Lehrer-Studien Mal ausgebrannt, mal ganz zufrieden

Entgegen mancher Studienergebnisse haben viele Lehrer Freude an ihrem Job.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Vor Burn-out-Wellen bei Lehrern warnte erst kürzlich der Aktionsrat Bildung. Doch jetzt kommt eine neue Studie zu dem Ergebnis: So schlecht geht es Pädagogen im Job nicht. Für anderslautende Befunde präsentieren die Forscher eine einfache Erklärung.

Von Johann Osel

Einst waren sie in der öffentlichen Wahrnehmung Müßiggänger, mit freien Nachmittagen und schier unendlichen Ferien. Lehrer seien "faule Säcke", hatte mal Kanzler Gerhard Schröder gesagt - derlei wurde oft ergänzt durch Schnurren über den Kleidungsstil oder einen angeblich tendenziell hohen Weinkonsum der Pädagogenschaft. Mit der ersten Pisa-Studie hat sich auch der Blick auf die Lehrer gewandelt. Gute Leistungen kommen durch gute Lehrer, stellt man fest.

Bildungsministerinnen liefern seitdem Mahnungen an die Bürger. Annette Schavan etwa: "Es darf nicht sein, dass außerhalb der Schule alle meinen, besser um Bildung Bescheid zu wissen als die Lehrer selbst." Oder Johanna Wanka: "Da haben Eltern große Verantwortung. Wenn sie für Misserfolge ihrer Kinder immer gleich die Lehrer verantwortlich machen, stellen sie deren Autorität infrage."

Studien und Umfragen zum Beruf zielen mittlerweile häufig auf das Leid der Lehrer: Überforderung mit aufmüpfigen Schülern und noch aufmüpfigeren Eltern wird da beklagt. Und: Unzufriedenheit. Konträr dazu weisen Forscher der Universität des Saarlandes auf ihre aktuelle Studie hin - "Die Mär vom jammernden Lehrer". Die Arbeit wurde in der Zeitschrift für Gesundheitspsychologie publiziert.

Unter Zeitdruck, aber zufrieden

Die Wissenschaftler haben breite Datensammlungen zum sozialen und wirtschaftlichen Status der Deutschen ausgewertet. Diese hätten mehr Aussagekraft als gezielte Studien mit einer Gruppe. Ergebnis: Lehrer weisen zwar auf Belastungen hin, vor allem auf Zeitdruck, sind aber sehr zufrieden - nicht weniger zufrieden als Beschäftigte anderer Branchen. Im Vergleich mit Erziehern, Pflegern, Verwaltungsangestellte, Ärzten und Ingenieuren erfahren sie stärkeres Glück im Job. Auch der Zeitdruck wurde in vielen anderen Berufen als höher empfunden. Ein Drittel der Lehrer beklagte aber mangelnde Anerkennung; nur Verwaltungsbeamte meinten, weniger Wertschätzung zu erhalten.

Erst kürzlich hatte der Aktionsrat Bildung, ein Gremium im Auftrag der bayerischen Wirtschaft, vor Burn-out-Wellen bei Lehrern gewarnt. Es litten 30 Prozent der Beschäftigten im Bildungswesen unter psychischen Problemen. Der Chef des Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagte daraufhin, es sei ein "Skandal", dass der Staat nicht in der Lage sei, ein flächendeckendes Angebot an Arbeitsmedizinern und Psychologen für seine Lehrer zu finanzieren. Die Hauptursache für Überlastung seien die im weltweiten Vergleich zu hohen Gesamtarbeitszeiten der Lehrer.

Dass es stark belastete, unzufriedene Lehrer gibt, wollen die saarländischen Forscher nicht abstreiten. Ihre Erklärung für oft anderslautende Befunde: An Umfragen nehmen womöglich gerade die Ausgebrannten oder Unglücklichen teil und verzerrten das Ergebnis.

Anders gesagt: Lehrerstudien sind für manche Lehrer wohl gute Gelegenheit, sich mal richtig den Frust von der Seele zu reden.

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