Angriff auf Playstation-Netzwerk Sony: Wutsturm nach Datenklau-Debakel

Adresse, Kreditkartennummer, Geburtstag, Passworte: Fast 77 Millionen Sony-Kunden bangen nach dem Angriff auf das Playstation-System um ihre persönlichen Daten, viele machen ihrem Ärger Luft. Sony hat das FBI eingeschaltet - und steht vor den Trümmern seines Playstation-Universums.

Von Johannes Kuhn

77.000.000 Kunden, das entspricht fast der Einwohnerzahl der Bundesrepublik Deutschland. Wer das Ausmaß des Datendiebstahls bei Sony begreifen möchte, muss sich vorstellen, dass nun ein unbekannter Hacker möglicherweise im Besitz sensibler Informationen über 77 Millionen Menschen ist, die das Playstation-Netzwerk oder den Video- und Musikservices Qriocity nutzen.

Das Ausmaß wird auch bei einem Blick auf die möglicherweise gestohlenen Daten klar, die Sony auf seiner Playstation-Homepage auflistet:

Name, Adresse (Stadt, Bundesland, Postleitzahl), Land

E-Mail-Adresse und Geburtsdatum,

Möglicherweise Kaufhistorie und Rechnungsanschrift (Stadt, Bundesland, Postleitzahl) und Sicherheitsfragen zum Nutzer-Passwort,

PlayStation Network/ Qriocity Passwort und Login sowie Playstation Network Online ID,

Möglicherweise Daten der Zweitkonten, die für Unterhaltsberechtigte eingerichtet werden können,

Möglicherweise Kreditkarteninformationen, wozu Kreditkartennummer und Gültigkeitsdatum, nicht aber Sicherheitscodes gehören. (Hier weist Sony allerdings darauf hin, dass es bislang keinen Hinweis darauf gibt, dass diese Daten entwendet wurden.)

Die Kurzversion der Botschaft: Der Einbrecher konnte in den Sony-Datenbanken lesen wie in einem offenen Buch.

Noch ist unklar, wie viele Nutzer wirklich betroffen sind. Kunden des Playstation-Netzwerks sollen Sony zufolge Kontoaktivitäten "wachsam überprüfen" und sämtliche Kontoauszüge überwachen. Dazu mahnt das Unternehmen zur Vorsicht bei "potentiellen Gaunereien via E-Mail, Telefon oder Post", in denen versucht wird, private Informationen auszuspionieren.

Anonymous unter Verdacht

Inzwischen hat die Firma eine IT-Sicherheitsfirma und das FBI eingeschaltet, um das Ausmaß und den Urheber des Datenklaus ausfindig zu machen.

Wer hinter den Angriffen steckt, ist unklar: Noch in der vergangenen Woche hatte das lose Internet-Aktivistennetzwerk Anonymous Sony den virtuellen Krieg erklärt.

Hintergrund ist die Klage des Konzerns gegen den Hardware-Hacker George Hotz, der im Internet den Quelltext eines selbstgebastelten Programms veröffentlichte, mit dem sich fremder Code in die Playstation 3 einschleusen lässt. Inzwischen hat sich Hotz mit Sony außergerichtlich geeinigt und offenbar eine Unterlassungserklärung abgegeben.

Begonnen hatte die Geschichte bereits am 21. April. An diesem Tag ging das Playstation-Netzwerk, das den Zugang zu Online-Spielen erlaubt, offline - aufgrund eines "externen Eindringlings", wie Sony erklärte. Anonymous dementierte allerdings jede Beteiligung, wobei das ultraliberale Netzwerk so lose und temporär zusammenarbeitet, dass es sich auch um einen Einzeltäter aus dem Umfeld handeln könnte.