Ramadan an der Schule Nichts essen, nichts trinken, nichts lernen

Islamischer Religionsunterricht an einer Mainzer Grundschule: Selbst Kinder fasten zuweilen während des Ramadan, Experten sind in Sorge.

(Foto: Imago Stock&People)

Schüler, die von Tag zu Tag unkonzentrierter und blasser werden. Im Ramadan sind sie an deutschen Schulen keine Seltenheit. Für Lehrer ist der Umgang mit fastenden Kindern und Jugendlichen eine Herausforderung - denn Handlungsrichtlinien fehlen.

Von Johann Osel

"Endlich Ferien", freut sich der Lehrer, er bezieht sich mit dem Jubelruf ganz konkret auf die vergangenen Wochen: den Ramadan, mitsamt fastenden muslimischen Schülern. "Endlich keine sich vor Bauchschmerzen krümmenden Zwölfjährigen mehr, kein Schlangestehen vor der Sanitätsliege, weil islamische Schüler fasten und in schöner Regelmäßigkeit zusammenklappen", heißt es in dem Beitrag, den der Mann in einem Online-Forum für Lehrer verfasst. In seiner Klasse habe Fasten nahezu "Wettbewerbscharakter". Natürlich könne man auf die Schüler Rücksicht nehmen, schreibt er. "Allerdings dauert der Ramadan 30 Tage. Wie macht man das, Rücksicht nehmen? Sollen die Schüler keine Klassenarbeiten schreiben? Soll man sie vom Sport befreien? Soll man für die Zeit eine Krankenstation einrichten?"

So recht wissen es die Kollegen in dem Forum auch nicht, ebenso wie in anderen digitalen Marktplätzen dieser Art, auf denen sich Lehrer manchmal auskotzen, viel häufiger aber Tipps austauschen. Da gibt es gnadenlose Lehrer: "Keine Klassenarbeiten, das käme bei mir nie infrage". Da gibt es Schulen, an denen Zugeständnisse etabliert sind, und schwächelnde Fastende heimgeschickt werden; und es gibt Schulen, an denen jedes Jahr Konflikte ausbrechen. Über Schwächeanfälle und versäumte Prüfungen, abgesagte Klassenfahrten und Sportunterricht, der ohne Trinken heikel ist; oder den Schwimmunterricht, die Gefahr des Wasserverschluckens droht dort ja. Sogar an Grundschulen gebe es zuweilen fastende Sechs- bis Zehnjährige.

In diesem Jahr ist die Lage ein wenig entspannter: Der Fastenmonat, der nun noch eine Woche dauert, berechnet sich nach dem Mondkalender. Aktuell sind Schüler in vielen Bundesländern schon in den Ferien, etwa in Bayern oder Niedersachsen herrscht durch den Notenschluss eine Leerlaufphase. Aber manchmal kann Ramadan später, vor den Herbstferien liegen, während der ersten intensiven Prüfungsphase.

Keine einheitliche Linie beim Fasten

Doch warum fasten Jugendliche überhaupt? Ist das nicht erst mit Eintreten der Geschlechtsreife vorgesehen, ferner nicht für Arbeitende, wozu auch Schüler zählen? "Den Islam gibt es nicht, es gibt keine einheitliche Linie", sagt Sanem Kleff. Die türkischstämmige Lehrerin ist Bundeskoordination des Projekts "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Sie kennt Schilderungen von Kollegen, da geht es um Schüler, die von Tag zu Tag unkonzentrierter und blasser werden. Und sie kennt die Bedeutung der muslimischen Festzeit.

"Wieviel Uhr ist es?"

Wenn gefastet wird, haben Nicht-Muslime viele Fragen. Darf man wirklich nichts trinken? Ist das nicht anstrengend? Alle Fragen, die Sie sich gestellt haben: hier werden sie beantwortet. Von Hakan Tanriverdi mehr ...

Einerseits macht sie "islamistische Strömungen" für das durchaus übliche Fasten von Jugendlichen verantwortlich, auch die Muslimverbände hätten unterschiedliche Auslegungen. Für Heranwachsende sei das erste Fasten zudem oft ein "Initiationsritus im Kreis der Großen". Andererseits sei es verständlich, wenn Kinder mitmachen wollten. Sie sehen die Geselligkeit, die deliziösen Speisen, die es oft beim abendlichen Fastenbrechen gibt.