Urlaub Der Bewegungsradius von Kindern wird immer mehr eingeschränkt

Der Radius, in dem Kinder sich beim Spielen frei bewegen können, ist extrem geschrumpft: von durchschnittlich mehreren Kilometern in den Sechzigerjahren auf 500 Meter heute. Viele Kinder können keinen Purzelbaum mehr, geschweige denn ein Rad schlagen, da weder Kita noch Schule auffangen, was an unorganisierter Bewegung fehlt. Das wenige Rennen, Klettern, Balancieren ist nicht nur die Schuld von Eltern, die ihren Nachwuchs ungern von der Leine lassen. Es ist auch eine Folge der urbanen Verdichtung, die sich die letzten undefinierten Flächen einverleibt - und die Folge einer Stadtplanung, die das mit festgeschraubten Spielgeräten ausgleichen will. Ein "Ferien-auf-Saltkrokan"-Gefühl entsteht auf diesen eingezäunten Plätzen schwerlich. Umso besser, wenn die Kinder in den Ferien rauskommen, ob mit der Familie oder den Pfadfindern oder gleich beides.

Also ab ans Meer, in die Berge, die Pampa, und um die Freiheit steht es schon besser? Eigentlich ja, wäre da nicht der pädagogische Nutzen. Er ist der zweite Feind der großen Ferien, weil er den Sinn verlebter Sommertage an ihrem Bildungswert misst. Nach der Messlatte des pädagogischen Nutzens wird nicht mehr gespielt, sondern spielerisch etwas erreicht. Schon im Kita-Alter fängt das an, sprachlich, musisch, mathematisch, schließlich geht es um die Zukunft, um Chancen und Erfolg.

Besonders prädestiniert fürs Fördern und Fordern sind die Ferien vor der vierten Klasse. Ein fleißiger Sommer oder eine verpatzte Schullaufbahn, bei dieser Entscheidung geben auch die freiheitsliebendsten Eltern klein bei. Verbündet sich der pädagogische Nutzen mit der Zukunftsangst, dann hat er an allen Tagen des Jahres Macht. Dann ist die Kindheit eben doch zu kostbar, als dass sie dem Kind zur freien Verschwendung überlassen werden kann. Dann eben nicht Wald, sondern Waldpädagogik. Dann tarnt sich das Üben für Deutsch und Mathe als Spiel, lässig eingebaut zwischen Picknick und Wanderung. Auch das Rechenspiel auf dem Handy ist jetzt ganz okay. Und natürlich meinen die Eltern es mit alldem nur gut. Sie hegen ihr Liebstes, wer könnte das nicht nachvollziehen.

Trotzdem: In den Ferien kann man gar nicht genug Zeit verschwenden. Im Gegenteil, Zeitverschwendung ist der Inbegriff von Ferien. Erst wenn die Tage ineinanderfließen, wenn Mittwoch Donnerstag ist - oder doch schon Freitag? - na, egal . . ., dann sind Ferien.

Die wollen doch nur spielen

Für Eltern ist es schwer zu ertragen, dass ihre Kinder in einer anderen, digitalen Welt leben - dem Smartphone-Kosmos. Aber ist das wirklich so schlimm? Von Arno Makowsky mehr...