Verteidiger im Wiederaufnahmeverfahren Rechtsanwalt Strate vertritt Gustl Mollath

Spektakuläre und komplizierte Fälle schrecken Gerhard Strate nicht ab: Der Rechtsanwalt wird Gustl Mollath im Wiederaufnahmeverfahren vertreten. Eine Zeitung hat zuvor an Mollaths Aufklärungswunsch gezweifelt - und bei den beiden Verwunderung ausgelöst.

Von Olaf Przybilla und Uwe Ritzer

Gerhard Strate ist ein Mann für spektakuläre Fälle. In den 1990er Jahren vertrat der renommierte Hamburger Rechtsanwalt Monika Böttcher, geschiedene Weimar, die sich in drei Indizienprozessen wegen der Ermordung ihrer beiden Kinder verantworten musste. Zuletzt sorgte Strate mit Strafanträgen gegen Banker wie Ex-HSH-Nordbank-Chef Dirk Nonnenmacher für Aufsehen. Strate gilt zudem als Spezialist für komplizierte Wiederaufnahmeverfahren. Ein solches wird er nun einmal mehr betreiben: für Gustl Mollath.

Mollath sitzt unter fragwürdigen Umständen seit beinahe sieben Jahren in der geschlossenen Psychiatrie. Niemand hatte Mollaths Angaben über dunkle Geschäfte bei der Hypo-Vereinsbank ernst genommen, die sich jedoch inzwischen als weitgehend richtig erwiesen haben. Bereits in der vorigen Woche hatte Mollath dem Anwalt Strate das Mandat erteilt, wie beide der SZ bestätigten.

Damit widersprechen sie einer Darstellung der Wochenzeitung Die Zeit, die behauptet hatte, Mollath habe Strate keine Vollmacht unterschrieben. Das Blatt hatte diesen angeblichen Vorgang mit zwei Fragen verbunden: "Will Mollath etwa gar keine Wiederaufnahme? Hat er sich in der Rolle des Märtyrers der bayerischen Strafjustiz eingerichtet?"

Verwundert über die Berichterstattung

Alles Unsinn, erwidern nun sowohl Mollath als auch Strate - und wundern sich über Die Zeit, denn die Vollmacht wurde bereits Tage vor der Veröffentlichung erteilt. Mollath sagte der SZ, er habe nach einem Besuch Strates im Bezirkskrankenhaus Bayreuth lediglich zunächst mit seiner Anwältin - einer Münchnerin, die Mollath seit Monaten vertritt - über einen zusätzlichen Anwalt sprechen wollen. "So etwas gebietet, finde ich, der Anstand", sagte Mollath, denn die Anwältin habe sehr viel Arbeit in seinen Fall investiert; und das zu einer Zeit, in der ein Wiederaufnahmeverfahren nahezu unmöglich erschienen sei.

Überdies habe er sich über Strate, der ihm bis dahin nur als Name ein Begriff gewesen sei, informieren wollen. Dies habe er dem Hamburger Anwalt auch so mitgeteilt; Strate bestätigte Mollaths Darstellung. Nachdem Mollath dies getan habe, habe er die Bevollmächtigung unterzeichnet. Die Fragen, ob er möglicherweise "gar keine Wiederaufnahme" erreichen oder sich gar in einer angeblichen Rolle als "Märtyrer" einrichten wolle, empfinde er als verstörend, sagte Mollath.