Seehofers Erben Herr, sende ein Zeichen

Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und Finanzminister Markus Söder (r.) wollen Horst Seehofer beerben.

(Foto: dpa)

Im Kampf um seine Nachfolge scheint sich Horst Seehofer auf Ilse Aigner festgelegt zu haben. Seither agiert Konkurrent Markus Söder immer häufiger gegen seinen Chef. Doch im CSU-Machtgerangel könnte es noch einen dritten Kandidaten geben.

Von Frank Müller und Mike Szymanski

Es ist 12 Uhr, Montagmittag auf dem Oktoberfest. Markus Söder kommt an seinen reservierten Tisch in der Direktionsboxe im Hofbräuzelt. Die Kapelle spielt den Defiliermarsch, das ist der Soundtrack der CSU-Chefs und der bayerischen Ministerpräsidenten. Zufall, natürlich. Es gibt ja so unglaublich viele Zufälle momentan in Bayern. Manche sind aufs Sorgfältigste geplant, anderes passiert wirklich einfach so. Einem wie Söder wäre der arrangierte Auftritt zum Defiliermarsch zwar jederzeit zuzutrauen. Allerdings würde er dann in der Lederhose durchs Hauptportal einziehen und nicht im Anzug durch die Nebentür kommen wie an diesem Montag.

Derzeit kann die komplette zweite Reihe von CSU-Politikern hinter Ministerpräsident Horst Seehofer praktisch keinen Auftritt absolvieren, ohne dass genau auf die Begleitbotschaften geschaut wird. Hat Söder im Rennen um die Seehofer-Nachfolge die Nase vorn, dreht ihm Ilse Aigner eine lange Nase, zieht Joachim Herrmann in fränkischer Gemütsruhe an allen vorbei?

Immer bereit zum Fight

Söder verheimlicht nie, dass er noch weiter nach oben will. Auf der Wiesn simuliert er mittags den Oberbayern. Abends spricht er mit Bankern im "Money-Club". In Franken ist er sowieso groß. Wenn er als Dienstherr zu Bayerns Beamten spricht, dann gerne mit dem Hinweis, dass er Boxhandschuhe im Büro habe. Immer bereit zum Fight. Seit ein paar Wochen schon führt er ganz offen den Kampf gegen Seehofer.

Es waren zwei Königskinder

Wer könnte der nächste starke Mann, die nächste starke Frau an der Spitze Bayerns und der CSU sein? Horst Seehofer hat sich lange einen Spaß daraus gemacht, es in seiner Partei heftig södern und aignern zu lassen. Doch nun muss er plötzlich zusehen, wie er die Drängler auf Abstand hält. Ein Kommentar von Mike Szymanski mehr ...

Als der nach den Wahlerfolgen für die AfD in ostdeutschen Landesparlamenten analysiert, die Union müsse einfach nur gute Arbeit abliefern, dann gehe die AfD schon wieder vorüber, stellt sich Söder vor die Kameras und skizziert Schreckensbilder. Wenn die CSU nicht aufpasse, könne sie in Bayern unter die 40-Prozent-Marke rutschen. Söder provoziert ständig. Seehofer sagt, es sei gerade nicht die Zeit für Steuergeschenke, prompt fordert Söder welche. Söder pusht, Seehofer stutzt zurecht. Was Söder an Entlastungen vorschwebe, sei unseriös, das könne niemand bezahlen. Söder aber bleibt einfach stehen. Von Seehofer hat er nichts Gutes mehr zu erwarten, das weiß Söder, seit Seehofer ihm 2012 auf der CSU-Weihnachtsfeier "zu viele Schmutzeleien" vorgeworfen hat. Also spinnt Söder seine Netzwerke in der Landtagsfraktion und kann sich darüber freuen, dass er zu Jahresbeginn in einer BR-Umfrage von den Bayern am häufigsten als Wunschnachfolger genannt wurde.

Aigner müht sich

In diesem Erbfolgekrieg belauert jeder den anderen und misst auf den Zentimeter genau nach, wie sich nach Erfolgen und Niederlagen die eigene Machtbasis und die der anderen vergrößert oder verkleinert.

Ministerpräsident Horst Seehofer hält Ilse Aigner für die optimale Lösung.

(Foto: dpa)

Auch Aigner misst. Aber sie lässt sich dabei nicht so zuschauen. Sie galt schon in dem Moment als Kronprinzessin, als Seehofer sie für den Landtagswahlkampf aus der Bundespolitik abzog und nach München holte. Nach der Wahl stutzte Seehofer auch sie erst mal zurecht. Sie bekam das Wirtschaftsressort und nicht den Fraktionsvorsitz, der ihr besser gelegen hätte. Und als große politische Aufgabe die Energiewende, mit der sie sich seit Monaten müht. Ihre Fachleute sagen ihr: Bayern braucht Stromtrassen. Seehofer sagt: Er will keine Stromtrassen. So geht das seit Monaten und das fürs vergangene Frühjahr versprochene Energiekonzept lässt auf sich warten.

Aigner macht keine Politik gegen Seehofer. Noch nicht jedenfalls.