SZ-Aktion "Dem Schnabel nach" Fuchs, du hast den SZ-Vogel gestohlen

Die Biologin Friederike Herzog und ihr Helfer Simon Weigl schnallen dem neuen SZ-Brachvogel, der noch keinen Namen hat, den GPS-Sender um. Er fliegt inzwischen an der andalusischen Costa de la Luz herum.

(Foto: Michael Püls/LBV)

Der junge Brachvogel, den die SZ in den Süden begleiten wollte, wurde vermutlich aufgefressen. Die Aktion geht nun mit einem anderen Tier weiter.

Von Christian Sebald, Pfatter

So ist das in der Ornithologie: Wenn ein Fuchs dazwischenfunkt, helfen selbst die ausgefeiltesten Hightech-Sender und Computerprogramme nichts. Der Vogel ist binnen kurzer Zeit verspeist. So dürfte es dem jungen Brachvogel aus dem Donaumoos im Landkreis Regensburg ergangen sein, den die Süddeutsche Zeitung auf seinem Winterflug in den Süden begleiten wollte. Am Mittwoch meldete Markus Erlwein vom Landesbund für Vogelschutz (LBV), dass sich wohl schon am Sonntagabend ein Fuchs den Jungvogel geholt haben dürfte.

Damit haben Friederike Herzog, die das Brachvogel-Forschungsprojekt des LBV betreut, und ihre Helfer überhaupt nicht gerechnet. Gleichwohl geht die SZ-Aktion weiter. Denn das Jungtier war natürlich nicht der einzige Brachvogel in dem Projekt, das insgesamt fünf Jahre lang laufen soll. Die SZ wird also über den Winter hinweg einen anderen Brachvogel bei seinem Aufenthalt im Süden begleiten.

Es waren dramatische Stunden für Friederike Herzog. Am Sonntag überprüfte die Biologin routinemäßig die Daten, die von dem Hightech-Sender auf dem Rücken des Brachvogels auf den PC in ihrem Büro überspielt wurden. Da hatte sie plötzlich das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmte. All die Tage zuvor war der Vogel, der immer noch nicht fliegen konnte, munter im Umkreis seines Nestes herumspaziert. Herzog konnte die Streifzüge an ihrem Computer genau nachverfolgen. "Nun war er auf einmal völlig reglos", berichtet LBV-Sprecher Markus Erlwein. "Über Stunden hinweg bewegte er sich keinen Millimeter. Es war sofort klar, dass etwas passiert sein musste." Also verständigte Herzog einige Helfer im Donaumoos. Sie suchten das Brutgebiet nach dem Jungtier ab. Aber sie wurden nicht fündig. Als sich der Vogel am Montag immer noch nicht bewegte, setzten sie die Suche sogar mit Hunden fort.

Für Herzog und die anderen Forscher war da freilich schon klar, dass der Jungvogel längst tot sein musste. "Den hat sich sicher ein Fuchs, ein Marder oder ein anderes kleines Raubtier geholt", sagt LBV-Sprecher Erlwein. "Für die ist so ein junger Brachvogel eine richtig schöne Mahlzeit." Und dazu eine, die sie sich ganz einfach besorgen können. "Es sind nur ungefähr fünf Tage, in denen die jungen Brachvögel schon ganz selbständig außerhalb ihres Nestes unterwegs sind, aber noch nicht fliegen können", sagt Erlwein. "Und das dürfte wohl die allergefährlichste Zeit in ihrem Leben sein." Denn in diesen fünf Tagen können sie noch nicht einfach auf und davon fliegen, wenn sich ihnen ein Fuchs oder ein anderer Übeltäter nähert. Sie können nur versuchen, ihm davonzulaufen. In aller Regel sind solche Fluchtversuche aber völlig aussichtslos.

So zynisch das auf den einen oder anderen wirken mag: Der jähe Tod des Jungvogels hat einen gewissen Wert für den LBV. "Ein Ziel unseres Forschungsprojekts ist ja gerade, dass wir erfahren, warum so wenige Jungvögel durchkommen", sagt Erlwein. "Zwar hatten wir auch bisher schon die Vermutung, dass Füchse und andere kleine Raubtiere eine Ursache dafür sein könnten." Aber das Schicksal des SZ-Brachvogels ist die erste Bestätigung in dem Forschungsprojekt, dass die Vermutung zutreffend sein könnte.

Immerhin hat die Biologin inzwischen die Fläche exakt lokalisieren können, wo der Sender und womöglich auch noch einige wenige Überreste des Brachvogels liegen: Es handelt sich um ein sumpfiges Areal nahe Pfatter, auf dem in diesen Tagen das Gras sehr hoch steht. Die Wiese ist Teil eines Naturschutzgebietes, in dem derzeit auch noch etliche andere hoch gefährdete Wiesenbrüterarten ihren Nachwuchs großziehen, Uferschnepfen etwa oder Rotschenkel. Sie will der LBV auf keinen Fall stören. Deshalb hat Herzog die Suche nach dem Sender vorerst eingestellt. Später soll das Gerät aber geborgen werden.

Den neuen SZ-Brachvogel wird sich so schnell kein Fuchs holen können. Und auch kein anderes Raubtier. Denn er ist ein erwachsenes Tier und ein richtiger Flugkünstler. Herzog und zwei Helfer haben ihn bereits Mitte Mai eingefangen - im Königsauer Moos, einem weitläufigen Feuchtgebiet im Unteren Isartal direkt an der A 92 bei Dingolfing. Wie bei dem getöteten Jungtier dauerte es gerade mal eine halbe Stunde, bis die Forscher ihm den GPS-Sender umgeschnallt hatten. Der neue SZ-Brachvogel ist längst im Süden.

"Wenige Tage, nachdem er den Sender umhatte, stellte sich heraus, dass die Brut in seinem Nest misslungen ist", sagt LBV-Sprecher Erlwein. "Die Jungtiere sind nicht geschlüpft oder kurz nach dem Schlüpfen gestorben." In so einem Fall haben die Elterntiere keinen Grund hierzubleiben, sie fliegen früher in das Überwinterungsgebiet. Das hat auch der neue SZ-Brachvogel getan. Er schwirrt bereits im spanischen Andalusien herum, genau gesagt an der Costa de la Luz im Nationalpark Coto de Doñana.

Die SZ hat einen neuen Mitarbeiter - und der braucht noch einen Namen

Wir verfolgen zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz einen Großen Brachvogel auf seinem weiten Flug in den Süden. Helfen Sie uns, den passenden Namen für unseren neuen Kollegen zu finden! Von Christian Sebald mehr...