Werbung für Flughafen Nürnberg Söder posiert vor falschem Dürer

Das ist das Bild, das Söder für sein Flughafen Werbe-Banner genutzt hat. Die Kopie wurde lange dem Nürnberger Kupferstecher Küfner zugeschrieben. Aber selbst dieser Halbprominente hat es nicht gemalt.

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Der Nürnberger Flughafen trägt künftig den Namen des Malers Albrecht Dürer. Zum Start der Werbekampagne präsentiert sich Bayerns Finanzminister Söder vor dem berühmten "Selbstbildnis im Pelzrock". Oder doch nicht?

Von Olaf Przybilla, Nürnberg

Albrecht Dürer, so hat am Freitag Bayerns Finanzminister Markus Söder argumentiert, kenne man "von New York bis Moskau". Deshalb sei Dürer unbedingt geeignet, künftig für Nürnbergs defizitären und hoch verschuldeten Flughafen international Werbung zu machen. In Nürnberg sollen Fluggäste künftig auf dem "Albrecht Dürer Airport" landen, die Werbekampagne kostet 500 000 Euro. Das Geld stammt allein vom Freistaat, weil der andere Gesellschafter, die klamme Stadt Nürnberg, dafür kein Geld hat.

Es dürfte außer Frage stehen, dass Dürer, das Original aus Nürnberg, weltweit bekannt ist. Betrachtet man allerdings das Banner, vor dem sich Söder bei der Vorstellung in Szene setzte, bleiben Zweifel, ob das Werk auch in Nürnberg hinreichend geläufig ist. Respektive beim von dort stammenden Minister.

Das Porträt, vor dem sich Söder selbst ablichtete, soll offenbar Albrecht Dürers "Selbstbildnis im Pelzrock" zeigen, gemalt im Jahr 1500. Das ist jenes Bild, das 2012 für allerlei diplomatische Verwicklungen zwischen Franken und Altbayern sorgte. Weil die Staatsgemäldesammlungen in München das Werk aufgrund kleinerer Beschädigungen für nicht geeignet hielten, nach Franken transportiert zu werden zur großen Dürer-Schau im Germanischen Nationalmuseum.

Söder kämpfte damals in vorderster fränkischer Front dafür, das Original in Nürnberg zu zeigen - nicht nur eine billige Kopie. Jetzt werben Flughafen und Finanzminister selbst mit einer Kopie vom Pelzrock-Porträt. Etwa zehn solcher historischen Fälschungen gibt es. Die hinter Söder gilt als eine der schlechtesten.

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Söder posiert vor einer Billig-Fälschung

"Herzlichen Glückwunsch", sagt Thomas Schauerte, wenn man ihn darauf anspricht, dass der Dürer hinter Söder ja wohl kaum der echte ist. Schauerte, Leiter des Dürer-Hauses in Nürnberg, gilt als einer der profiliertesten Dürer-Kenner. Und ja, sagt er, das sei ihm beim Betrachten der großflächigen Söder-vor-Dürer-Bilder in der örtlichen Tagespresse auch schon aufgefallen.

"Leider", sagt Schauerte, immerhin waren es diese Bilder von Meister und Minister, die dafür gedacht waren, um die Welt zu gehen. Was man da aber neben Söder sieht, ist eine historische Billigfälschung, die es kaum ins Kopien-Buch des Dürer-Hauses geschafft hat, so schlecht ist dieses Porträt. Schauerte hat einen Blick dafür, klar. Aber diese Fälschung hätte, bei genauerer Betrachtung, auch einem "überforderten Praktikanten" auffallen können, sagt er. Die Augenbrauen stimmen nicht, auch nicht der "Räuber-Hotzenplotz-Schnurrbart", erst recht nicht der seltsam gewellte Mund. Beim Dürer-Pelzrock hängen dem Meister drei dünne Haarbüschel in die Stirn, beim abgebildeten Pseudo-Pelzrock sind es höchstens anderthalb. Schauerte vermutet, dass diese Kopie mehr als 200 Jahre nach Dürer entstanden ist. Und später noch von einem dilettierenden Restaurator verunstaltet wurde.

Der Hoffotograf von Markus Söder heißt Markus Söder: Der bedeutendste lebende Nürnberger steht vor einem Porträt des berühmtesten Nürnbergers.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Immerhin einer der historischen Pseudo-Pelzröcke erfreut sich gewisser Bekanntheit, weil er lange einem Kupferstecher namens Küfner zugeschrieben wurde, der angeblich um 1800 das Bild an den Münchner Kurfürsten verscherbelt und der Stadt Nürnberg eine Fälschung zurückgegeben haben soll - was sich längst als erfundene Räuberpistole herausgestellt hat. Aber selbst dieser Pseudo-Küfner, die Kopie stammt nämlich gar nicht von Küfner, ist hinter Söder nicht zu sehen. Sondern eine krude Kopie eines Anonymus. Er sei ratlos, sagt Schauerte. Sei aber als Experte nicht für die Dürer-Kampagne konsultiert worden. Ebenso wenig wie Nürnbergs Kulturreferentin Julia Lehner, auf die die Idee mit dem Dürer-Flughafen zurückgeht.

Warum also das falsche Bildnis? "Einfach blöd gelaufen", räumt die Sprecherin des Flughafens ein, "irgendwie ist uns das reingerutscht." Zum Glück habe das bisher keiner gemerkt. Man werde mit dieser Kopie nicht weiter Werbung machen, das bleibe "eine einmalige Angelegenheit". Zuvor hatte der Flughafen bereits angekündigt, "den Namensgeber 2015 weiter sichtbar" machen zu wollen und "am Standort zu inszenieren". Dürer wäre nämlich, würde er heute leben, ein "Frequent-Traveller", sagt Flughafenchef Michael Hupe, ein Vielflieger. Deshalb passe er so gut zum Flughafen. Und Söder? Will zum falschen Dürer hinter sich keinen Kommentar abgeben.