Regensburg Fragwürdiger Geldgeber beim SSV Jahn Regensburg

Mehr als 50 Millionen Euro hat sich die Stadt Regensburg das neue Stadion für den SSV Jahn kosten lassen. Es ist im vergangenen Jahr eröffnet worden.

(Foto: imago)
  • Bauunternehmer Volker Tretzel ist ein wichtiger Sponsor des SSV Jahn Regensburg.
  • Ein Schreiben, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, legt nahe, dass die Zahlungen mit Geschäften zu tun haben könnten, die Tretzel mit der Stadt macht - und so auch mit der Parteispendenaffäre.
Von Andreas Glas, Regensburg

Es war ein gutes Jahr für den SSV Jahn Regensburg. Erst der Aufstieg in die Dritte Liga, zuletzt zwei Siege hintereinander, sieben Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge. Doch nun könnte es doch noch turbulent werden rund um den Jahn. Der Süddeutschen Zeitung liegt ein Schreiben vor, das auf einen Zusammenhang hindeuten könnte zwischen Zahlungen der Baufirma Tretzel an den SSV Jahn und Grundstücksgeschäften derselben Firma mit der Stadt Regensburg.

Das Schreiben trägt den Briefkopf der BTT Bauteam Tretzel GmbH, datiert vom 23. November 2015, und ist adressiert an zwei hochrangige Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Auf SZ-Nachfrage teilt Firmenchef Volker Tretzel mit, es handle sich um "einen Entwurf", der nicht verschickt worden sei. Er bestätigt allerdings, das Schreiben verfasst zu haben. Darin geht es unter anderem um ein Grundstück auf der früheren Nibelungenkaserne - um jenes Grundstück, das im Zentrum der Regensburger Parteispendenaffäre um SPD-Oberbürgermeister Joachim Wolbergs steht.

Auf dem Nibelungenareal hatte die Firma Tretzel, der größte Geldgeber des SSV Jahn, im Jahr 2014 drei Bauabschnitte von der Stadt erworben. Im Gegensatz zu den Bauabschnitten eins und zwei vereinbarten Stadt und Baufirma für den dritten Abschnitt einen umfangreichen Sozialwohnungsbau. Das Schreiben legt nun nahe, dass die Stadt nach dem Verkauf des Areals von der Firma Tretzel verlangte, auf dem dritten Bauabschnitt weitere Forderungen beim sozialen Wohnungsbau zu erfüllen. Dadurch fürchtete Volker Tretzel offenbar weniger Profit - und äußerte in dem Schreiben, dass die künftig vom SSV Jahn benötigten Tretzel-Zahlungen allein mit Bauabschnitt eins und zwei nicht zu erwirtschaften seien.

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Ein Hinweis darauf, dass die Firma den Zuschlag für das Nibelungenareal bekam, weil Volker Tretzel der Stadt eine Finanzspritze für den Fußballklub in Aussicht stellte? "Es gab und gibt keine Vereinbarung zwischen der Stadt Regensburg und mir oder der BTT GmbH über eine finanzielle Förderung des SSV Jahn im Zusammenhang mit unseren Bauprojekten", sagt Volker Tretzel. OB Wolbergs wollte sich auf SZ-Nachfrage nicht näher zu dem Schreiben äußern. Die Stadt teilte lediglich mit, das Tretzel-Schreiben sei nie bei den hochrangigen Mitarbeitern der Stadtverwaltung angekommen. Nach SZ-Informationen allerdings hat einer der zwei Adressaten bei der Polizei eingeräumt, das Schreiben erhalten und OB Wolbergs darüber informiert zu haben. Diese Aussage zog er später wieder zurück.

Kann das wirklich sein: Baugrund im Gegenzug für die Unterstützung eines Fußballvereins? Fest steht, dass die Stadt Interesse an der finanziellen Gesundheit des Fußballklubs hat. Schon deshalb, weil die Stadt dem Jahn für mehr als 50 Millionen Euro ein neues Stadion gebaut hat, das im Jahr 2015 eröffnet wurde. Wie aus dem nun aufgetauchten Schreiben hervorgeht, dürfte das finanzielle Engagement der Firma Tretzel beim Jahn zuletzt bei einer Million Euro jährlich gelegen haben. Der SSV Jahn hat den Betrag auf Nachfrage nicht bestätigt, teilt aber mit, dass es auch für die Zukunft "Vereinbarungen" über Tretzel-Zahlungen an den Jahn gebe. "Dieses Engagement", heißt es in Tretzels Schreiben an die Stadt, "beruht nicht darauf, dass ich mich für Fußball interessiere, sondern auf Bitte der damaligen Stadtspitze, um einen Konkurs des Jahn zu verhindern."