Hohe Durchfallquoten Lehramts-Studenten klagen über zu schwere Mathe-Staatsexamen

So simpel ist Mathe nur in der Grundschule.

(Foto: dpa)
  • Angehende Mathelehrer beklagen sich über das schwierige Examen in diesem Frühjahr.
  • Immer mehr Kandidaten fallen durch die Prüfung. Waren es im Herbst 2013 sechs Prozent, stieg die Zahl bis zum vergangenen Herbst auf 28 Prozent.
  • Für den Philologenverband ist die hohe Durchfallquote ein Skandal. Für das Ministerium eher nicht.
Von Anna Günther

Der Frust vieler Lehramtsstudenten übers Staatsexamen nimmt zu. In den vergangenen Semestern waren wiederholt Fehler in den Prüfungsaufgaben aufgetaucht. Nun wurden die Noten bekannt und einige angehende Mathematiklehrer beklagen sich über den hohen Schwierigkeitsgrad des Examens im Frühjahr. Die Aufgaben seien derart schwer gewesen, dass die Prüflinge schon zu Beginn mit der Fassung kämpften. "Niemand hat geschrieben, niemand hat etwas gesagt, einige hatten Tränen in den Augen", sagt eine Studentin.

Nach der Prüfung hätten sogar Männer geweint, erzählt eine andere. Die Nerven, zu viel stehe auf dem Spiel. Von der Note im Examen hängt am Ende der Schnitt ab, der entscheidet, ob es für einen Job beim Staat reicht. Und gerade an Gymnasien ist die Lage für Referendare schwierig. Nur die besten haben eine Chance. Die Zeiten, in denen Mathematik eine sichere Aussicht auf eine Stelle bot, sind vorbei.

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Das Staatsexamen im Frühjahr bestand wie üblich aus drei Prüfungsteilen. Erstellt werden die Aufgaben von Professoren, geprüft werden Analysis, Algebra und Fachdidaktik. In allen zu wählenden Aufgabenteilen aus dem Gebiet der Analysis sei reelle Analysis drangekommen, ein Thema, das den Studenten zufolge nur kurz behandelt wurde und in den Vorbereitungskursen als eher unwahrscheinlich gestreift wurde. Dabei hatten die beiden sogar beide Vorbereitungskurse der Münchner Unis besucht - nicht nur den an der eigenen Universität.

325 Studenten haben im März die Examensprüfung fürs Gymnasium an den bayerischen Unis geschrieben. 20 Prozent von ihnen sind durchs Examen gefallen. Rechnet man die Einzelprüfungen mit ein, kommt der Philologenverband auf 40 Prozent mit den Noten fünf oder sechs. Manche Studenten vermuten hinter dem hohen Schwierigkeitsgrad Methode, um schon vor dem Referendariat auszusortieren.

Belegen lässt sich das nicht, aber die Zahlen zeigen eine Tendenz: Im Herbst 2013 fielen sechs Prozent durchs Examen, ein Jahr später zwölf Prozent, im Frühjahr 2014 und 2015 etwa 27 Prozent, im vergangenen Herbst 28 Prozent. Das gab das Ministerium auf Anfrage des Landtagsabgeordneten Peter Paul Gantzer (SPD) kürzlich bekannt. Schuld an der Steigerung ist demnach eine Änderung der Lehramtsprüfungsordnung: Die mündlichen Prüfungen fielen 2008 weg, mit denen manche bis dato schlechte Leistungen ausglichen.

Man erwartet von Gymnasiallehrern anderes Wissen

Für den Philologenverband ist die hohe Durchfallquote ein Skandal. Für das Ministerium eher nicht. Von natürlicher Auslese möchte offiziell niemand sprechen. Aber beim vertieften Fach fürs Gymnasium könnten die Professoren durchaus ein gewisses Niveau erwarten, heißt es. Das Fach Mathematik nur als Eintrittskarte für einen Job zu wählen, sei zu riskant.

Von Gymnasiallehrern erwarte man anderes Fachwissen als von Mittelschullehrern, die Mathe nicht vertieft studieren. Trotzdem wollen weder Philologen noch Ministerium, dass die Anforderungen grundsätzlich gelockert werden. Aber Philologenchef Michael Schwägerl forderte, dass die Universitäten die Ursache bekämpfen und die Studieninhalte besser an die Prüfungsanforderungen anpassen.

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