Regensburg Angst vor dem Dauerstau auf der A 3

Die Autobahn 3 soll bei Regensburg ausgebaut werden (Symbolbild).

(Foto: Peter Steffen/dpa)
  • Die A 3 wird zwischen dem Autobahnkreuz Regensburg und Rosenhof von zwei auf drei Spuren pro Fahrtrichtung ausgebaut.
  • Das Projekt soll insgesamt sechs Jahre dauern.
  • Blindgänger könnten das ganze aber nochmal in die Länge ziehen, denn die Autobahnbaustelle grenzt Gebiete, die im Zweiten Weltkrieg massiv bombardiert wurden.
Von Andreas Glas, Regensburg

Die Zahlen des ADAC liefern Futter für einen kolossalen Vergleich. Würde man alle Staus aneinanderreihen, die es 2017 auf Bayerns Autobahnen gab, würde eine Kolonne entstehen, die siebenmal um die Erdkugel reicht. 283 000 Stau-Kilometer gab es, viele davon auf der A 3, die in Bayern von Aschaffenburg bis hinter Passau reicht.

Die Chancen stehen gut, dass die A 3 auch in Zukunft einen Spitzenplatz bei der Staubilanz behält. Nicht nur wegen der Grenzkontroll-Staus bei Passau, die den größten Anteil ausmachen - auch wegen eines Projekts, das den Regensburgern den Schweiß auf die Stirn treibt, bevor es überhaupt losgegangen ist: der sechsspurige Ausbau der A 3 zwischen dem Kreuz Regensburg und der Ausfahrt Rosenhof.

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"Fünf Jahre Dauerstau?", fragte die Mittelbayerische Zeitung im Sommer, inzwischen ist von sechs Jahren die Rede und vom "A 3-Chaos". Düstere Prophezeiungen, doch Josef Seebacher sagt: "Wir wollen, dass es fließt." Seebacher ist kein Meditationslehrer, sondern Bauingenieur und Sprecher der Autobahndirektion Südbayern. Natürlich sei das Projekt eine Herausforderung, natürlich werde es mehr Staus geben. Er sagt aber auch: "Das wird sich einpendeln."

Noch im Februar geht es los mit den Bauarbeiten - auf einem Abschnitt, der schon jetzt oft verstopft ist, vor allem in der Früh und nach Feierabend. Im Schnitt sind dort knapp 70 000 Fahrzeuge pro Tag unterwegs. Bis 2030, so die Prognosen, werden es 82 000 sein. Deshalb entschied der Bundestag, den Abschnitt zwischen Autobahnkreuz Regensburg und Rosenhof von zwei auf drei Spuren pro Fahrtrichtung auszubauen. Wie umfangreich das Projekt ist, lässt sich bereits an den Zahlen ablesen: Die Strecke misst knapp 15 Kilometer, insgesamt müssen 16 Über- und Unterführungen erneuert werden, darunter die fast 200 Meter lange Bahnbrücke bei Burgweinting. Gesamtkosten: 270 Millionen Euro. Die größte Panik löst dennoch die kleinste aller Zahlen aus: sechs.

So lange wird es dauern, bis der Ausbau abgeschlossen ist: sechs Jahre, bis 2024. "Wir hätten auch schneller bauen können, aber dafür hätten wir die Autobahn komplett sperren müssen." Stattdessen ist der Plan, die Strecke nur an wenigen Wochenenden und vor allem nachts zu sperren. In diesem Jahr dreimal, für je 18 Stunden am Stück. In der übrigen Zeit soll der A-3-Abschnitt durchgehend zweispurig befahrbar bleiben. Allerdings werden die Spuren schmaler. Mal mehr, mal weniger schmal, je nach Abschnitt und Bauphase. Aber immer breit genug, um nebeneinander zu fahren, sagt Josef Seebacher. Dazu kommt ein Tempolimit, das über die gesamten sechs Jahre auf dem gesamten Abschnitt gelten soll. Wo bislang 100 oder 120 Stundenkilometer erlaubt waren, gilt während der Bauarbeiten Tempo 80.

Die Firmen wollen sich anpassen

Vor allem die Unternehmen und ihre pendelnden Mitarbeiter plagen nun Sorgen. Mehr als 30 000 Menschen arbeiten allein bei den sieben größten Firmen in Regensburg: Continental, BMW, Krones, Osram, Maschinenfabrik Reinhausen, Infineon und Siemens. In den kommenden sechs Jahren werden die Firmen bei ihren Mitarbeitern gezielt für öffentliche Verkehrsmittel werben, den Lieferverkehr verdichten, Schichtzeiten ändern und Transporte stärker auf die Bahngleise und in die Nacht verlagern. Die Autobahndirektion werde dabei "Partner sein" und die Unternehmen laufend über die Verkehrslage informieren, sagt Henning Schulze.

Die Autobahndirektion hat Schulze als Kommunikationsberater engagiert. Er soll den Regensburgern den Angstschweiß von der Stirn tupfen. Oder, wie er selbst sagt: "Akzeptanz über Erklären schaffen". Zum Beispiel über die noch nicht freigeschaltete Internetseite a3-regensburg.de. Dort kann sich von Ende Februar an jeder über die Termine, Bauphasen und den jeweils aktuellen Verkehrsfluss auf der A 3 informieren.

Dass es zum Dauer-Stau kommt, glaubt Josef Seebacher nicht. Seine Theorie geht so: Umso mehr Stau es gibt, umso mehr Autofahrer steigen auf öffentliche Verkehrsmittel um oder fahren bewusst außerhalb der Stoßzeiten. Der Stau wird dadurch weniger, das spricht sich rum, also steigen die Menschen wieder zu den gewohnten Zeiten ins Auto. Dadurch nimmt der Stau wieder zu - und der Kreislauf beginnt von vorne. Es sei "sehr viel Psychologie" im Spiel, sagt Seebacher. Deshalb erwartet er zwar "immer wieder Phasen, in denen es Unmut gibt". Aber eben auch solche Phasen, in denen der Verkehr fließt.

Blindgänger können zum Problem werden

"Gewisse Unwägbarkeiten" gebe es aber trotzdem, sagt Seebacher. Er spielt auf die Fliegerbomben an, die immer wieder gefunden werden, wenn in Regensburg gegraben wird. Dass Bombenfunde die Bauarbeiten zeitweise lahmlegen könnten, ist nicht unwahrscheinlich. Die Autobahnbaustelle grenzt an die im Zweiten Weltkrieg bombardierte Bahnstrecke und das heutige Stadtgebiet von Neutraubling, wo der Flugzeugbauer Messerschmitt einen Militärflughafen samt Rüstungsfabrik betrieb. Auch dieses Gelände wurde damals massiv bombardiert.

Luftbilder und Protokolle der Alliierten geben den Bauplanern Hinweise, wo sich noch Blindgänger unter der Erde befinden könnten. Sich allein darauf zu verlassen, wäre aber zu gefährlich. Wenn die Bagger graben, wird daher "immer jemand daneben stehen und messen", ob Metall im Boden liegt, sagt Seebacher. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bauarbeiter in Regensburg stärker auf unterirdische Strom- und Gasleitungen Rücksicht nehmen müssen als anderswo. Auch das habe mit einer "Regensburger Besonderheit" zu tun, sagt Seebacher: der innerstädtischen Lage des Autobahnabschnitts, der unmittelbar an das Uniklinikum und mehrere Gewerbegebiete angrenzt.

Diese Lage ist auch der Grund, dass es zwischen dem Regensburger Kreuz und Rosenhof schon jetzt so viele Staus gibt. Etwa die Hälfte des Verkehrs machen tagsüber kurze Stadtfahrten aus, "wenn Eltern ihre Kinder in die Kita oder jemand schnell zu Ikea fährt", sagt Josef Seebacher. "Eine Abfahrt rauf, die nächste wieder runter". Und wo viel rauf- und runtergefahren wird, da wird viel beschleunigt und gebremst, was häufiger zu Unfällen führt oder zum berühmten "Stau aus dem Nichts". Gerade die vermeintlich kurzen Fahrten könnten für die Regensburger also bald zur Geduldsprobe werden.

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