Treffen junger CSU-Politiker Die Inhaltsleere der CSU in Sachen internationaler Politik

Sätze wie diese belegen nicht nur die Inhaltsleere der CSU in internationalen Fragen. Sie erklären auch die wachsende Sehnsucht nach einem Mann wie dem früheren Verteidigungsminister. Guttenberg, Weber und der ehemalige bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon moderierten die Auftritte. Alle drei sind sich aus JU-Tagen verbunden, doch nur Weber spielt derzeit eine aktive politische Rolle. Manch einer in der Partei glaubt, das Treffen könne ihm schaden. Aus Webers Umfeld heißt es, man habe schon öfter solche Gesprächsrunden veranstaltet. Die Aufregung sei daher nicht nachzuvollziehen.

So nahe sich Guttenberg und Weber politisch stehen, so unterschiedlich sind sie als Typen. Hier der fränkische Charismatiker aus dem Adelshaus, dessen Stern in einem Tempo aufging und verglühte, wie es die Partei noch nicht erlebt hatte. Dort der vermeintlich biedere Niederbayer Weber, der seinen Einfluss außerhalb Horst Seehofers Reichweite Schritt für Schritt vergrößert: Als Vorsitzender des Bezirksverbands und Sprecher der EVP-Fraktion im Europaparlament zählt der 42-Jährige inzwischen zu den christsozialen Schwergewichten.

Aigner und Söder waren nicht eingeladen

Allerdings weiß jeder in der CSU, wie schwer es einem fällt, außerhalb von Bayern eine Hausmacht um sich zu scharen - besonders von Brüssel aus. Mit Netzwerken ist Weber seit seiner Zeit als bayerischer JU-Chef bestens vertraut, der Gesprächskreis ist ein Relikt aus dieser Zeit.

Dass Weber in absehbarer Zeit an einer Rückkehr nach München oder Berlin interessiert ist, gilt als unwahrscheinlich. Zweifellos wird er jedoch ein Wort mitreden wollen, wenn vom kommenden Jahr an die Personaldebatten für die Wahlen im Bund (2017) und Land (2018) beginnen. Ilse Aigner und Markus Söder, die derzeit aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge von Ministerpräsident und Parteichef Seehofer, waren in Neufahrn nicht eingeladen. Ein Name wie Guttenberg könnte die Statik schnell ins Wanken bringen. Söder sagte in Passau, er sehe das sehr entspannt. Er werde schon erfahren, was in Neufahrn so alles besprochen werde.

Seehofer dürfte Guttenbergs 24-Stunden-Intermezzo nicht ungelegen gekommen sein. Je stärker sich potenzielle Rivalen neutralisieren, desto größer sind seine Chancen, den von ihm gewünschten geordneten Übergang tatsächlich ohne vorzeitige Ablösung hinzubekommen. Der Mann, der in Passau für Guttenberg demonstrierte, ist übrigens glühender Seehofer-Fan.