Unfall im Sportheim Mann bekommt Flasche mit Lauge statt Radler serviert

  • Ein Mann aus Oberfranken trank bereits im Sommer aus einer Bügelverschlussflasche versehentlich Lauge und wurde schwer verletzt.
  • Die Polizei ermittelt nun gegen gegen einen ehemaligen Wirt der Sportgaststätte.
  • Einen Zusammenhang zu einem ähnlichen Fall in München, der momentan für Aufsehen sorgt, sehen die Ermittler nicht.
Von Olaf Przybilla, Bayreuth

Der 51-Jährige wollte vor einem Spiel des Sportvereins Kirchenbirkig einfach nur ein Radler trinken. Er bestellte es an der Theke des Sportheims, eine Flasche mit Bügelverschluss wurde ihm gereicht. Der Mann ging hinaus auf die Terrasse, nahm einen Schluck aus der Flasche, spuckte den Inhalt aber sofort wieder aus. Trotzdem erlitt er lebensbedrohliche Verletzungen.

In der Flasche war kein Biermischgetränk, sondern eine ätzende Flüssigkeit. Seit August haben Ermittler nach der Ursache gefahndet, ins Visier geriet zunächst eine oberfränkische Brauerei. Auch dass da womöglich jemand mutwillig Flüssigkeiten austauscht, um wahllos Menschen zu verletzen, schien zumindest nicht ausgeschlossen zu sein. Jetzt aber verfolgen die Ermittler offenbar einen konkreten Verdacht.

Wie der Leitende Oberstaatsanwalt von Bayreuth, Herbert Potzel, auf SZ-Anfrage mitteilte, richten sich die Ermittlungen nun gegen einen ehemaligen Wirt der Sportgaststätte. Gegen den Mann wurde ein Verfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung eingeleitet. Ob es auch zur Anklage kommt, sei allerdings noch offen, sagte Potzel.

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Mit den Folgen des Vorfalls vom 14. August hat der Mann noch immer zu kämpfen. Zwar hatte er das brennende Gemisch sofort ausgespuckt und seinen Mund mit Wasser ausgespült. Offenbar aber gelangte ein Teil der Lauge in seine Speiseröhre. Nach dem Schluck schwoll seine Zunge stark an, er kollabierte und musste in eine Spezialklinik geflogen werden. Dort wurde er ins künstliche Koma versetzt und drei Wochen auf der Intensivstation versorgt. Um atmen zu können, bekam er einen Luftröhrenschnitt.

Den Nordbayerischen Nachrichten hat der 51-Jährige, der anonym bleiben will, vor einem Monat einen Einblick in sein neues Leben gewährt. Demnach muss er auch fünf Monate nach dem Unglück regelmäßig in die Klinik, wo seine Speiseröhre geweitet wird. Ob sich diese überhaupt noch einmal erholt, sei noch nicht abzusehen. Immerhin sei er an diesem Tag so geistesgegenwärtig gewesen, die Flüssigkeit sofort auszuspucken.

Wäre die Lauge auch in den Magen gelangt, würde es ihm wohl noch deutlich schlechter gehen, sagt er. Konkrete Lebensgefahr bestand in den ersten Tagen nach dem Schluck aus der Flasche aber trotzdem.

Für die Ermittlungen wurden mehrere Gutachten eingeholt, sagt eine Polizeisprecherin. Wie und warum die Flüssigkeit in die Flasche kam? Momentan gehe man von "einer Verkettung unglücklicher Umstände" aus. Dem Vernehmen nach war in der vermeintlichen Radler-Flasche eine hoch konzentrierte Natronlauge, bestätigen will das die Polizei aber nicht.

Einen Zusammenhang zu einem ähnlichen Fall in München, der momentan für Aufsehen sorgt, sehen die Ermittler nicht - eben weil sich keine Hinweise auf eine wie auch immer motivierte mutwillige Tat ergeben hätten. Dort hatte sich in der vergangenen Woche eine Frau schwere Verletzungen zugezogen, nachdem sie in einem Lokal aus einer Wasserflasche getrunken hatte. In der Flasche war eine ätzende Flüssigkeit, die Frau musste auf der Intensivstation versorgt werden. Die Hintergründe werden derzeit ermittelt.

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