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Großer Brachvogel:Die SZ hat einen neuen Mitarbeiter - und der braucht noch einen Namen

Großer Brachvogel - begleitet von SZ und LBV

Die SZ begleitet diesen Großen Brachvogel gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz in den Süden. Das Tier brauch dringend noch einen Namen.

(Foto: Frank Derer)

Wir verfolgen zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz einen Großen Brachvogel auf seinem weiten Flug in den Süden. Helfen Sie uns, den passenden Namen für unseren neuen Kollegen zu finden!

Es ist ein drückend schwüler Vormittag, Friederike Herzog und Andreas von Lindeiner haben in ihrem Auto alle Fensterscheiben heruntergekurbelt. Doch kein Luftzug lindert die bleischwere Hitze über dem Königsauer Moos, einem weitläufigen Feuchtgebiet im Unteren Isartal direkt an der A 92 bei Dingolfing.

In Schritttempo kurvt Lindeiner einen Feldweg entlang. Plötzlich tritt er voll auf die Bremse. "Da sind sie", sagt der Biologe und oberste Artenschützer beim Landesbund für Vogelschutz (LBV), "und zwar richtig viele".

Weit hinten auf einer frisch gemähten Wiese steht eine Schar kniehoher, unscheinbar graubraun gefiederter Vögel mit eigentümlich langen, nach unten gekrümmten Schnäbeln. Einige schreiten gemessenen Tempos durchs Gras, andere haben die Schnäbel leicht geöffnet, so als würden sie hecheln. Es sind Große Brachvögel, die sich hier versammelt haben.

Lindeiners Kollegin Friederike Herzog beginnt zu zählen. An Ende kommt sie auf 26 Vögel. Für die beiden Ornithologen ist es ein Glückstag. Der Große Brachvogel zählt zu den seltensten Arten in Bayern. So viele Exemplare auf einem Fleck haben Andreas von Lindeiner und Friederike Herzog seit Jahren nicht mehr gezählt.

Der Große Brachvogel (Numenius arquata) ist Gegenstand des neuen, aufwendigen Forschungsprojekts, das der Landesbund für Vogelschutz dieser Tage gestartet hat. Und wie beim großen Kuckuck-Forschungsprojekt des LBV vor vier Jahren ist die Süddeutsche Zeitung auch dieses Mal mit dabei.

Die SZ begleitet einen jungen Großen Brachvogel auf seinem Winterflug in den Süden. Einst war die Wiesenbrüter-Art in praktisch allen Flusstälern, Mooren und anderen Feuchtgebieten hierzulande anzutreffen. Heute leben außer im Königsauer Moos nur noch am Münchner Flughafen, an der Donau und im Altmühltal größere Gruppen.

Die winzige Population kommt in Bayern nicht auf die Beine

"Wir haben hier im Freistaat gerade mal noch 465 Brutpaare und es werden von Jahr zu Jahr weniger", sagt Lindeiner. Auf der Roten Liste werden die Großen Brachvögel seit Jahren in Kategorie I geführt. Das heißt, sie sind akut vom Aussterben bedroht.

Dabei hat der Freistaat schon vor bald 40 Jahren ein millionenschweres Artenhilfsprogramm für die Schnepfenart aufgelegt. Dennoch kommt die winzige Population in Bayern nicht auf die Beine. "Jetzt wollen wir endlich Bescheid wissen, warum das so ist", sagt Lindeiner. Das neue Forschungsprojekt des LBV ist auf fünf Jahre angelegt.

Natürlich haben Lindeiner und Herzog allerlei Vermutungen darüber, warum die Bemühungen um die Großen Brachvögel nicht fruchten. Eine lautet, dass es zu wenige Jungvögel gibt. Im Königsauer Moos etwa zählten Herzogs Helfer vergangenes Jahr 49 Brutpaare, ein Gelege besteht in der Regel aus drei bis fünf Eiern. Gleichwohl wurden dort nur neun Jungvögel flügge. In den anderen Brutgebieten sah es nicht besser aus.

Natürlich gibt es allerlei Spekulationen, wieso es kaum Jungvögel gibt. "Eine lautet, dass viele Brachvogel-Paare einfach zu alt sind für Nachwuchs, viele Nester also leer bleiben, schließlich werden Tiere bis zu 30 Jahre alt", sagt Lindeiner. "Aber was es wirklich ist, wissen wir bislang noch nicht." So wie die Vogelschützer auch nicht wissen, wie viele Jungvögel ihren ersten Winterflug überstehen und ob sie überhaupt in das Gebiet zurückkehren, in dem sie geboren wurden.

Doch da sind auch noch andere Fragen, die den LBV interessieren. Lindeiner und Herzog wollen aufklären, wie es um die Wirksamkeit des teuren Artenhilfsprogramms steht, das sich der Freistaat für den Schutz der Großen Brachvögel leistet. "Wir wissen bisher nur, dass sich die Brachvögel auf Wiesen aufhalten, die sie gut überblicken können, die aber nicht komplett kurz geschoren sind", sagt Lindeiner.