Naturschutz "Wir müssen die letzten noch frei fließenden Alpenflüsse schützen"

So sieht ein natürliches Flussbett aus: An der oberen Isar liegt noch Totholz herum, das Wasser gräbt sich sein Kiesbett.

(Foto: Steffen Reich)

Im Museum auf der Münchner Praterinsel zeigt der Alpenverein eine Ausstellung über Gebirgsflüsse. Bedroht sind sie hierzulande alle.

Von Katharina Rustler

Leise plätschert das Wasser, das sich als Bächlein in kristallfarbenem Türkis durch das Kiesbett windet. Vögel zwitschern, Bäume säumen das Ufer, es duftet nach Frühling. Was so kitschig klingt, stammt nicht aus einem Ausflugstipp für Bayern, sondern entspricht der Wirklichkeit. Tatsächlich wirkt das Flussgebiet der Isar an vielen Stellen auf den ersten Blick noch unberührt. Zumindest im oberen Bereich an der Grenze zu Österreich im Karwendel, denn die Isar gilt dort als einer der letzten Alpenflüsse Bayerns, der sich noch halbwegs in seinem natürlichen Zustand befindet und wild fließen kann. Schon in Krün jedoch wird ein Teil des Wassers abgezweigt und in den Walchensee geleitet, wo es für die Stromerzeugung genutzt wird.

Auf ihrem Weg in die Donau bei Plattling wird die Isar immer wieder für die Energieerzeugung gestaut, als Kühlmittel für das Atomkraftwerk bei Ohu gebraucht und in ein enges Bett gezwängt. Für Pflanzen und Tiere bleibt da kaum noch Lebensraum. Ähnlich ergeht es auch anderen Flüssen, die sich aus dem Hochgebirge speisen, wie beispielsweise dem Lech oder der Loisach.

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Eben jenem Thema widmet sich die Sonderausstellung "gerade wild. Alpenflüsse" im Alpinen Museum in München. Ein hochaktuelles Thema, denn insgesamt befinden sich nur noch ein Prozent der Alpenflüsse in gutem Zustand, wie Melanie Grimm, die Vizepräsidentin des Deutschen Alpenvereins (DAV), betonte. "Wir müssen die letzten noch frei fließenden Alpenflüsse unbedingt vor technischer Verbauung schützen", sagte sie bei der Eröffnung der Schau.

Denn durch Verbauungen, Begradigungen oder Staudämme werden die Wildflüsse und deren Auen zerstört, weil sie vor allem für Ackerbau sowie Energiegewinnung, aber auch als Erholungsgebiet wichtig sind. Der Alpenverein will mit der Ausstellung auf die akute Bedrohung aufmerksam machen und für die Renaturierung von Flüssen werben: Der Flussabschnitt der Isar bei Freising zählt zu den wenigen Projekten dieser Art. Hier darf sich das Wasser seit einigen Jahren wieder seinen Weg suchen, die Artenvielfalt hat deutlich zugenommen. Die Pläne für einen neuen Nationalpark in den Donauauen bei Ingolstadt sind freilich schon im Anfangsstadium gescheitert - an Protesten, aber vor allem am mangelnden politischen Willen.

Der Kontrast zwischen wildem Fluss und gezähmten Gewässern steht im Zentrum der Ausstellung auf der Praterinsel. Das eigenwillige Konzept hat die Innenarchitektin Astrid Peters entworfen: Aufgerichtete, hohle Papprollen reihen sich an den Rändern des Ausstellungsraums. Zu Beginn noch deutlich in ihrer Höhe variierend, symbolisieren sie den Flussverlauf, der, je weiter man sich voranbewegt, immer kontrollierter und flacher wird.

Zusätzlich sind in den Rollen Informationen und Bilder angebracht, die das Leben der am Fluss beheimateten Lebewesen vermitteln. Spielerisch kann man mit Hilfe einer 360-Grad-Brille manche Flusslandschaften erleben, an Tablets lassen sich zusätzliche Informationen abrufen und an Audio-Stationen kann man Tiergeräuschen wie etwa dem Nagen eines Bibers zuhören. In einem kleinen Raum hinten in der Ausstellung liefern Tafeln Hintergrundinformationen zu Wasserenergie, Entwicklungen anderer Alpengewässer und zusätzliche Zahlen. Leider wirkt dieser zweite Teil ein bisschen wie ein Anhang der eigentlichen Ausstellung, der nicht mehr in den Hauptteil gepasst hat und somit etwas zu kurz kommt.

Zum Ende hin warnen Schilder vor der Rutschgefahr am betonierten Flussufer. Plötzlich sind alle Papprollen gleich hoch, fast wie ein Zaun. An ihm entlang führt der Weg nach draußen - dort fließt die gezähmte Isar durch die Stadt.

Gerade wild. Alpenflüsse, bis 17. Mai 2019, Di.-So. 10-18 Uhr, Alpines Museum, Praterinsel 5, 089/211 22 40

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