser Internetleben ist völlig von Google abhängig", schrieb die Chinesin am Donnerstag auf ihrem Blog. "Wir nutzen Google als Suchmaschine, nutzen Gmail zum Senden und Empfangen von E-Mails, lesen Nachrichten mit Google Reader, verwalten unsere Dateien mit Google Files und unsere Fotos mit Picasa. Es gibt einfach nichts, was Google ersetzen könnte."
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Chinesische Flagge vor Google-Gebäude in Peking: Innovationsdruck für chinesische Anbieter (© Foto: AFP)
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Unzählige chinesische Websurfer äußerten sich ähnlich besorgt. Der amerikanische Google-Konzern hatte zuvor angekündigt, nach Hackerangriffen aus China nicht mehr mit der chinesischen Regierung bei der Zensur von Inhalten zu kooperieren und möglicherweise seine chinesische Suchmaschine "Google.cn" und seine Büros in Peking schließen zu wollen.
Google hatte im vierten Quartal des vergangenen Jahres in China einen Anteil von 35,6 Prozent am Internet-Suchmarkt. Der chinesische Rivale Baidu.cn lag bei 58,4 Prozent. Doch Google hat nach Aussagen von Medienanalysten die gebildetere und loyalere Kundschaft. "Junge, gut verdienende Angestellte in den Großstädten und alle Chinesen, die für ihren Lebensunterhalt vom Internet abhängig sind, nutzen Google", sagt der chinesische Medienanalyst Michael Anti.
80 Millionen Chinesen arbeiten Marktstudien zufolge zumindest einmal pro Woche mit Google, und 40 Millionen Chinesen nutzen die Suchmaschine sogar häufig. Damit war Google zwar auf dem zweiten Platz - in einem schnell wachsenden Markt.
Zensiert, aber besser
Es hatte seinen Marktanteil seit seinem Eintritt im Jahr 2006 jährlich ausbauen können, trotz ständigen Störfeuers durch chinesische Regierungsstellen. Der Hauptgrund für den Erfolg war offenbar Qualität. "Google.cn war zwar in China zensiert, aber es brachte immer noch viel bessere Ergebnisse als Baidu, egal wonach ich gesucht habe", sagt eine 28-jährige Politikstudentin in Peking.
Entsprechend emotional reagierten viele Nutzer von Google auf die Drohung der Firma, sich möglicherweise vom chinesischen Markt zurückzuziehen. "Youtube, Twitter, Facebook und Wikipedia sind schon zensiert. Und jetzt auch noch Google. Unsere Regierung verwandelt den chinesischen Teil des Internets immer mehr in ein Local Area Network", kommentierte ein chinesischer Blogger namens "Nano".
Auch Experten warnten, dass Peking mit seinem Beharren auf Zensur und Kontrolle beim Markteintritt ausländischer Firmen letztlich ein "Internet zweiter Klasse" schaffe, was sich langfristig auch nachteilig auf Chinas wirtschaftliche Entwicklung auswirken müsse.
In ihrer ersten öffentlichen Stellungnahme blieb Chinas Regierung hart. Die Internetmedien müssten der Führung der Kommunistischen Partei folgen, sagte Wang Chen, ein Sprecher des Staatsrates. Er nannte Google nicht namentlich, aber der Kontext war in China ohnehin jedem klar.
Innovationsdruck erhöht
Der Kader wiederholte die üblichen Sprechblasen der Propaganda, wenn es um das Internet geht. Es gelte, die "soziale Harmonie" zu wahren und das Denken der Massen zu "vereinheitlichen", sagte Wang. Er sagte jedoch auch, seine Regierung sei resolut gegen die Aktivitäten von "Hackern".
Sollte sich Google tatsächlich aus dem chinesischen Markt zurückziehen, so hätte dies sicherlich negative Auswirkungen auf die Entwicklung des chinesischen Internetmarktes. Mit einer Reihe von Produktentwicklungen und Partnerschaften hatte Google in wenigen Jahren den Konkurrenz- und Innovationsdruck für chinesische Anbieter erheblich erhöht.
Im vergangenen März hatte die Firma den Musikdienst Top100.cn mitgegründet, eine nur mit Werbung finanzierte Seite zum Herunterladen von Musik. Das Internetportal "Sina" hat den Suchbalken von Google.cn auf seiner Startseite stehen. Auch die Kunden des Handy-Anbieters "China Mobile" googeln auf Chinesisch.
In der Nacht hielten junge Chinesen eine spontane Nachtwache mit Kerzen in den Händen vor dem Google-Hauptquartier in Peking. "Ohne Google fehlt mir ein Teil meines Lebens", sagte eine junge Chinesin. "Wollen sie uns zurück in die Steinzeit zwingen? Wir sind doch nicht Nordkorea", sagte ein junger Mann.
(SZ vom 15.01.2010/joku)
Der Titel des Beitrags ist eher lächerlich. China hat, trotz Zensur, Wachstumsraten, auf welche die übrige Welt voller Neid schaut. Nicht zu vergessen, Google hatte sich mit der Zensur arrangiert.
Selbst wenn Google seine Drohungen wahr macht und vom chinesischen Markt verschwindet, wird das allenfalls kurzfristige Auswirkungen haben. Abgesehen davon, dass die Zahl der Internetnutzer in China, gemessen an der Zahl der Bevölkerung, noch immer sehr niedrig ist, werden sich die "neuen Yuppies" in China auch mit dem Verschwinden von Google abfinden, sind sie doch die Profiteure dieses Mediums Internet und werden kaum auf die damit verbundenen Privilegien verzichten.
Chinesche Mentalität ist nicht mit der westlichen Mentalität vergleichbar.
Doch selbst, wenn es bei der Wachstumsrate in China einen Einbruch geben sollte, ist die Wachstumsrate immer noch weitaus höher, als die der längst gesättigten westlichen Märkte.
Dass Google das Non plus Ultra ist, kann ohnehin niemand behaupten, denn die Datensammelwut dieser Firma ist längst zu einer Form der unsichtbaren Bedrohung geworden. Niemand weiß wirklich, was Google alles mit diesen Daten anfängt und ob CIA oder NSA nicht längst Zugriff auf diese Daten haben.
Es gibt eine Menge berechtigte Kritik an China. Doch wer genauer hinschaut und die westliche Hemispähre mit der gleichen kritischen Aufmerksamkeit betrachtet, kommt zu dem Schluss, dass wir gut daran täten, erst vor der eigenen Türe zu kehren, egal, ob es dabei um Menscherechte oder um Ausbeutung geht.
Welch romantischer Beitrag. Die politische Relevanz ist so völlig ausgeblendet. Wie macht man das???