Langengeisling Hier wird an der Technik für die Bundeswehr geforscht

Im Wiweb der Bundeswehr geht es - nicht nur - um besondere Textilien und um Ersatzteile aus dem 3D-Drucker.

(Foto: Habiger oh)

GPS, Antibiotika oder Tütensuppen: Viele Dinge wurden beim Militär erfunden. Am Ortsrand von Erding wird an Materialien und Innovationen für die Soldaten geforscht.

Von Veronika Wulf

Am Eingang hängt ein Schild: Gefährdungsstufe A. Es zeigt nicht nur, dass man Gelände der Bundeswehr betritt. Es zeigt auch: alles ungefährlich, unterste Stufe. Das ist wenig überraschend in Langengeisling, am Ortsrand von Erding. Der Krieg ist weit weg. Und doch ist er ganz nah.

Denn hier betreibt die Bundeswehr Hightech-Forschung, um Soldatenleben zu retten. Zumindest wird alles getan, um die deutschen Truppen zu schützen. Im Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk- und Betriebsstoffe, kurz Wiweb, testen mehr als 100 Wissenschaftler und Ingenieure, unter welchen Bedingungen ein Flugzeugflügel Feuer fängt, wie man ein Funksystem in Unterwäsche integrieren kann und ob ein Panzer Biodiesel verkraftet. Alles, was ein Soldat am Körper trägt, alle Flüssigkeiten, die durch Fahrzeuge der Bundeswehr fließen, und alle Materialien aus denen sie gemacht sind, nehmen Experten in Langengeisling unters Mikroskop. Im Wiweb soll dafür gesorgt werden, dass wenigstens materiell alles rund läuft bei der Bundeswehr.

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Viele große Erfindungen kamen aus dem Militär: Satelliten, GPS, Antibiotika, das Internet. Auch kleine Alltagsdinge wie die Tütensuppe, die Mikrowelle und der Sekundenkleber. Oft dauerte es Jahre, manchmal Jahrzehnte, bis die Erfindungen ihren Weg aus dem Krieg in den Alltag fanden. Militärforschung ist Zukunftsforschung, das Wiweb also ein Zukunftslabor.

Georg Maier ist der Leiter des Instituts, grauer Anzug, graue Haare. Seine buschigen Augenbrauen lassen ihn zweifelnd aussehen, selbst wenn er lacht. Wenn Journalisten kommen, hat er zwei Ziele: Er will die Forschung zeigen, seine Leidenschaft, und davon möglichst viel. Und er will vermeiden, dass die Bundeswehr schon wieder schlechte Schlagzeilen bekommt. Deshalb sagt er gleich am Anfang: "Die Bundeswehr ist eine Friedensarmee. Wir sind in erster Linie für die Sicherheit der Soldaten zuständig." Das betont er, denn die Bundeswehr hat ein Imageproblem. Marketingexperten überlegen sich eine Kampagne nach der anderen, um junge Leute trotzdem noch für die Streitkräfte zu begeistern. Attraktivitätsinitiative nennt die Bundeswehr das, man hört dem Wort schon die Anstrengung an. "Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst", heißt ein Slogan, der Maier gefällt.

Als Maier hier anfing, galt die Bundeswehr noch als attraktiver, solider Arbeitgeber. 1976 war das, und das Wiweb hieß noch Materialprüfstelle der Bundeswehr. Maier stieg als Werkstoffwissenschaftler ein und untersuchte ein neuartiges Material: Kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff, besser bekannt als Karbon. Für ihn ist das nicht einfach nur ein Gemisch aus Kohlenstoff und Kunststoff. Für ihn ist es ein Lebensbegleiter, seine Doktorarbeit schrieb er darüber, forschte danach weiter. "Karbon war ein Werkstoff, über den man noch nicht viel wusste."

Es war aber auch die Zeit des Kalten Krieges. Jetzt herrscht weitgehend Frieden in Europa. Das Wiweb arbeitet mit Nachbarländern, mit Staaten wie den USA, Israel und Singapur zusammen und forscht mit der Nato. Man kooperiert, statt aufzurüsten. Trotzdem brauche es Institute wie das Wiweb, sagt Maier. "Damit das so bleibt."

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Er ist 67 Jahre alt und der "am längsten dienende" Mitarbeiter hier. Seit fünf Jahren leitet er das Institut mit seinen 215 Mitarbeitern, viel Schreibkram, viel Logistik, er vermisst das Labor ein bisschen. Dreher hat er gelernt, bevor er in die Wissenschaft ging. Bei der Präsentation des Instituts wirft Maier mit Fachbegriffen um sich, spricht von extra- und intramuraler Forschung, Plasma- und Laservorbereitung, Fräsrobotern und Vektorenschutz. Sie haben ihre eigene Sprache hier. Dann führt er durch die grauen Gänge, wo vor den Laboren und Werksräumen schon die Experten im Türrahmen warten.