Streit um Kunstwerk spaltet Bayern "Ohne Dürer kein Ja zum Münchner Konzertsaal"

Die Alte Pinakothek will Dürers Selbstbildnis nicht für eine Nürnberger Sonderausstellung rausrücken. Nun fährt ein fränkischer CSU-Abgeordneter schwere Geschütze auf - und droht den Münchnern.

Von Olaf Przybilla

Karl Freller gilt als gelassener Mann, das Aufbrausende ist seine Art nicht. Die Mitteilung aber, die der CSU-Fraktionsvize im Landtag nun versendet hat, ist von ganz anderer Natur und lässt ahnen, wie tief der Stachel sitzt in Franken. "Ohne Dürer kein Ja zum Münchner Konzertsaal" ist sie überschrieben, das lässt schweres Geschütz erahnen. Und so kommt es auch: Sollte das Bild "Selbstbildnis im Pelzrock" für die Dürer-Ausstellung im Mai nicht nach Nürnberg entliehen werden, warnt Freller, sehe er "auf absehbare Zeit keine Basis, einem neuen Münchner Konzertsaal zuzustimmen".

Was hat ein möglicher neuer Konzertsaal in München mit dem nicht ausgeliehenen Dürer-Selbstbildnis von 1500 zu tun? Das "Verhalten aus München" sei illoyal, schimpft der CSU-Fraktionsvize - und Loyalität sei "keine Einbahnstraße". Freller nennt die Haltung der Staatsgemäldesammlung, das Bild für die Zeit der Ausstellung nicht dem Nationalmuseum in Nürnberg zu überlassen, "absolut unverständlich und nicht akzeptabel". Es gehe immerhin um die größte Dürer-Schau seit 40 Jahren im Geburts- und Sterbeort des Malers.

Dass der Politik die Hände gebunden seien, will Freller nicht gelten lassen. Er argumentiert so: In der Wittelsbacher Landesstiftung, die zuletzt über eine Ausleihe zu befinden hat, seien zwei der drei Vorstände vom Freistaat entsandt oder benannt - der dritte ist ein Vertreter aus dem Hause Wittelsbach. Eine positive Entscheidung müsste daher möglich sein. Diese aber sei nicht erkennbar, stattdessen verstecke man sich "hinter einer angeblich sakrosankten Liste" - der Sperrliste von 113 nicht ausleihbaren Werken der Pinakothek.

Das wiederum trübe im Gegenzug den Willen des Abgeordneten, dem geplanten neuen Konzertsaal in München zuzustimmen. Freller habe "Probleme, weitere Millionen auch fränkischer Steuerzahler für die Kulturlandschaft Münchens" abzunicken - während von dort nicht mal der Wunsch nach einer Leihgabe erfüllt werde. Einen entsprechenden Landtagsantrag hat Freller nun vorbereitet. Er sieht vor, dass die Staatsregierung beim Vorstand der Landesstiftung darauf hinwirken solle, dass das Dürer-Porträt verliehen wird.

Das könnte sich Freller sparen. Ohnehin will sich Ministerpräsident Horst Seehofer in dieser Woche mit Herzog Franz treffen, dem Chef der Wittelsbacher, der auch im Stiftungsrat sitzt. Nur wann - ist geheim.